Track Bergen – Enkhuizen bei GPSies

 

Wie geplant stehen wir also morgens “zeitig” auf und legen uns sofort wieder hin. Es ist dunkelgrau draußen und es plätschert aufs Vordach des Hotels. Und dabei hatte die Wettervorhersage einigermaßen schönes Wetter vorhergesagt, aber mit diesem Dilemma kämpfen wir nun schon seit fast zwei Wochen. Weder die Vorhersagen im Internet, noch die der Holländischen Fernsehsender haben auch nur entfernt etwas mit der Realität zu tun. Das Einzige, auf was man sich sicher verlassen kann, ist dass diese Vorhersagen nicht eintreffen werden. So gehen wir mit etwas Verspätung zum Frühstück, nachdem der Regen aufgehört hatte und beschließen, es trotzdem zu versuchen. Wir haben unterwegs ein paar Möglichkeiten einen Bahnhof zu erreichen, das gibt uns den Mut loszufahren.
Am Abend vorher hatten wir die Route ausgetüftelt, sehr hilfreich war einerseits eine niederländische Website, auf der landesweit alle Radwege und Knotenpunkte (knooppunts, erklär ich gleich) verzeichnet sind, die außerdem einen Routenplaner enthält, der die berechnete Route gleich als gpx-File ausgibt, also fertig für`s Navi. Klingt traumhaft ist es auch und außerdem hat die Route auch noch auf den Meter genau gestimmt. Zweitens notiere ich mir aus dieser Website die Knooppunts, die wir passieren werden. Die Niederländer haben nämlich nicht nur ein hervorragendes Radwege-Netz, die haben das auch noch ausgeschildert. Es gibt flächendeckend ein Netz von durchnummerierten Knotenpunkten, die man auf allerlei Faltkarten verzeichnet findet, oder eben dieser Website entnehmen kann und die vor allem durchgehend (auch im Hinterland, abseits der Touri-Strecken) und sichtbar ausgeschildert sind. Wenn man dieses System einmal verstanden hat, braucht man eigentlich kein Navi mehr, auch wenn meines ein prima Spielzeug ist. Zwinkerndes Smiley
Also jedenfalls verlassen wir Bergen gut gerüstet und radeln in Richtung Alkmaar. Heute allerdings nicht in die Innenstadt sondern durch die Randbezirke und in östlicher Richtung wieder raus. Dort kommen wir an einen Wunderschönen Kanal und sehen eine ganze Reihe von top-restaurierten Windmühlen.

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Während wir so dastehen, fotografieren und fachsimpeln, fällt uns auf, dass die Dinger bewohnt sind, ob als Sommerhäuschen oder als Ganzjahres-Verbleib, vermag ich nicht zu sagen, auf jeden Fall hat jede davon einen ordentlichen Garten davor, es hängt Wäsche auf der Leine und es springen Haustiere im Garten umher, von Schafen über Ziegen bis zu kläffenden Kötern.
Nach ausgiebiger Fotosession auf diesem Teilstück des Weges wird es noch ländlicher, es geht kilometerlang auf winzigen Landsträßchen an den typischen Häuschen vorbei, immer mit einem Kanal davor. Die Dinger riechen zwar nicht immer nach Perwoll, aber man gewöhnt sich daran und es hat einen ganz eigenen Charme. Uns gefällt es und so gucken wir Häuschen und allerlei Getier an, während sich die Kilometer unter unseren Rädern beinahe von selbst abspulen. Wir haben nämlich Rückenwind, es ist nicht zu fassen. Und dabei hätte ich gewettet, dass der Wind extra für uns heute aus Richtung Osten bläst. Aber nix da, der Wind kommt aus Süd-West, das heißt die meiste Zeit von rechts hinten. Um dem Fass die Krone aufzusetzen, kommt auch noch die Sonne raus, es ist kaum zum Aushalten…
So erreichen wir fast in Rekordzeit unser Ziel in Enkhuizen und fallen in das Hotel ein, dass wir uns im Internet ausgesucht hatten. Einfallen trifft es auch ganz gut, denn zunächst stelle ich ganz verblüfft fest, dass es sich um ein chinesisches Lokal handelt, in dem wir bei unserem letzten Besuch hier in Enkhuizen gespeist hatten. An der Eingangstür zum “Hotel” fand ich zunächst ein Schild, dass sich die Rezeption eine Tür weiter in einem anderen Lokal befinden würde. Ich also dort rein, aber da ist zum ersten das Licht aus und zweitens sieht es gar nicht so aus, als wäre hier in letzter Zeit ein Gast gewesen. Das erinnert mich auch irgendwie an unseren letzten Besuch hier, als wir im Hotel “De Halve Man” im Nachbarort Bovenkarspel genächtigt hatten, dort gab es einen riesigen Saal, der komplett eingedeckt, aber zentimeterdick mit Staub überzogen war, in dem wir unsere Fahrräder parken sollten. Ich also rein in die Kneipe, im Hintergrund höre ich jemanden werkeln. Ich rufe laut “Hallo” und gehe auf einen kleinen Chinesen zu, der hinter einer Theke am putzen ist und sofort in Deckung geht, als er mich sieht. Schaut lustig aus, ich versuche mein Glück trotzdem und frage, ob er mir ein Zimmer vermieten mag. Er schaut mich mit tennisballgroßen Augen an und deutet auf eine Durchgangstür durch die ich dann gehe und zu meiner Verwunderung wieder in dem chinesischen Lokal rauskomme, allerdings hinter der Theke. Die dort hantierende kleine Chinesin schaut mich mit ebensolch großen Augen an und auf meine Frage: “Do you speak englisch? Or german, maybe?” antwortet sie “Chinese?”. Sie grinst aber dabei, also hat sie mich wenigstens verstanden. Sie schnattert ein wenig nach hinten in die Küche, aus der dann eine noch kleinere Chinesin auftaucht, die durchaus ein wenig Englisch versteht und auch “sprekken” kann. Allerdings hat sie null Plan von den Hotelzimmern und so muss sie jede meiner Fragen erst wieder überschnattern und die jeweilige Antwort wieder ins “broken english” transferieren. Das dauert ein bisschen, aber wir werden uns einig, auch wenn der Preis nicht ganz dem entspricht, was im Internet offeriert war, egal, das Zimmer ist ganz ok. und wir beziehen eine Kammer mit Blick auf den historischen Hafen. Den besuchen wir dann auch noch gleich und stellen fest, dass es hier ein Freilichtmuseum gibt, welches das Leben an der Zuiderzee dokumentieren soll, bevor diese zu einem Binnengewässer umfunktioniert wurde. Die Zuiderzee war ursprünglich nämlich ein Teil der Nordsee, entsprechend lebten hier in erster Linie Fischer und es gab alle möglichen Gewerke, die zum Schiffsbau und der Fischerei dazu gehörten. Da die See aber hier sehr unberechenbar war und entsprechend das dem Meer abgewonnene Land immer wieder überspült wurde und Menschen, Land, Häuser und Vieh zuhauf verschlang, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts beschlossen, die Zuiderzee einzudeichen. Das geschah von 1927 bis 1932 durch den Bau des 30km langen Abschlussdeiches (Afsluitdijk) mit dem Ergebnis, dass sich das nun entstandene Ijsselmeer zwar beruhigte, aber auch “aussüsste”, sprich es veränderte sich der Fischbestand innerhalb des Ijsselmeeres und die Fischer konnten natürlich auch nicht mehr auf die Nordsee rausfahren. Das Aussterben dieses Berufsstandes und der damit verbundenen Betriebe veränderte das Leben am Ijsselmeer grundlegend, ganze Dörfer verwaisten und wurden abgerissen. Um aber ein Bild der Kultur und des Lebens zu erhalten, wurde dieses Zuiderzee-Museum errichtet, hier sind mehrere komplette Dörfer nachgebaut, laut der Beschreibung absolut originalgetreu, mit der jeweiligen Beschreibung, wer das Haus wann bewohnt hat, sehr aufwändig und sehr schön.

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Anschließend gab es noch gutes Futter und im Hotelzimmer überm Chinesenlokal wurde die Strecke für den nächsten Tag geplant, die uns entlang des Ijssel- bzw. Markermeers bis nach Volendam führen soll.

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Frühmorgens raus aus den Federn, geduscht, gefrühstückt und rauf auf Radl. Noch vor neun sind wir auf dem Weg nach Alkmaar, um 10:00 Uhr beginnt der berühmte Kaasmarkt.
Wir finden den Waagplein, wo das Spektakel stattfinden soll ohne Probleme und stellen um 20 Minuten vor 10 fest, dass tausende andere die selbe Idee hatten wie wir. So ergattern wir zunächst nur einen Platz am Rande des Geschehens, zu sehen ist noch nichts, außer 1000er aufgereihter Käse-Leiber auf einem riesigen freien Platz.

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Es ist furchtbar eng und die vorherrschende Sprache ist ein Gemisch aus chinesisch (oder anders asiatisch) und sächsisch. Neben uns hat sich nämlich eine Blase aus dem grün-weißen Freistaat aufgebaut und unterhält sich über die Köpfe hinweg entsprechend lautstark. Direkt neben mir drängelt so ein Exemplar und nimmt mir mit ihrem Parfüm die Luft zum atmen und mit ihrer Leibesfülle den Platz zum Fotografieren. Ersteres ist lebensbedrohlich, zweiteres nicht so schlimm, weil es im Moment noch nicht viel zu sehen gibt. Der Markt wird zwar mit einer Glocke pünktlich um 10 eingeläutet und von einer Moderatorin auch entsprechend eröffnet, aber es dreht sich im Moment alles nur um ein Kinder-Sportfest, was im Moment in Alkmaar stattfindet, die World-Children-Games, wohl sowas wie eine Kinder-Olympiade. Ich hab noch nie davon gehört, aber es springen eine Menge Offizielle auf dem Markt rum, die wollen alle begrüßt werden und das rückt den Käse in den Hintergrund. Wir sehen anschließend eine Menge Jugendliche in Trainingsanzügen mit den Schriftzügen aus aller Herren Länder umherlaufen, das erklärt wohl auch, warum für uns kein Hotelzimmer übrig war.
Irgendwann sind dann all die Krawattenträger begrüßt und das Treiben nimmt seinen Lauf. Das Mädel am Mikrofon kommt dann auch irgendwann zur Sache und erzählt, um was es eigentlich geht. Es geht also nicht nur um die reine Show, es wird der Käse, der hier am Markt rumliegt tatsächlich verkauft. Das funktioniert so, dass sich irgendwer ein paar solcher Träger organisiert, die schleppen die angeforderte Menge zum Waagenhaus, eine richtige Uralt-Einrichtung, und nach Begutachtung und Gewichtsprüfung schleppen die Träger den ganzen Käse dann zu einem Wagen oder einem Boot und er wird abtransportiert. Ich nehme an, normalerweise findet das unspektakulärer statt, aber alle Freitag ist halt hier dieser Rummel um den Käse. Es handelt sich laut Aussage der Dame am Mikrofon um schlappe 23.000 Kilogramm, die hier und heute verhökert werden.

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Es gab anschließend auch noch einiges mehr zu sehen in Alkmaar, die Stadt erinnert mit ihren Grachten ein bisschen an Amsterdam, nur ist hier alles etwas weitläufiger, weniger gedrängt. Man hat halt mehr Platz zur Verfügung gehabt, während man in Amsterdam um jeden Meter Boden gegen das Meer oder die Zee, wie der geneigte Dutchmen zu sagen pflegt, mit hohem Aufwand kämpfen muss.

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Ein sehr schöner Tag, den wir nach der Rückfahrt in Bergen gemütlich ausklingen lassen.

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Wenn uns das Wetter mitspielt, führt uns unsere Reise morgen ans Ijselmeer, voraussichtlich nach Enkhuizen. Möge der holländische Wettergott, wie immer er heißen mag, mit uns sein.

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Track DeKoog /Texel – Callantsoog (mit Fähre) bei GPSies


Track Callantsoog – Bergen bei GPSies

Nachdem wir also 3 Tage auf der Insel verbracht hatten, geht es wieder zurück auf`s niederländische Festland. Im Laufe dieser drei Tage hatten wir unseren Plan mal wieder komplett umgekrempelt. Eigentlich war ja geplant, von Texel aus in Richtung Ijselmeer zu fahren aber Pläne sind ja dazu da, immer wieder neu überdacht zu werden. Das lernen wir doch täglich von unseren Politikern, die wissen doch heute auch nicht mehr, was sie gestern gesagt haben, aber zurück zum Ernst des Urlaubs-Lebens, wir haben also einen neuen Plan. Und der besagt, dass wir wieder an die Noordzeeroute zurück kehren und diesmal in entgegengesetzter Richtung das Stück noch nachholen, was wir am Sonntag ausgelassen hatten, also zumindest fast das ganze Stück. Ziel des Ganzen soll sein, am Donnerstag Abend Alkmaar zu erreichen. Warum gerade Alkmaar? Weil es dort jeden Freitag Morgen einen Markt gibt, der mehr eine Show-Veranstaltung ist und den wollen wir uns anschauen. Und was wird in Holland wohl auf dem Markt gehandelt werden? Logisch, es ist der Kaas-Markt von Alkmaar, den wir besuchen wollen.
Und so führt uns unsere Reise also von De Koog wieder zur Fähre, die uns von `t Horntje nach Den Helder bringen soll. Wir wählen dieses Mal jedoch einen anderen Weg, wir wollen nicht entlang der Landstraße radeln und so geht es aus De Koog raus durch dichte Wälder oder am Rande der Dünen entlang der Westküste der Insel Texel, durch das Dörfchen Den Hoorn zur Fähre. Heute müssen wir etwas warten, das Böötchen fährt nur alle Stunde. Dafür kostet die Überfahrt diesmal nix, das Ticket für die Herfahrt gilt auch automatisch retour, anscheinend geht man davon aus, dass keiner hier bleiben will. So schlimm fand ich das Eiland nun auch wieder nicht, auch wenn das Wetter mehr als bescheiden war und uns nicht all zu viele Möglichkeiten geboten hat. Wir hätten gerne noch mehr von der Insel gesehen, war aber leider nicht möglich. So verabschieden wir uns also von Texel, mit dem Wissen noch mal wiederkommen zu müssen, es gibt noch was anzuschauen, außer den bereits beschriebenen Monsterschweinen und dem Lämmer-Streichelzoo. Einen Leuchtturm zum Beispiel und der muss jetzt warten, bis wir wiederkommen.

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In den Helder angekommen wird uns bewusst, dass unsere Entscheidung, wieder in Richtung Nordsee zu fahren eine sehr mutige war. Als wir heute morgen in unseren Betten erwacht waren, haben wir mit großer Freude den weiß-blauen Himmel zur Kenntnis genommen. Auch die Tatsache, dass aus dem Sturm von gestern ein eher laues Lüftchen geworden war, hat uns erfreut, aber jetzt spätestens wird deutlich, aus welcher Richtung das “Lüftchen” weht. Nämlich aus Süd-West. Und unsere Hauptrichtung in den nächsten beiden Tagen wird Süden sein. Und so stürzen wir uns also in den Kampf, der auf den ersten 4 Kilometern ein echt harter wird, es geht außendeichs direkt am Wasser entlang. Stehen ist schon eine echte Herausforderung, mancher Angler hat seine liebe Not mit dem Wind und wir versuchen mit unserem windsegelartigen Gepäck an den Fahrrädern dagegen anzukämpfen. Gute Entscheidung in diese Richtung zu fahren! *schulterklopf*

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Nach einigen Kilometern biegt der Weg dann in die Dünen ein, hier geht es dann etwas besser, der Weg ist auch schöner hier, es lässt sich fahren. Auch hier schauen die Dünen wieder ganz anders aus, kaum noch Wald, eher wie in einer Heide, auch das niedere Gebüsch hat etwas von Heide-Sträuchern.

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Schließlich führt der Radweg aus den Dünen raus an eine Landstraße um dieser kilometerlang zu folgen. Hier bläst uns der Wind wieder voll ins Gesicht und nach weiteren 15 (gefühlt 55) Kilometern haben wir keine Lust mehr. Im Örtchen Callantsoog beschließen wir dem Drama für heute ein Ende zu bereiten. Bis Alkmaar wären es noch weitere 30 Kilometer, bei normalen Windverhältnissen kein Thema, aber so… So suchen wir nach einem Hotel, was sich als ziemliche Herausforderung erweist.  Erst nachdem wir das Internet bemühen, kriegen wir heraus, wo sich die beiden örtlichen Hotels verstecken, jedenfalls nicht leicht zu finden. Hier erweist sich auch wieder einmal die Tatsache, dass es in Holland fast überall kostenloses WLAN gibt als ein Segen, denn Mobil-Empfang ist hier in dem Kaff nicht! Das Hotel ist eines der gehobeneren Klasse, entsprechend stellen wir beim Frühstück fest, dass wir den Altersdurchschnitt verfälschen. Erst, als wir bereits aufbrechen tauchen noch ein paar “jüngere” Leute auf. Egal, wir haben hervorragend geschlafen, das Essen gestern Abend im “Centrum” des Dörfchens war auch ganz passabel, auf jeden Fall reichlich und so verlassen wir die nordholländische Metropole Callantsoog in Richtung Süden.

Unglücklicherweise konnten wir in Alkmaar via Internet kein Hotelzimmer finden, zumindest keines, was unseren Ansprüchen genügt hätte und so verkürzt sich unsere heutige Etappe um ein paar weitere Kilometer, da wir in Bergen, 6km vor Alkmaar Station machen werden. Dort haben wir ein Hotel der selben Kette gefunden, in dem wir auf Texel genächtigt hatten und damit waren wir sehr zufrieden. Wir fahren also aus Callantsoog raus und radeln wieder an dieser ätzenden Landstraße entlang. Der Gegenwind ist heute erträglich und das Wetter ist eigentlich himmelblau und so beschließen wir im nächsten Ort, den Nordsee-Radweg zu verlassen und direkt an der Küstenlinie entlang zu fahren. Die Straße erweist sich als deutlich ruhiger und der Eindruck der ländlichen Gegend hier stimmt sehr zufrieden. Wir hätten auch direkt auf dem Deich fahren können, das sparen wir uns aber nach den Gegenwind-Erfahrungen der letzten Tage. Schließlich verbindet sich unser Ausweichweg wieder mit der Noordzeeroute und führt geradewegs im Zick-Zach durch die Dünen-Landschaft. Mir gefallen die Wege durch die Dünen außerordentlich, ich könnte hier tagelang durchfahren. Wieder schaut es hier anders aus als noch ein paar Kilometer zuvor, die Landschaft hat hier stellenweise etwas Endzeit-mäßiges, Mad Max lässt grüßen!

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Da wir nur noch wenige Kilometer von unserem Ziel Bergen entfernt sind, beschließen wir einen kleinen Umweg über Bergen aan Zee zu fahren, das ist quasi das Strandbad, dass hier jedes Dorf zu bieten hat, wenn es ein paar Kilometer vom Wasser weg liegt. Nachdem wir am Strand eine kleine Erfrischung genommen haben, fahren wir nach Bergen und checken kurz ins Hotel ein, um anschließend noch mal ein paar Kilometer über Egmond nach Egmond aan Zee zu fahren, auch so ein Strandbad eines ehemals kleinen Dorfes. Allerdings ist Egmond aan Zee ein richtiges kleines eigenständiges und vor allem schönes Örtchen. Während Bergen aan Zee nur aus Apartmenthäusern, Frittenbuden und Strandkneipen besteht, hat Egmont aan Zee durchaus einiges zu bieten, von zwei Kirchen über `nen stattlichen Leuchtturm bis hin zu einer ansprechenden Touri-Meile mit Geschäften und Restaurants und vielen netten kleinen Häuschen. Mir hat`s gefallen. Abends spazieren wir noch durch Bergen, das ist auch echt knuffig. Sehr grün, gar nicht gedrängt sondern sehr weitläufig mit einer Art Zentrum, welches sich um eine Kirche, teils Ruine, teils neu aufgebaut und in Betrieb aufreiht. Dort gibt es viele Lokale, eines davon kredenzt uns ein hervorragendes Abendmahl und die Kirchenglocken spielen dazu lustige Liedchen. ( Das war uns auf unserer bisherigen Reise schon aufgefallen, anscheinend hat hier jede Kirche ein extravagantes Glockenspiel, welche zum Teil äußerst unkirchliche Melodeien von sich geben!)

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Mit dem Trip nach Egmond aan Zee haben wir nun auch fast die gesamte Strecke wieder befahren, die wir am Sonntag ausgelassen hatten um mit dem Zug rechtzeitig nach Den Helder zu gelangen. Das war zwar nicht das eigentliche Ziel, aber trotzdem ganz schön, die “verpassten” Kilometer doch noch beradelt zu haben.

Nach einer ca. 20 minütigen Fährfahrt kommen wir auf der Insel Texel an. Ein Hinweisschild sagt uns, dass wir noch 12,3 km radeln müssen, dann haben wir unser heutiges Ziel erreicht. Na die paar Kilometer schaffen wir auch noch. Irgendwie erinnert mich die Fahrt nach De Koog dann an einen unserer Urlaubstage im letzten Jahr. Der Wind kam die meiste Zeit wieder von vorn und die “paar” Kilometer waren wieder endlos. Außerdem ging der Radlweg – bis auf das letzte Stück – immer entlang der Straße. Nicht prikelnd, aber zu gucken, gab es auch was. Auf der linken Straßenseite wies ein Schild zunächst darauf hin, dass man dort Lammetjes knuffelen kann (wir nehmen an, dass es sich um eine Art Streichelzoo handelt);

 

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Ein Stück weiter zu unserer Rechten sehen wir dann die fetteste Sau die wir je gesehen haben. Sie muss so verfressen gewesen sein, dass für niemanden sonst etwas übrig blieb, denn es waren weit und breit keine weiteren ihrer Artgenossen zu sehen. Wenigstens wissen wir jetzt, wo die Riesenschnitzel herkommen.

Endlich in De Koog angekommen haben wir unser Hotel schnell gefunden, beziehen unser Zimmer und dann gehen wir erst mal ein Bier trinken. Praktischerweise liegt eine ansprechende Kneipe direkt gegenüber. Irgendwann kriegen wir dann doch Hunger, laufen mal die Dorpstraat entlang und kehren bei einem Italiener ein. Es ist Wochenende und der Laden ist ziemlich voll, aber ein Plätzchen gibt es für uns doch noch. Weiter passierte dann jedoch nix mehr. Nachdem wir schon etwa zwanzig Minuten dort gesessen hatten, war der Tisch vom benutzten Geschirr unserer Vorgänger immer noch nicht gefreit und eine Speisekarte oder ähnliches gab es in dem Laden anscheinend auch nicht. Mein Gegenüber hatte eine gute Sicht auf die Theke und meinte, dass sich dort das Geschirr und leere Gläser zu Hauf stapelten. War da jetzt die Spülmaschine ausgefallen oder war das einfach nur das übliche Chaos. Dann steuerte eine Bedienung in unsere Richtung, ignorierte jedoch unseren Tisch und machte sich erst mal an den nächsten Tisch (auf dem ebenfalls noch dreckiges Geschirr stand, jedoch noch niemand wieder Platz genommen hatte) zu schaffen. Die Bedienung hatte schon zwei Gläser in der Hand,da fragt jemand von einem der andere Tische was, sie stellt alles wieder zurück und wendet sich dem anderen Tisch zu. Das war uns dann doch zu blöd und wir haben uns kurz entschlossen ein anderes Lokal gesucht. Dort gab es für uns leckere Lammgerichte und auch der Service hat geklappt. Wie die das bei dem Italiener zur Hauptsaison machen wollen, ist mir ein Rätsel.

 

Als wir gestern Morgen aufgewacht sind, war das Wetter leider genauso bescheiden wie am Vortag. Morgens gab es erst mal wieder eine kräftigen Regenguss; na hoffentlich wird das im Laufe des Tages noch besser. Wir machen also zunächst einen Spaziergang am Strand und hoffen, dass es besser wird. Eigentlich wollten wir ja mit dem Rad (mal ohne Gepäck) ein bißchen die anderen Orte auf der Insel abklappern, aber daraus wird erst mal nix. Die Wolken ziehen schnell, bringen aber leider immer mal wieder neue Regenschauer mit sich. Na mit dem radeln wird das heute nix, also nehmen wir den Bus nach Den Burgh und schauen uns dort ein wenig um. Am späten Nachmittag machen wir dann noch einen weiteren kleinen Spaziergang am Strand. Vielleicht haben wir ja morgen mehr Glück mit dem Wetter.

 

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Track Zandvoort aan Zee – Castricum bei GPSies

 

Während ich in der Nacht trotz einigem Lärm auf der Straße noch ganz gut geschlafen hatte, werde ich in der Morgendämmerung vom Geschrei eines (wie mir scheint riesigen) Vogelschwarmes geweckt. Die Viecher machen einen Radau, dass es dir die Bettdecke weghebt. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, war ich allerdings putzmunter und erlebe einen satten Regenschauer, na der Tag geht ja gut los!
Während wir in Ruhe frühstücken lässt der Regen etwas nach um schließlich ganz aufzuhören. Also packen wir zusammen und wagen es, der Himmel ist mausgrau und es nieselt ganz leicht. Dennoch fahren wir los in Richtung Norden mit dem Wind von links hinten oder von der Seite, aber nur noch ganz selten direkt von vorn. Schließlich beginnt der Himmel aufzuklaren, aber obwohl es den gesamten restlichen Tag trocken und teils sogar sonnig bleibt, trocknen die Straßen und Wege nicht ab, da die Luftfeuchtigkeit gefühlt so hoch liegt, wie im Inneren einer gut gefüllten Badewanne.
Aus Zandvoort aan Zee fahren wir raus in ein Dünen- / Waldgebiet, der Charakter der Dünen ändert sich jetzt zusehends, waren diese vor Zandvoort noch sandig und nur mit Gras und Büschen bewachsen, fahren wir jetzt durch zum Teil dichte Wälder. Wir umrunden die berühmte Rennstrecke von Zandvoort, auf der augenscheinlich gerade ein Rennen gestartet wurde, jedenfalls verfolgt uns das Motorengebrumm etliche Kilometer lang.
Der Weg durch die Wälder ist idyllisch, uns fällt auf, dass die Viecher hier unheimlich an den Menschen gewöhnt scheinen, einmal steht ca. 2m neben dem Weg, auf dem wir fahren ein junges Reh und frisst genüsslich ein junges Bäumchen zusammen, nicht im Mindesten durch uns irritiert! Es geht wieder ziemlich bergauf und bergab, die Anstiege sind meist nicht lang, aber oft sehr steil, dass war so nicht geplant!
Schließlich verlassen wir den Wald irgendwann und fahren noch ein paar Meter über Land und kommen in Velsen an den Nordseekanal. Der verbindet die Nordsee mit dem Ijselmeer und schafft damit für Amsterdam einen direkten Zugang zur Nordsee. Wir schlürfen noch ganz gemütlich einen Cappuccino und queren den Kanal dann mit der Fähre, die für Fußgänger und Radler kostenfrei ist.

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Auf der anderen Seite geht es zunächst rund um ein großes Industriegebiet und dann wieder Richtung Westen nach Wijk aan Zee, wie der Name schon erahnen lässt, zurück an die Küste. Auch hier fahren wir wieder durch die Dünenlandschaft, die immer noch bewaldet aber wieder etwas offener ist. Uns fallen jetzt immer öfter riesige Schei…haufen auf und neben dem Weg auf. Von Schafen können die nicht stammen, Schafe in der Größe hab ich noch nie gesehen. Wir hoffen, dass es sich nicht um entlaufene Dinosaurier handelt, die hier ihre Hinterlassenschaften verbreiten, da offenbart sich hinter einer Wegbiegung des Rätsels Lösung. Es sind doch so `ne Art Dinos mit ganz viel Fell!

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Die Viecher sind Wisente, die hier in großen Herden frei leben. Zwar durch Gitterroste und Zäune daran gehindert, auf die Straßen zu laufen aber ansonsten können sich die Possierlichen Tierchen hier ihr Leben gut gehen lassen. Schließlich sehen wir auf den allgegenwärtigen Wegweisern den ersten Hinweis auf den Ort Castricum, hier werden wir die Radltour vorerst beenden und in den Zug steigen, der uns nach Den Helder bringen soll. Das klappt alles vollkommen reibungslos und kurze Zeit darauf sitzen wir im Zug, der uns in 50 Minuten an die Nordspitze des niederländischen Festlandes bringt. Hier angekommen sind es nur ein paar Meter bis zur Fähre nach Texel, eine kleine Insel, die jetzt für drei Tage unser Urlaubsdomizil werden wird.

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Track Den Haag – Zandvoort bei GPSies

Nach einem schönen Tag und einer sehr ruhigen Nacht nehmen wir unser IBIS-Standard-Frühstück zu uns und fahren unsere Fahrräder wieder mit dem Car-Elevator ans Licht der Sonne. Also eigentlich nicht, weil, die ist nicht da. Dicke, schwere, dunkelgraue Wolken türmen sich und verheißen nichts Gutes für den Tag. Wir fahren trotzdem los und nehmen den Weg quer durch das Stadtzentrum um anschließend dem Verlauf der Straßenbahn zu folgen, mit der wir gestern in Scheveningen waren. Dort wollen wir die Noordzeeroute wieder finden, die uns nach Den Helder bringen soll. Vorher wollen wir in Scheveningen noch mal im Hafen vorbeischauen, wir hatten gestern etwas gelesen, dass das “Volvo Ocean Race” hier Station machen würde, vielleicht könnte man ja mal einen Blick auf eines dieser 20-Millionen-Dollar-Schiffchen werfen. Dort angekommen herrscht schon ein Treiben, wie auf einem Ameisenhaufen, von einem Guide erfahren wir, dass der Start kurz bevor stünde und das erste Schiffchen um 12 den Hafen verlassen würde. Es ist kurz vor elf und so beschließen wir, uns das Schauspiel anzutun. bereits 45 Minuten vorher verlässt besagtes Böötchen den Hafen um draußen allerlei Segelwerk zu setzen und ein paar Runden zu drehen, im Automobilsport würde man von einer “Warm-Up-Lap” sprechen. Anschließend fährt das Boot wieder in den Hafen, muss wohl noch einiges Palaver über sich ergehen lassen um Punkt 12 die Startlinie, an der wir uns praktischerweise postiert hatten zu passieren. Der Start erfolgt durch einen Kanonenschlag und dem Beifall mehrerer tausend Zuschauer, die Veranstaltung hat einigen Zulauf, wir haben einige Schwierigkeiten, den Schauplatz anschließend zu verlassen.

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Von einem der Officials, der an der Startlinie mit Funkgerät und Handy umherwichtelte hatte ich nämlich erfahren, dass der Start des bzw. der nächsten Boote erst um 13:40 Uhr erfolgen würde, klar, die Boote verlassen den Hafen natürlich mit den Abständen, wie sie zwei Tage zuvor eingelaufen waren. Das wollen wir uns nicht antun, zumal wir ja nun eh schon fast zwei Stunden verbummelt haben. Wir starten also unter mittlerweile aufklarendem Himmel in Richtung Norden und finden am Ortsausgang ziemlich problemlos unseren Radweg. Ab hier geht es durch eine schier unendliche Dünenlandschaft bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein und kräftigem Schiebewind voran. Der Belag des Radweges ist hervorragend, meist asphaltiert, zeitweise mit einem sehr ebenen Pflaster belegt. Diese Kombination zieht an einem Samstag natürlich unzählige Radler an, auch die bunt verkleideten Rennradler, die teilweise ziemlich rücksichtslos an einem vorbeirasen, aber irgendwie passieren hier nie irgendwelche Unglücke oder gar Rangeleien, alles arrangiert sich wie von selbst. Erstaunt sind wir, wie hügelig der Weg hier ist, es geht zwischen den Dünen richtig auf und ab und man mag es nicht glauben, wir erreichen tatsächlich einmal die schwindelerregende Höhe von 20 Meter über dem Meeresspiegel. Da sag noch mal einer, in Holland gäbe es keine Berge!

 

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Wir kommen durch die Touristenorte Katwijk und Noordwijk und irgendwann auch in Zandvoort an. Es ist mittlerweile schon halb fünf und wir beschließen uns ein Quartier zu suchen. Es macht keinen Sinn mehr, auf Biegen und Brechen weiter zu fahren, wir werden auf dem Weg nach Texel eh ein Stück weit mit dem Zug fahren müssen. Ich hatte unser Hotel für dort nämlich ab Sonntag Abend, also morgen gebucht. Das war zu einer Zeit, als wir noch davon ausgegangen waren, am Samstag von daheim abzureisen. Ich hatte die Buchung dann nicht mehr geändert, weil ich wohl davon ausgegangen war, dass wir das trotzdem schaffen werden. Das wird aber nichts, wir kommen nicht so schnell voran, wie gedacht, erstens lassen wir keine Gelegenheit aus, Fischsemmeln zu uns zu nehmen und uns mit Kaffee zu betanken und zweitens schießen wir unterwegs noch ein paar hundert Fotos, die teuren Anschaffungen müssen ja schließlich benutzt werden. Und so ein Schiffchen-Rennen hält auch ganz schön auf, sei`s drum, wir werden morgen noch ein Stück radeln und dann an geeigneter Stelle auf die niederländische Bahn wechseln, wir haben nächste Woche noch ausreichend Zeit zum Radeln.
Wir gehen noch eine schöne Runde durch den Ort, der keine architektonischen Lorbeeren ernten wird und beobachten bei einem Zwischenbier die Leute und einen der allgegenwärtigen Piepmätze, der am Nachbartisch völlig ungeniert die Reste vertilgt. Die Viecher, in erster Linie Dohlen und Möwen, sind rotzfrech und regelrecht auf Diebstahl aus. Am Strand von Scheveningen warnte mich der Verkäufer, bevor er mir meine Fischsemmel in die Hand drückte: “Watch up for the Meuws!” und mitten im Herzen von Den Haag haben wir einen Fischreiher (!) gesehen, der vor einer Fischbrötchenbude stand, als ob er die Angebote studieren würde. Es war ein unglaubliches Bild, das dort aber außer uns niemanden zu interessieren schien, es ist anscheinend normal!

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…denn genau so heißt der Ort nämlich wirklich. Den Haag oder The Hague ist ein Kunstbegriff, der erst seit 1990 (konsequent) Anwendung findet, damit wollte man der zunehmenden Internationalisierung der Stadt Rechnung tragen. Eine offizielle Umbenennung wurde bis heute vom Stadtparlament abgelehnt. Interessant übrigens auch, dass s`Gravenhage bis heute keinen Stadtstatus hat. So sind wir also durch die 500.000 Einwohner zählende Gemeinde gepilgert und haben ein bisschen Architektur, Kunst und die kulinarischen Angebote genossen.

 

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Track Hellevoetsluis – Den Haag bei GPSies

Zum Glück haben wir das Hotel in Hellevotesluis ohne Frühstück gebucht, so bleibt uns ein weiterer Besuch des dazugehörigen Restaurants erspart.

Die Nacht über hatte es geregnet, aber pünktlich am Morgen kommt die Sonne wieder zum Vorschein. Wir packen also unsere sieben Sachen, fahren in den natürlichen Hafen des Ortes und genehmigen uns dort in der Sonne sitzend vor dem Café ein Broodje mit Ham und Kas und Kaffee. Sogleich sind auch die Dolen, die es hier überall in Massen zu geben scheint zur Stelle und wollen einen Happen von unseren Frühstück abhaben. Nix da. Der Hund der Bäckerei hilft die Viecher zu vertreiben. So gestärkt starten wir unsere Reise Richtung Den Haag. Das Navi führt uns nach einigen Irrungen durch das Wohngebiet wieder auf den Nordseeküstenradweg. Unser Weg ist zunächst wie in den letzten Tagen auch; er führt an kleinen Orten vorbei, durch Dünenlandschaft und durch Waldgebiet. Uns fällt auf, dass es hier viele Pferdehöfe zu geben scheint. Zweimal kreuzt eine kleines Gespann mit einem Klepper davor unseren Weg. Wahrscheinlich sind sie auf den Weg zur Arbeit, nämlich die Fußfaulen Touristen durch die Dünen an den Strand zu bringen.

 

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Unser vorläufiges Ziel ist die Fähre vom Europort Rotterdam nach Hoek van Holland. Als wir das letzte Stück Dünen hinter uns lassen fängt der Wind richtig an zu blasen; natürlich immer von vorn. Zu allem Übel geht es auch noch kräftig “bergauf”. Mit ungefähr 10 km/h kommen wir nur langsam vorwärts. Ob, oder wann eine Fähre fährt haben wir auch nicht geguckt; wir sind einfach davon ausgegangen, dass die mehrmals am Tag fährt. Das Industriegebiet scheint kein Ende zu nehmen und ich habe das Gefühl schon Stunden immer gegen den Wind zu radeln. Irgendwann kommen wir dann doch noch am Fährableger an und wir haben Glück, 10 Minuten später kommt die Fähre und bringt uns nach Hoek von Holland. Dort stärken wir uns mit einem Fischbrötchen für den Rest des Weges nach Den Haag. Der kürzeste Weg scheinen 14 km zu sein, aber der Nordseeküstenradweg ist natürlich nicht der kürzeste. Unser Weg führt uns wieder durch Dünenlandschaft und entlang an endlosen Gewächshäusern; irgendwo muss das ganze Grünzeug, sprich Blumen und Gemüse, ja herkommen.
Wir gucken noch mal nach ob Ebbe oder Flut ist und trinken in einem Strandcafé – in dem wir außer den beiden Angestellten die einzigen lebenden Wesen sind, einen Kaffee. So etwa auf der Höhe von Kijkduin verlassen wir den Nordseeküstenradweg und radeln noch etliche Kilometer durch die Stadt bis wir endlich unser Ziel, das Ibis-Hotel in Den Haag erreicht haben. Wir beziehen unser Zimmer im sechsten Stock und bringen unsere Räder mit dem Autoaufzug in die Tiefgarage. Zwei Nächte werden wir hierbleiben.

 

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Track Zierikzee – Hellevoetsluis bei GPSies

Als wir morgens aus dem Hotel auschecken fragt mich die Wirtin recht scheinheilig, ob wie denn mit der Internetverbindung zufrieden gewesen wären. Als ich das verneine, erklärt sie mir, dass es am gestrigen Tag in der ganzen Straße Probleme damit gegeben hätte. Ich bin einigermaßen sauer, so was kann ja mal vorkommen, aber die Information bereits am gestrigen Abend hätte mir `ne halbe Stunde Ärger erspart…
Egal, wir reisen aus dem wunderschönen Zierikzee ab, für das wir gestern Die Noordzeeroute verlassen hatten. Demzufolge müssen wir ein Stück des Weges zurück, den wir gestern gekommen waren. Bereits auf diesen ersten Kilometern bemerke ich, dass wir Süd-West-Wind haben, das ist prima, wird es uns doch heute auf dem größten Teil der Tour Rückenwind bescheren.
Gestern Nachmittag waren wir  ein paar Kilometer an einer Landstraße entlang gefahren, obwohl es einen Weg durch den Wald gegeben hätte, der in der Tour meines Navis aber nicht vorhanden war. So beschließen wir heute auf der Tour zurück, den Weg durch den Wald zu nehmen, auch wenn das Navi uns wieder an die Straße schicken will. Blöd nur, dass wir genau durch diesen kleinen Abstecher aber unseren Abzweig nach Renesse verpassen, wo wir die Noordzeeroute wiedertreffen wollen. Nun ist so ein Navi ja eine feine Sache, wenn der Radlfahrer denn geneigt ist, darauf zu hören, was das Navi vorschlägt. Nachdem wir so wieder eine kleine Ehrenrunde gedreht haben und ich mir ein paar nette Worte anhören darf, beschließe ich ab sofort dem Navigationswunderwerk bedingungslos zu vertrauen. (Bis zum nächsten Abstecher…) Bis jetzt fahre ich ganz gut damit.
Nach unserer ungeplanten Rundreise erreichen wir nach einigen Kilometern Landstraße das Örtchen Renesse, eine reine Urlauberburg. Alle Straßenkaffees sind knackevoll, auf jedem freien Quadratmeter steht eine Verkaufsbude, möglich, dass die eine oder andere davon eine Art Marktstand darstellt, der nicht alle Tage da ist, aber es herrscht eine Gedränge, wie zur Hochsaison. Ich möchte mir gar nicht ausdenken, was hier los ist, wenn im Westen Deutschlands Schulferien sind. Und so futtern wir eine leckere Fischsemmel und fahren ziemlich bald weiter. Am Ortsausgang gibt es noch ein Eis und bei einem Kurzausflug an den Strand sehen wir schon das nächste Riesen-Damm-Gebilde, den Brouwersdam. Hier weht der Wind jetzt wieder extrem heftig, entsprechend tummeln sich auf der gesamten Länge des Dammes Surfer, Kite-Surfer und Strandserver mit ihren segelbetriebenen Buggies. Jede Menge Surf- Kite-Surf- und Wasweißichschulen sind hier ansässig, ein Gewimmel, wie im Ortskern von Renesse…

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Wir haben das unglaubliche Glück, dass uns der Wind diesmal von schräg hinten trifft, radeln ohne Anstrengung ist eine ganz neue Erfahrung. Zusätzlich bei strahlendem Sonnenschein gibt es noch ein Peeling für die Haut. der Wind bringt jede Menge Sand vom unter dem Damm liegenden Strand mit, unvorstellbar, wie das auf den Wadeln und Armen brennt. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie sich das anfühlt, wenn man in die andere Richtung radelt und das Luft-Sand-Gemisch ins Gesicht kriegt. Die Minen der entgegenkommenden Radler sprechen Bände. Smiley mit geöffnetem Mund

Irgendwann sind wir über den Damm drüber und radeln wieder über Land in ein weiteres Urlauberparadies namens Ouddorp. Hier machen wir Kaffeepause und beratschlagen, wie es weiter gehen soll. Eigentlich wollten wir bis Brielle, ein kleines Städtchen an der Rheinmündung gegenüber von Rotterdam. Das scheint uns aber etwas weit, da es schon fast 4 Uhr ist. So bleibt die Wahl in Ouddorp zu bleiben oder noch etwa 15km weiter zu fahren, über einen weiteren Damm in einen etwas “größeren” Ort namens Hellevoetsluis. Dort gibt es auch gleich noch ein Hotel, mit freien Zimmern laut Internetportal, also radeln wir weiter über den Haringvlietdam und erreichen nach weiteren 5km entlang des Naturschutzgebietes Haringvliet den Ort Hellevoetsluis und unser Hotel. Der Ort wirkt rund um das Hotel ziemlich tot, außer einem Sportboothafen und sehr vielen gleichförmigen, zu einem Großteil leerstehenden Holzhäusern. Wir checken ein und begeben uns ins Hotelrestaurant auf ein Zwischenbier. Dort vertreibt uns aber ziemlich bald die recht snobistisch wirkende Bedienung, ihre Art und auch die übrige eintrudelnde Klientel des Restaurants sind nicht unser Ding. Und so wandern wir jetzt bei vollständig bewölktem Himmel und leichtem Nieselregen ins Örtchen und finden dort neben einem schönen Hafen eine ganz putzige kleine Kneipe, in dem eine sehr freundliche Wirtin die leckersten Speisen serviert. Wir sind zufrieden, laufen noch eine kleine Runde um das Fort, das wohl früher mal der Verteidigung des Örtchens gedient hat und fallen anschließend todmüde ins Hotelbett.

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Track Domburg – Zierikzee bei GPSies

Nach einer sehr erholsamen Nacht, die Betten waren gut und die Nacht rund um unser Hotel nahezu totenstill, sind wir gegen 10:00 Uhr von Domburg wieder abgereist. So spät war es geworden, weil uns die Hotelwirtin ein kleines Frühstück serviert hatte, obwohl wir ohne gebucht hatten. Kaffee war in unserem Hotel gratis, man konnte sich jederzeit an der Kaffeemaschine bedienen, aber mit dem gratis Frühstück hatten wir nicht gerechnet. Auf diese Weise haben wir uns dann den Weg zum Bäcker gespart.
Zunächst ging es aus Domburg raus durch ein Wäldchen, der Weg war mit feinem Schotter belegt, der aufgrund der hohen Feuchtigkeit in diesem Waldgebiet extrem weich und entsprechend schwierig zu befahren war. Nach einiger Zeit wechselte der Belag dann wieder auf festen Asphalt-Untergrund, dabei ging es weiter entweder durch Felder oder Wäldchen oder direkt hinter den Dünen entlang. Die Gegend hier ist sehr ländlich und voll auf Tourismus getrimmt. Überall sind Autos aus Deutschland zu sehen, bevorzugt aus NRW. Die Gegend hier wird von den Westdeutschen als Kurzurlaubs-Paradies betrachtet, wie mir berichtet wird, ist die Anzahl der Besucher im Moment noch zu vernachlässigen, an langen Wochenenden oder während der Schulferien wären hier mehr Deutsche zu finden, als Einheimische. Das hier ist also der Campingplatz von NRW. Smiley

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Irgendwann werden die Bäume weniger, die Landschaft wird offener, wir nähern uns dem Oosterschelde-Damm oder auf einheimisch Oosterscheldekering. Das ist ein typisches holländisches Bauwerk, gigantisch in seinen Ausmaßen und einzig dem Zwecke dienend, das Land vor dem Wasser zu schützen. Dabei ist es nur eines von mehreren Riesenbauwerken, nachzulesen hier: Deltawerke  (Der Meeresarm Oosterschelde liegt im Mündungsdelta von Rhein, Maas und Schelde in der niederländischen Provinz Zeeland. Der Verlauf der Schelde wurde aber durch mittelalterliche Sturmfluten derart verändert, dass diese heute durch die Westerschelde in die Nordsee mündet. Die Oosterschelde liegt zwischen den Inseln und Halbinseln Schouwen-Duiveland und Tholen im Norden, sowie Noord-Beveland und Zuid-Beveland im Süden. – Auch hierzu weiß der Wiki-Peter mehr.)

Das Wetter ist seit dem Morgen schon ziemlich grau und obwohl uns der Wind wieder direkt ins Gesicht bläst ist er ein laues Lüftchen im Vergleich zu gestern. Allerdings ist der Wind wieder eiskalt, was uns vor dem Damm, nach einem Kaffee veranlasst unsere dicken Jacken bzw. Pullover überzuziehen. Allerdings sehen wir im Norden auch einen breiten blauen Streifen, der uns auf schöneres Wetter hoffen lässt. Der Damm zieht sich in mehreren Einzelstücken über insgesamt 9km Kilometer dahin, aber irgendwann haben wir den hinter uns gelassen und kehren in Burghsluis in ein Wirtshaus direkt am Wasser ein um uns eine “Huizgemaakte Vissoep” (Hausgemachte Fischsuppe) als Mittagessen reinzuziehen. Während wir da sitzen, kommt die Sonne durch die Wolken und bahnt sich in der Folge immer öfter einen Weg durch die Wolken, bis am Abend der Himmel tatsächlich blau und völlig wolkenlos ist. Der weitere Weg bis Zierikzee zieht sich entlang der Oosterschelde, wir umrunden diese auf unserem Weg fast. Dadurch haben wir auf den letzten Kilometern beinahe Rückenwind. Mit Rückenwind oder an windstillen Ecken ist es wieder richtig kuschelig warm, wenn der Wind von vorne kommt spürt man aber deutlich, dass die Temperaturen dem Monat nicht wirklich angemessen sind. Kurz bevor wir Zierikzee erreichen sehen wir die Zeelandbrug, mit fast 5 Kilometern die längste Brücke der Niederlanden. Sie besteht aus 52 Bögen à 95 Meter. Und einer der Bögen ist als Klappbrücke ausgelegt um größeren Segelschiffen die Durchfahrt zu ermöglichen, wir dürfen dieses Schauspiel gleich zwei mal erleben.

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Schließlich kommen wir an unserem Zielort an und finden, wie bereits gestern dank Navi unser Hotel sofort. Ohne dieses Hilfsmittel wäre das nicht so einfach gewesen, selbst mit einer traditionellen Faltkarte wäre das kein Kinderspiel gewesen, da Zierikzee aus endlos vielen kleinen, engen Gassen besteht, die überhaupt keiner mir bekannten geometrischen Figur folgen. Man könnte es Zickzack, Wirr-Warr oder vielleicht geplantes Chaos bezeichnen, egal, bei unserem abendlichen Spaziergang gefällt mir das Flair, dass eben dieses Gassen-Chaos und die kleinen, sehr schönen Häuschen ausstrahlen auf Anhieb, ich finde es wunderschön hier. Wie finden ein nettes Wirtshaus zum Essen und sogar das Bier schmeckt hier etwas angenehmer als gestern in Domburg. Entweder gewöhne ich mich bloß einfach daran oder es gibt hier doch Biersorten, die nicht wie Spülwasser schmecken. Auf jeden Fall haben wir gut gespeist und getrunken und werden alsbald unser großes Bett in unserem kleinen aber sehr feinen Hotelzimmer genießen.

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Einziger Wermuthstropfen heute Abend ist, dass das WLAN im Hotel zwar funktioniert, wir aber keinen Zugang zum Internet zustande kriegen. Also haben wir beschlossen, für morgen kein Hotel zu buchen, sondern einfach der Route zu folgen, die ich zu Hause bereits vorgeplant hatte und dann einfach so weit zu fahren, wie wir Lust haben, bzw. bis dahin, wo wir ein Hotel finden, was uns beherbergen mag und das uns gefällt.