Nachdem uns nun doch das “Deutschlandwetter” hier an der Küste erreicht hat, beschließen wir zurück nach Stralsund zu fahren, von wo für Donnerstag die Rückreise geplant war. Die Reise nach Stralsund verlief problemlos wieder mit der UBB und so waren wir bereits kurz vor eins wieder in Stralsund. Wir hatten diesmal ein Hotel direkt in der Altstadt gewählt, das war eine gute Wahl. Ein anständiges Mittelklasse-Hotel, direkt in der Altstadt und trotzdem sehr ruhig, da sich der Verkehr hier in Grenzen hält. Allerdings war unser Zimmer noch nicht fertig, wir waren einfach zu früh dran. So verbummeln wir zunächst noch zwei Stunden in der wunderschönen Altstadt und am Hafen. Das wird auch unsere Hauptbeschäftigung bleiben bis zur Abfahrt, durch die Gassen schlendern, Mal hier ein Glas Wein trinken, mal dort an einem Bierchen nippen, eine kleine Hafenrundfahrt rundet das Ganze dann endgültig ab. Wir futtern uns außerdem noch durch die verschiedensten Restaurants und besuchen, sozusagen als krönenden Abschluss “eine der ältesten Hafenkneipen Europas”. Eine sehr kultige Angelegenheit mit ziemlich illustrem Publikum.

 

Pünktlich um 9:36 Uhr fährt dann unser Zug in Stralsund ab und bringt und mit einer Zwischenübernachtung in meiner alten Heimatstadt (mit Besuch bei meinen Eltern) wieder nach Hause. Nach der doch ziemlich anstrengenden Hinfahrt war die Rückreise, auch aufgrund der Splittung auf zwei Tage, doch wesentlich entspannter. Hätten wir das wieder in einem Rutsch erledigt, wären wir zwar einen Tag eher, aber vermutlich vollkommen platt zu Hause angekommen.

Was lässt sich mit dem Abstand von ein paar Tagen zu dieser Radl-Reise sagen? Erst mal natürlich, dass  wir ein riesiges Glück mit dem Wetter hatten. Während sich im übrigen Deutschland Wetterkatastrophen allerorts ereigneten, hatten wir über zwei Wochen keinen einzigen Regentag (mit Ausnahme einiger ganz weniger Tropfen) und auch der Wind war nie ein richtiges Problem. Einige Etappen lang war es richtig sommerlich, fast schon heiß. Das war deswegen ein kleines Problem, weil es an der Küste, wie schon erwähnt, seit vielen Wochen nicht geregnet hatte und somit bei steigenden Temperaturen Radl fahren zur Staub-Schlacht wurde.
Der Ostseeküstenradweg selbst hinterlässt bei uns einen zweigeteilten Eindruck. Der Abschnitt von Flensburg bis Kiel hat durchaus einige schöne Stellen, ein Großteil des Weges ist aber eher fad und führt fernab von der Küste an zum Teil dichtbefahrenen Straßen entlang. Es fehlen auch irgendwie die Highlights, man könnte die Streckenführung ja akzeptieren, wenn man aller paar Kilometer mal einen sensationellen Ausblick auf`s Wasser oder ähnliches hätte, das ist aber nur ganz zum Anfang an der Flensburger Förde der Fall. Später gab es Etappen, da hätten wir das Wasser den ganzen Tag nicht gesehen, wenn wir nicht auf eigene Faust vom offiziellen Radweg abgebogen wären. Das Stück zwischen Kiel und Lübeck-Travemünde können wir nicht bewerten, das haben wir aus o.g. Gründen ausgelassen. Ab Travemünde hatte der Radweg dann einen völlig anderen Charakter und gefiel uns hervorragend, da er immer abseits von vielbefahrenen Straßen, durch die Dünen führte und immer mit Blick oder wenigstens in Hörweite des Wasser führte. Der Fahrbahnbelag war extrem unterschiedlich, es war einfach alles dabei. Von der asphaltierten Rennpiste, über holperige Waldwege, von gepflasterten Wegen bis zur unfahrbaren Sandpiste, wir haben alles gesehen und befahren, auch wenn wir manchmal unsere Räder ein paar Meter schieben mussten. Die Ausschilderung des Weges ist eigentlich auf allen Abschnitten ausbaufähig, in Schleswig-Holstein war der Radweg durchgehend ausgeschildert, allerdings waren nahezu 90% dieser Schilder vollkommen unleserlich. Die Metallschildchen waren mit Aufklebern versehen, deren vollkommen verblichene Reste nur aus allernächster Nähe zu erahnen waren. Wir haben dann einfach die glattweißen oder dreckig-grauen Schilder als unsere Wegweiser akzeptiert. Der “Ostteil” des Radweges gliedert sich dann auch noch mal in zwei Teile. In Mecklenburg (von Travemünde / Priwall bis Ahrenshoop) ist der Weg vorbildlich ausgeschildert, allerdings nicht mit dem offiziellen blauen Schildchen sondern einfach als “Ostseefernradweg”. Diese Schilder sind aber groß und deutlich zu erkennen. In Vorpommern gibt es dann überhaupt keine Hinweise auf den Ostseeküstenradweg mehr. Man muss sich an die, zugegebenermaßen sehr gute Ausschilderung der regionalen Radwege halten. Das heißt, man sollte immer die Namen der nächsten zwei, drei Ortschaften wissen, die man zu queren hat. Hier ist also ein Navi oder eine konventionelle Karte unabdingbar. Erst kurz vor Usedom tauchten die blauen Ostseeküstenradweg-Schildchen wieder mit einer akzeptablen Regelmäßigkeit auf, sei`s drum, wir haben den Weg ja problemlos gefunden, unsere Abstecher ins Gemüse haben sich dieses Mal tatsächlich in Grenzen gehalten. Resümee: Den Schleswig-Holstein-Part würden wir uns sparen, den Meck-Pomm-Part würden wir sofort wieder fahren, machen wir bestimmt auch, es fehlen ja durchaus noch ein paar Kilometer, die wir noch nicht gesehen haben, z.B. Rügen. Also, bis bald an der Ostsee!

Wir hatten also noch 5 Tage Zeit bis zu unserer Heimreise, das bedeutet wir müssen uns entscheiden, Rügen oder Usedom, beides geht nicht mehr. Die Entscheidung fällt sehr schnell und eindeutig, Usedom soll es sein mit seinen mondänen Seebädern und den vielen Bauten aus der Gründerzeit. Der Weg bis dahin wäre in zwei bis drei Etappen zu schaffen, dann blieben immer noch zwei Tage zum bummeln und rumhängen. Allerdings kommt uns jetzt das Wetter in die Quere, hatten wir bis jetzt einfach riesiges Glück mit dem Wetter, schlägt es jetzt wohl um. Laut Wetterbericht bleiben uns noch zwei Tage, bis der Wind seine Richtung drehen wird und dann vom Land bzw. aus Süd-West kommen wird. Das wird bedeuten, dass die Regen- und Unwetterlage auch den äußersten Nord-Osten, also uns erreichen wird. Deshalb beschließen wir mit der Bahn nach Usedom zu reisen und dort von einem festen Punkt aus ein paar Unternehmungen zu starten. Wir fahren also mit der Usedomer Bäder Bahn, einer DB-Tochter von Stralsund nach Wolgast, dem Eingang zur Insel. Hier verbindet eine monströse Klappbrücke das Festland mit der Halbinsel.

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Obwohl wir bis zum Zielpunkt unserer Reise mit der Bahn fahren könnten, entscheiden wir uns ab hier wieder zu radeln, das Wetter ist einfach zu schön und mit der Bahn wären wir auch zu früh da. Unser Ziel soll Zinnowitz sein. Eigentlich wollten wir die nächsten Tage ja in einem der drei Kaiserbäder (Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin) verbringen, aber hier stimmen uns Preis-Leistungs-Verhältnis der offerierten Zimmer doch gar nicht mehr. Entweder wirklich richtig teuer oder weit außerhalb des jeweiligen Orts-Zentrums. So entscheiden wir uns für die Pension “Zum bunten Hund” in Zinnowitz, die beides bietet. Von dort werden wir noch die verbleibenden Tage die Halbinsel erkunden.

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Wir überqueren die gesamte Halbinsel noch zwei mal, zunächst am Sonntag mit dem Fahrrad. Von Zinnowitz nach Ahlbeck (kurz vor der polnischen Grenze sind es knapp 27 Kilometer, somit ist dies heute mit fast 54 Kilometer die zweitlängste Etappe unserer diesjährigen Tour. Wir fahren die Strecke ohne Gepäck und somit ohne zusätzliche Belastung, das ist auch gut so, der Weg ist nämlich streckenweise eine richtige Berg- und Tal – Tour. Wie schon auf unserer gesamten Reise gibt es hier zwar kurze aber richtig knackige Anstiege auf wiederum sehr unterschiedlichem Belag. Trotzdem genießen wir die Tour im nicht mehr ganz so strahlenden Sonnenschein, der Wetterwechsel kündigt sich mit vielen Schleierwolken an.

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Der Montag Morgen präsentiert sich dann auch, wie erwartet grau. Noch regnet es nicht, aber wir packen mal die Regenjacken und den Regenschirm ein. Wir fahren noch mal mit der UBB nach Ahlbeck und wollen heute durch die drei Kaiserbäder bummeln und abends von Bansin aus wieder zurück fahren. Das tun wir auch, obwohl es bei unserer Ankunft in Ahlbeck ganz leicht nieselt. Es wird aber den ganzen Tag über nie richtig regnen. Wir besuchen die Seebrücken in allen drei Seebädern, schlürfen Kaffee, essen Fisch-Snacks, schlendern von einem Krims-Krams-Laden zum nächsten und bewundern vor allem die wunderschönen Villen und Hotels hier. Diese Gegend ist zum Glück vom Beton-Bau-Wahn, wie man ihn anderenorts an Nord- und Ostsee sieht verschont geblieben. Mit Ausnahme ganz weniger Neubauten, die aber einigermaßen ins Gesamtbild eingefügt wurden, ist hier der Stil der Bäderarchitektur erhalten geblieben.

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Wir treffen noch ein paar seltsame Gestalten, erfahren, dass man Meeresvögel nicht aufessen sollte  und stellen fest, das Public Viewing im Nieselregen nicht angesagt ist. Trotzdem war das ein richtig schöner Tag, hier lässt es sich durchaus leben, allerdings glaube ich fast, dass man die Hochsaison meiden sollte. Smiley mit geöffnetem Mund

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Der freie Tag in Stralsund sollte in erster Linie dazu dienen, die Modalitäten unserer Rückfahrt zu klären, sprich, den genauen Tag, den Weg festzulegen und Bahntickets und Reservierungen zu erwerben. Das alles war zu unserem Erstaunen nach 20 Minuten zu unserer vollsten Zufriedenheit geklärt und somit konnten wir den Schlachtplan für den Rest unseres Urlaubs festlegen. Der heutige Tag würde uns komplett für`s schnöde Nichtstun in Stralsund zur Verfügung stehen, haben wir dann trotzdem nicht gemacht, sondern ein paar Sehenswürdigkeiten in Stralsund erkundet. Zum einen liegt im Hafen von Stralsund das Segelschulschiff “Gorch Fock” und zwar das Originalteil. Das jetzt im Dienst befindliche Segelschulschiff “Gorch Fock II” ist nämlich ein schnöder Nachbau des hier liegenden Dreimasters. Die “Gorch Fock I” wurde 1933 in Dienst gestellt und hatte als Heimathafen immer Stralsund. Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurde das Schiff aus dem Hafen geschleppt und versenkt. Allerdings wählte man dafür eine zu flache Stelle, so das der Bug des Schiffes aus dem Wasser schaute. Deshalb wurde das Schiff 1947 gehoben, repariert und ging als Reparationszahlung an die Russen, um für die sowjetische Handelsmarine als Schulschiff zu dienen. Dort war es auch jahrzehntelang im Dienst und hieß da “Towarischtsch” (Kamerad) und hatte als Heimathafen Cherson in der heutigen Ukraine am Schwarzen Meer. Entsprechend fiel das Schiff dann nach der Abspaltung der Ukraine vom sowjetischen Riesenreich der ukrainischen Handelsmarine zu, die aber nicht ansatzweise in der Lage war solch ein Schiff zu unterhalten. Entsprechend verkam der Zustand des Schiffes bis zur Fahruntüchtigkeit, eine Reparatur in einem englischen Hafen scheiterte an mangenden finanziellen Mitteln und so fuhr die “Towarischtsch” ein letztes Mal bis Kiel um dort endgültig zu stranden. Dort wurde das Schiff von einem Verein namens Tall-Ship Friends übernommen und nach einer Übergangszeit in Wilhelmshaven, wo die notwendigsten Reparaturen durchgeführt wurden mittels eines Dockschiffes wieder in den Heimathafen Stralsund zurück überführt. Dort wurde mit den umfangreichen Sanierungsarbeiten begonnen, im Moment ist das Schiffchen ein Museum und schwimmt zumindest wieder / noch. Ob sie je wieder eine Fahrgenehmigung bekommen wird, hängt wohl vor allem davon ab, ob die Mittel für den kompletten Wiederaufbau beschafft werden können. Im Moment hat es den Anschein, als ob es ein stationäres Museumsschiff bleiben wird. Trotzdem einen Besuch wert, ein imposantes Zeugnis der technischen Möglichkeiten vergangener Zeiten.

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Anschließend haben wir dem Ozeaneum in Stralsund einen Besuch abgestattet, einem riesigen Aquarium, dass sich vorrangig mit den europäischen und arktischen Meeren beschäftigt, in erster Linie natürlich Ost- und Nordsee. Sehr interessant und auch imposant, an einer Stelle geht man durch eine Aquarium-Brücke, das heißt, die Aquarien links und rechts von einem sind über einem verbunden, man fühlt sich als stehe man unter Wasser zwischen den Fischen.

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Der Rest des Tages wird in Stralsund`s wunderschöner Altstadt verbummelt, abends gehen wir dann noch im “Klabautermann” im Hafen zu Essen. Der Fisch ist lecker, an den Labskaus trauen wir uns dann doch nicht ran, nachdem wir uns haben erklären lassen, was das ist…

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Nach unserem sehr gemächlichem Ruhetag in Ahrenshoop brechen wir morgens relativ früh auf. Das Frühstück war wieder hervorragend, wir schenken uns den Frühstückssekt, denn wir haben eine lange Etappe. Entgegen unserer neu erworbenen Gewohnheit, nur noch kurze Abschnitte zu fahren, haben wir für heute eine fast 80 Kilometer Etappe auf dem Plan. Würden wir dem exakten Verlauf des Ostseeküsten-Radweges folgen, wären es sogar mehr als 90 Kilometer, aber dazu später mehr. Die Entscheidung, den Weg bis Stralsund auf einen Ritt zu bewältigen hat mehrere Gründe. Erstens läge auf dem Weg, etwa in der Mitte nur das Städtchen Barth, welches zwar eine nette Altstadt und einen Hafen auch wieder an einem Bodden, nämlich dem Barther Bodden hat und außerdem vehement damit wirbt, dass genau hier die sagenumwobene Stadt Vineta versunken ist. (Das Ostsee-Pendant zu Atlantis, warum genau hier und wo da wohl die versunken sein soll, erschließt sich mir nicht.) Das alles ist uns aber nicht entscheidend genug, um hier einen weiteren Stopp einzulegen. Wir wollen auch deshalb schnell nach Stralsund, um das genaue Datum und die Modalitäten unserer Rückkehr zu planen, wovon dann unsere weitere Reise abhängen wird.

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Also verlassen wir unsere Luxus Suite und radeln vom Fischland auf den Darß, die zweite der nicht mehr vorhandenen Inseln. Die heutige Halbinsel bestand mal aus drei dem Festland vorgelagerten Inseln, Fischland, Darß und Der Zingst (heißt wirklich so.) Natürliche Veränderungen haben zur Verlandung der Wasserstraßen (Kamine) zwischen den Inseln geführt und so die Halbinsel und die dahinterliegende Boddenlandschaft geschaffen. Es ist ziemlich kalt heute, obwohl strahlender Sonnenschein bei blauem Himmel herrscht, ist es deutlich kühler als die letzten Tage, wir haben nur dreizehn Grad, da ist radeln im T-Shirt schon richtig erfrischend. So kommen wir durch Born und Wieck am Darß und freuen uns über die schönen Häuschen und ärgern uns über den grindigen Radl-Weg.

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Manchmal rudimentär asphaltiert, manchmal Betonplatten, aber immer musst du die Zähne zusammenbeißen, dass es dir die Plomben nicht raushaut. Dann wieder äußerst holperig durch den Wald und dabei hat es Strecken, die so sandig sind, dass wir absteigen und schieben müssen, keine Chance mit unseren Rädern. Und überall ist es staubig wie auf dem Mond. Eine Verkäuferin in einem Shop in Ahrenshoop hatte uns erzählt, dass es schon seit sechs Wochen keinen Tropfen mehr geregnet hat, eigentlich eine Farce, wenn man bedenkt, was im Rest von Deutschland in den letzten Tagen abgegangen ist. Jedenfalls schauen unsere Räder fürchterlich aus. Hinter Wieck geht der Radweg am “Alten Strom” entlang, einer dieser ehemaligen Kamine, die die Inseln früher geteilt haben. Heute endet der Alte Strom in Prerow und erreicht somit nicht die Ostsee. Hier wird der Radweg eng, schwierig genug hier mit dem Gegenverkehr klarzukommen, da unsere Räder doch einigermaßen breit sind mir den Taschen. Wenn dann aber noch die Urlaubsradler kommen, denen man schon ansieht, dass sie höchstens einmal im Jahr auf dem Fahrrad sitzen und entsprechend unsicher daherwackeln, dann wird`s lustig. Das macht uns aber alles keine richtigen Probleme, wir nehmen`s lustig und erreichen Prerow. Dort gibt es Kaffee und was Süßes, dann überqueren wir den alten Strom und erreichen Den Zingst. Ab hier geht es wieder auf der Ostsee-Seite, immer auf`m Deich entlang. Ab hier ist der Weg topfeben und perfekt zu fahren, wir haben sogar ein bisschen Rückenwind, es wird traumhaft. Dann erreichen wir die Ortschaft Zingst, der Radlweg zweigt eigentlich vorher ab, aber wir wollen in den Ort ein bisschen auf`s Wasser gucken. Außerdem möchte ich mal sehen, ob ich hier irgend etwas wiedererkenne, ich war hier als kleines Kind ein paar Mal mit meinen Eltern im Sommerurlaub. Zingst und Prerow waren Urlauberhochburgen in der ehemaligen DDR, wobei Prerow immer schon die größte Nackedei-Bade Kommune war.

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Wir durchqueren so noch den gesamten Ort Zingst, wo deutlich mehr los ist, als in den anderen Dörfern zuvor. Dort merkt man noch überdeutlich, dass die Urlaubs-Saison noch nicht begonnen hat. Ich möchte mir, daraus resultierend, gar nicht vorstellen, was hier im August los sein wird.
Es geht wieder über`n Deich und dann durch den Wald bis zur Meiningenbrücke, die die Halbinsel hier mit dem Festland verbindet. Früher fuhr man über eine alte Eisenbrücke, die gedreht werden konnte, um dem Schiffsverkehr in oder aus dem Bodden den Weg frei zu machen. Wenn ich mich recht erinnere, fuhr damals auch noch die Bahn über diese Brücke. Die Brücke existiert noch, wird aber nicht benutzt, es führt eine Brücke nebenher, die aber sehr provisorisch wirkt und wohl klappbar ist. Keine Ahnung, ob die alte Drehbrücke saniert oder entsorgt wird. Die Bahnlinie endet jedenfalls genau davor, deutlich zu sehen, dass diese schon seit vielen Jahren außer Betrieb ist.

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Entlang dieser überwucherten Bahngleise führt und der Radweg nach Barth, wo es Stärkung in Form von Fischbrötchen gibt. Nach dieser Pause geht es weiter, zur Abwechslung mal wieder ein wenig bergauf und bergab, aber da die Landstraße kaum befahren und gut asphaltiert ist, ist das kein Problem. Irgendwann zweigt der Ostseeküstenradweg wieder in Richtung Nord-Ost ab, er bleibt direkt am Wasser um in einem großen Bogen nach Stralsund zu führen. Den Bogen wollen wir abkürzen, da wir erstens nicht ca. 10 Kilometer direkt gegen den Wind strampeln wollen und uns der Weg dann auch zu weit würde. Also geht es zunächst über Dorfstraßen an eine Landstraße, die auf den ersten Kilometern noch einen Rad-/Fußweg hat, der sich dann aber im Nichts verliert. Also müssen wir auf der Straße fahren, was hier allerdings zum Höllenritt wird. Die Vierrad-Akrobaten bewegen ihre Kisten hier, als gäbe es kein Morgen. Da überholen sich mal zwei uns Entgegenkommende oder wir werden direkt vor einer Kurve überholt, nicht auszudenken, was gewesen wäre, wäre ein Fahrzeug entgegen gekommen. Es ist für einen Vierrad-Fahrer in Deutschland absolut undenkbar mehr als drei Meter fuffzich hinter einem langsameren Gefährt herzufahren, überholen ist da zwingend erforderlich. Gesundheit und Leben der Anderen ist da von zweitrangiger Bedeutung. Und nur noch mal zur Verdeutlichung, es handelt sich hier nicht um eine Bundesstraße oder gar Autobahn, das hier ist eine Landstraße. Komisch, dass das in anderen Ländern funktioniert, in Deutschland sind Radfahrer auf Straßen immer noch Freiwild. So entschließen wir uns, die Straße zu verlassen und uns über Feldwege nach Stralsund zu schlagen. Auf dem ersten Teilstück, einem mit Betonplatten belegten Flurbereinigungs-Weg werden wir dafür von entgegenkommenden Autofahrern und –fahrerinnen noch viel heftiger angemacht. Man weicht uns weder aus noch fühlt man sich gemüßigt, vom Gas zu gehen, ein ganz besonders dummes Exemplar, schwerst geschminkt im roten Mercedes touchiert uns fast und wirft uns auch noch einen Vogel durch`s Fenster. Ich bin kurz davor, meine Zielkünste mit einem Stein auszuprobieren. Das lass ich aber dann doch, ich wünsche der Dame alles Gute und vor allem gute Besserung!
Jedenfalls erreichen wir den nächsten Ort und zweigen auch hier wieder ins Feld ab, werden vom eingeborenen Volk misstrauisch beäugt, hier kommen wohl nicht oft Radfahrer durch. Der Feldweg ist jetzt wirklich ein solcher, gerade noch befahrbar, aber wenigstens gibt es hier außer uns keinen Verkehr mehr. Bis auf ein paar wenige Meter kommen wir gut durch und erreichen nun auch bald Stralsund. Wir finden sofort den Weg zum Hotel und sind somit noch gut in der Zeit, als wir unser Hotel erreichen.

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Anschließend folgt das übliche Ritual mit Stadt erkunden, Bierprobe und Fischverkostung. Also alles, wie immer.

Ahrenshoop und seine Ortsteile Althagen und Nienhagen bilden eigentlich nur ein kleines Dorf in unserem Verständnis, trotzdem ist touristisch hier die Hölle los. Einmal ist das natürlich diese einmalige geografische Lage, die diese Halbinsel hier zwischen Ostsee und Bodden bildet, zum anderen ist Ahrenshoop schon seit Ende des 19. Jahrhunderts eine Anlaufstelle für Künstler aller Art. Zunächst gründete hier eine Gruppe Maler und Bildhauer eine Art Kommune, das hält sich offenbar bis heute, der Wiki-Peter weiß eine Menge Namen zu berichten, die schon mal da geurlaubt oder sogar gelebt haben. Das ist heute immer noch so, es gibt eine Menge Geschäfte und Galerien  von Künstlern, die vielleicht mal berühmt werden. Oder vielleicht auch schon berühmt sind, da fehlt mir die Szenekenntnis. Jedenfalls treibt sich hier ein wenig anderes Volk herum, als in den anderen Ostsee-Urlaubs-Hochburgen und es fehlen auch die üblichen Geschäfte, hier gibt es nämlich anstelle von Krims-Krams eher Kunst-Krempel. Smiley mit herausgestreckter Zunge  Einer dieser Läden existiert schon seit 1922, die “Bunte Stube”. Dort tummeln wir uns auch einige Zeit drin, da gibt es einfach alles, Bilder, Schmuck, Bücher und wasweißichwas. Unglaublich, wie viel Zeugs man auf ein paar Quadratmeter unterbringen kann.

Am Nachmittag haben wir ein anderes Date, wir machen einen Segeltörn auf einem alten Fischerboot, einem Zeesboot. Mit diesen Booten wurde auf besondere Weise gefischt, man befestigte an Verlängerungen über Bug und Heck hinaus ein Schleppnetz und ließ das Boot vom Wind quer treiben. Das funktionierte deshalb, weil der Bootrumpf sehr flach ist und das Schwert (das Ding, was normalerweise unten am Rumpf rausschaut und so eine Nussschale stabilisiert) nach oben rausklappen kann. Das lassen wir aber heute, wo es hingehört, die Boote werden nämlich nur noch zur privaten Belustigung oder zur Beglückung von Touristen wie uns eingesetzt. Der Tag heute ist ziemlich trüb, wie sich gestern Abend schon ankündigte, es ist nicht kalt, aber es weht ein flottes Windchen. Das bringt das Böötchen sehr flott in Fahrt und erspart dem Skipper häufige Sportübungen an seinen Segeln. Einmal eingestellt, flitzt der Kahn übers Wasser und während einer der Jungs das Ruder in der Hand hält, gesellt sich der Skipper zu uns und plaudert lustig und unterhaltsam mit uns. So erfahren wir unterwegs eine Menge über Geographie und Geschichte der Halbinsel, über das Leben auf derselben und über die Fischerei, über aktuelle Probleme und wer gerade wo welche Immobilien und Grundstücke zusammenkauft.

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Nachdem wir wohlbehalten, wenn auch nass zurückgekehrt sind, machen wir noch einen schönen Strandspaziergang und besuchen das wohl bekannteste Ahrenshooper Foto-Motiv, das Hohe Ufer mit seinen “Windflüchtern”, das sind vom Wind geformte Bäume. Dort gibt es auch ein schnuckeliges Wirtshaus, in dem es heute mal Fisch gibt. Zur Abwechslung… Zwinkerndes Smiley

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Wir verlassen unsere Herberge nach einer wunderbaren Nacht und einem sehr liebevoll angerichtetem Frühstück und fahren noch mal in den Hafen um etwas einzukaufen, was wir gestern Abend noch nach Ladenschluss entdeckt hatten. Das gerät noch zu einer etwas längeren Fotosession, da der Laden ein skuriles Sammelsurium von allem möglichem Krimskrams ist.

DSC06135DSC06136DSC06137Dann, nachdem der geschäftliche Teil erledigt ist, nehmen wir die Fähre über den Alten Strom und kommen im Stadtteil Hohe Düne an, einem Nobel-Resort für den besser betuchten Teil unserer Gesellschaft.
Nach einigen hundert Metern merke ich, dass meine Schaltung nicht ganz so funktioniert, wie ich mir das so vorstelle, deshalb schalte ich mal von unten nach oben alles durch und wieder zurück. Beim Schalten in den kleinsten Gang des hinteren Schaltwerkes, also in größte Ritzel hüpft die Kette über selbiges und verklemmt sich zwischen Ritzel und Radnabe. Also anhalten, mal eben das Gepäck runter basteln und die Kette wieder rausfummeln. Nach fast zwei Wochen durch Staub und Sand sieht das ganze Schaltwerk wie ein einziger Dreckbatzen aus, entsprechend schauen hinterher meine Hände aus. Ich bekomme das Ganze nur mit Mühe wieder dahin, wo es hin soll, die Ursache wird mir schnell klar. Heute morgen war mein Fahrrad beim Beladen mal kurz zu Boden gegangen (dabei nur knapp an einem geparktem Auto vorbei geschrammt, das hätte noch gefehlt!), weil der Ständer des eigentlich guten Rades einfach Müll ist. Ich hatte mir schon drei mal vorgenommen, das Teil auszutauschen, dabei isses dann aber geblieben. Jedenfalls liegt mein Radel also auf der Straße und ist dabei offensichtlich auf`s teure Shimano-Teil geplumpst, wobei die Halterung desselben offenbar verbogen wurde. Demzufolge stimmt nun hinten die Symmetrie der filigranen Angelegenheit nicht mehr, was eben jetzt zu der Unterbrechung der Radeltour geführt und mir zu schmierigen, pechschwarzen Fingern verholfen hat. Die Fahrt geht weiter, auch wenn die Schaltung nur noch hakelig und ungenau funktioniert. Ich will aber nicht dran rumbiegen, die Wahrscheinlichkeit das Teil wieder in die richtige Stellung zu bekommen ist verschwindend gering gegenüber der Chance etwas abzubrechen. Ein bisschen was einstellen kann man am Seilzug, ich experimentiere eine Zeit lang damit rum und finde eine Einstellung die, zwar mehr schlecht als recht, aber eben funktioniert. Da ist zu Hause ein Kundendienst anzuberaumen, der Radel-Dealer meines Vertrauens wird sich der Sache annehmen müssen.
Wir fahren also weiter, streifen Markgrafenheide und kommen in ein ausgedehntes Wald- und Moorgebiet direkt am Meer. Der Weg ist gut, es lässt sich super schön hier fahren und das permanent präsente Meeresrauschen macht den Trip zum perfekten Erlebnis…wenn die Mücken nicht wären. Bei 25°C werden die kleinen Plagegeister, die sich hier im Moor nur all zu wohl fühlen zu blutrünstigen Vampiren und perforieren uns nahezu. Irgendwann ist der Wald aber zu Ende, wir kommen nach Graal-Müritz und kehren in einem Cafè ein. Ich kann mir die Hände wenigstens notdürftig reinigen und nach einem großen Kaffee geht es weiter durch Wald und Flur bis nach Dierhagen, einem weiteren Ostseebad.

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Hier beginnt dass Fischland, früher eine Insel, heute mit dem Darß und dem Zingst zu einer Halbinsel vereint, die ein Binnenmeer umschließt, welches man Bodden nennt. Der hat zwar noch einen Zugang zum Meer ist aber lang nicht so salzhaltig, wie die Ostsee, da der Wasseraustausch nur begrenzt und abhängig von der Windrichtung stattfindet. Wir fahren über einen langen Deich, auf der linken Seite sehen wir die Ostsee, auf der rechten den Saaler Bodden. Irgendwie cool, hatten wir auf der vergangenen Tour in Holland auch so ähnlich, nur dass die Bauwerke da menschengemacht waren und hier natürlich entstanden sind. Langsam kriegen wir Hunger und halten deshalb im Althagener Hafen an zu einem frischgemachten Fischbrötchen. Ein Blick auf mein Handy zeigt mir, dass wir nur noch einen Kilometer von unserer Herberge entfernt sind. Dort angekommen haut`s uns von den Socken, wir haben eine Suite, quasi eine ganze Wohnung mit Ankleidezimmer und Balkon. Naja, teuer genug ist die Hütte ja.

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Nach der Dusche geht`s ins Dörfchen und an den Strand, abends geht`s wieder zurück in den Althagener Hafen, dort gibt`s lecker Räucherfisch. Am Himmel bilden sich erste Wolken, morgen wird es wohl keinen Sonnenschein geben…

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Nach einer traumhaft ruhigen Nacht sind wir gegen zehn Uhr in Rerik aufgebrochen. Wir hatten keine Eile, da nur knapp 40 Kilometer vor uns lagen und wir einen Weg um den Bastorfer Signalberg herum ausgetüftelt hatten.Nur wegen eines Miniatur-Leuchtturmes wollten wir uns keine 77 Höhenmeter antun, außerdem würde unsere Alternativ-Route direkt am Wasser entlang führen. Eine kurze Steigung aus Rerik raus, aber moderat auf gutem Untergrund war alles, was es zu bewältigen gab. Vorbei an alten Steingräbern und blonden Kühen ging es dann ins Ostseebad Kühlungsborn, ein sehr altes, bekanntes Ostsee-Städtchen, entsprechend viel war hier los. Das Wetter war erstklassig, keine Wolke am Himmel und 25°C, dazu nur ein laues Lüftchen. Vor und in Kühlungsborn tobte dann der Wahnsinn auf den Radwegen, das sollte auch bis Warnemünde so bleiben, Kolonne fahren war angesagt.

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Ab Kühlungsborn ging es immer am Wasser oder ganz in der Nähe lang, auf manchmal etwas holprigen, aber sehr schönen Radwegen.Inzwischen gefällt uns der Ostseeküsten-Radweg sehr gut. Es ging über Heiligendamm, neben der Molli-Bahn, durch den Gespensterwald, durch Nienhagen nach Warnemünde.

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Das Hotel war gleich gefunden, sehr ruhige Lage direkt am Kurpark. Hier hört man höchstens abends mal einen entlaufenen Rentner wimmern. Wir sind dann gleich losgezogen, den Hafen zu inspizieren, haben Sandskulpturen und Ozeanriesen besichtigt, haben den Leuchtturm bestiegen, sind durch die Geschäfte gebummelt, haben den Riesendampfer verabschiedet und nach einen Märchen-Sonnenuntergang den Abend in einer Cuba-Bar ausklingen lassen. Fidel und Che haben uns ins Glas geschaut.

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…das war unsere Aufgabe. Es sind nämlich etwa 70 Kilometer von Wismar nach Rostock-Warnemünde. In den vergangenen Jahren sind wir solche Etappen und sogar längere in einem Stück gefahren, aber das wollen wir nicht mehr. Erstens gehen wir schwer auf`s Greisenalter zu Nur ein Scherz , wir fahren nicht mehr so schnell wie früher und machen mehr Pausen. (Irgendwo müssen ja die ganzen schönen Fotos herkommen.) Und zweitens haben wir festgestellt, dass es auch sehr schön ist, wenn man mehr von den Orten sieht, die man besucht. Früher waren wir von morgens bis abends durchgeradelt, haben bis zu 110 Kilometer am Tag abgespult, waren gegen sieben, acht oder manchmal erst neun Uhr am Zielort und haben dann eigentlich außer der Kneipe beim Abendessen nix mehr gesehen. höchstens noch `ne Eil-Runde durch`s Dorf gedreht. Mit unseren kürzeren Touren erreichen wir den Zielort meist schon zwischen drei und vier Uhr und haben ausgiebig Zeit uns umzusehen, das gefällt uns, wir haben ja Urlaub. So entwickeln wir uns zu Teilzeit-Radlern.
Also wird die Etappe Wismar – Warnemünde aufgeteilt, ungefähr auf der Hälfte liegen Rerik oder Kühlungsborn. Aus mehreren Gründen fällt dann die Wahl auf Rerik. Erstens gibts in Kühlungsborn kein vernünftiges Hotel und zweitens weist die Strecke vor Rerik bereits einige Steigungen auf um dann zwischen Rerik und Kühlungsborn noch mal eben von 0 auf 77 Meter Höhe zu klettern. Wer hätte gedacht, dass es an der Ostsee solche Berge gibt! Erstauntes Smiley Also nehmen wir uns ein Hotel im Ostseebad Rerik und radeln nach einem mittelmäßigen Frühstück vom Hotel Steigenberger Stadt Hamburg in Wismar los. Wir drehen noch `ne Runde durch den Hafen und schon sind wir draußen. Zuerst geht es durch ein Industriegebiet, dass nahtlos in ein Naturschutzgebiet übergeht. Sehr schön zu fahren hier, man sieht sogar gestrandete Schiffe.

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Später geht es an einer Landstraße entlang und wir erreichen den Abzweig zur Insel Poel. Wir überlegen kurz dahin zu fahren, da der Umweg aber doch mindestens 15 Kilometer betragen würde und wir sehen, dass sich eine endlose Verkehrslawine die Straße entlangwälzt. Da nehmen wir doch lieber den direkten Weg, auf dem außerdem kaum Verkehr ist. Es geht also bergauf, bergab an der Landstraße entlang, wir haben immer wieder schöne Ausblicke und treffen lustige Gesellen.

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Unser Hotel haben wir gleich gefunden, ein schönes Zimmer mit Balkon und Blick auf das Haff. Vor dem Hotel geht zwar auch eine Straße lang, aber hier ist nachts einfach mal gar nix los. Wir speisen noch lecker Fisch und trinken einheimisches Bier. Wir befinden uns hier schon im Landkreis Rostock, entsprechend gibt es Rostocker Pils. Schmeckt nicht so schlecht, nur hat der Schaum eine Halbwertszeit von etwa 30 Sekunden und danach schaut das Zeug aus wie `ne Urinprobe. Schmeckt aber immer noch so ähnlich wie Bier.

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Von einer UNESCO Weltkulturerbestadt in die nächste. Was für ein Programm auf unserer Tour. Nachdem wir Lübeck und Travemünde 2 Tage lang erkundet haben, geht es heute wieder auf die Reise, nach Wismar. Das wären insgesamt etwa 80 Kilometer, allerdings schummeln wir ein bisschen und lassen den Radweg Lübeck – Travemünde mal eben aus, niemand mag neben einer Autobahn einherradeln. Also fahren wir mit dem Zug nach Travemünde und sind wenige Minuten nach Ankunft schon an der Fähre, die uns nach Priwall bringt. Die Halbinsel Priwall war früher schon Gebiet der DDR, die Zonengrenze verlief in der Trave. Entsprechend befinden wir uns also jetzt in Mecklenburg-Vorpommern. Direkt an der Fähre ist der Radl-Weg ausgeschildert, das geht doch prima los…ungefähr 500 Meter. Dann stehen wir vor einer Baustelle, an der nix weiter geht. Also ein paar Meter wieder zurück, mal links in den Wald gebogen und nach ein bisschen hin und her haben wir den Radweg wieder gefunden. Jetzt ist der Radweg, wie wir uns das vorstellen, es geht ganz nah am Wasser durch die Dünen. Allerdings haben die Dünen hier einen ganz anderen Charakter, als letztes Jahr in Holland. Hier sind die sehr dicht bewachsen mit Bäumen und Büschen, manchmal fühlt man sich wie in einem Tunnel, als wäre der Radweg wie ein Tunnel hier reingehauen worden. Der Fahrbahnbelag ist sehr unterschiedlich, mal Asphalt, mal Pflaster, auch mal so Mosaiksteine und auch mal Schotter oder Waldweg, im Wesentlichen aber gut zu befahren. Was uns echt erstaunt, ist das Auf und Ab des Weges. Es geht immer wieder mal zwar kurz aber richtig stramm bergauf. Natürlich geht es auch bergab, aber die Strecke ist kurvig und in den Waldstücken schon auch mal nass, so dass es oft nicht leicht fällt, den Schwung von den Bergab- in die Bergaufpassagen mitzunehmen. Außerdem brennt heute der Stern von einem strahlend blauen Himmel auf uns herab, es geht kaum Wind, aber wenn, bläst uns das Lüftchen von vorn an. So werden die Kilometer immer beschwerlicher und wir machen die ein oder andere Verschnaufpause. Das kombinieren wir mit “auf`s Wasser gucken”, mit unserer Abfahrt hatte nämlich auch das russische Segelschulschiff “MIR” abgelegt und wir würden das Schiffchen gerne mal unter vollen Segeln sehen. Zunächst sehen wir die “MIR” noch eine Weile entlang der Küste segeln, aber nicht unter voller Takelage. Irgendwann verlieren wir sie dann aus den Augen, schade.
Nachdem wir etwa 30 Kilometer strenges Gelände hinter uns haben, erreichen wir das Ostseebad Boltenhagen, hier wird Fischbrötchenpause gemacht. Boltenhagen ist ein schönes sehr gepflegtes Örtchen, früher war das das Urlaubsdomizil für ausgesuchte Partei-Meister der DDR, heute ist es die Badewanne der Gutbetuchten und derer, die sich dafür halten. Aber auch für den Durchschnitts-Ostsee-Urlauber gibt es mittlerweile Angebote, wie wir festgestellt haben.
Hinter Boltenhagen steigt der Weg wieder steil an und wird enger. Als wir dann fast oben sind, wird aus dem Asphaltweg ein Feldweg, wobei man den Teil –weg getrost streichen kann. Tiefe Furchen und Löcher, sandige Abschnitte, alles in Allem kein Zuckerschlecken mit schwer bepackten Tourenrädern. Aber auch das war dann irgendwann vorbei und ab da ging es wieder abwärts und eine Weile am Strand einer lang gezogenen Bucht entlang. Irgendwann haben wir dann mal wieder einen Abzweig verpasst, sind stramm den Berg rauf geradelt, oben umgedreht und wieder runter gerollert. (Wir betrachten das jetzt einfach mal als Trainingseinheit.) Nach einigem weiteren Auf und Ab sind wir in Wismar angekommen und sind direkt zum Hotel geradelt. Und weil heute Samstag ist, gönnen wir uns eine Nacht im Steigenberger, das Zimmer ist schön, nur vor dem Fenster führt mal wieder eine Straße vorbei, nett gepflastert, damit man auch jedes Auto deutlich hört.
Wie gehen noch eine Runde durch die schöne Altstadt und speisen anschließend im Restaurant “Alter Schwede”. Dort hängen Unmengen Fotos von irgendwelchen schwedischen Adligen von heute, gestern und was-weiß-ich-wann. Anscheinend haben die da auch schon mal gespeist. Passiert mir auch nicht so oft, dass mir Carl-Gustav auf den Teller schaut. Ich schwitze auch gehörig, das hat aber nix mit dem Kini von Schweden zu tun, sondern weil es in dem Lokal Temperaturen wie in einem Backofen hat. Die backen ihr Brot hier bestimmt, indem sie es einfach auf den Tisch stellen… Das Futter war aber prima, kann man den schwedischen Adligen nur weiterempfehlen. (Bilder folgen)

Wir haben unser Hotel in Kiel keinesfalls überstürzt verlassen, waren aber nach dem dürftigen Frühstück doch froh weiter zu kommen. Kein Vorwurf an das Personal, die waren mega-freundlich und bemüht, aber die Bude war halt einfach schäbig und außerdem im Umbau, was den normalen Innenstadtlärm noch verstärkt hat.
Egal, wir haben den Bahnhof ohne Probleme gefunden, auch wenn wir uns dabei kurzzeitig verloren haben. Am Bahnhof wieder vereint kommt das nächste Problem, eine Fahrkarte erwerben… Ich bediene diese Fahrscheinautomaten ja schon eine Zeit lang und, wie ich finde relativ routiniert. Aber der da in Kiel hat mich aus der Fassung gebracht. Obwohl ich explizit eine Verbindung ausgewählt habe, fragt mich der Automat, welche Wegstrecke ich fahren möchte. In Bayern ist das ja nun so, dass die DB das festlegt, wo langgefahren wird, hier darf das offensichtlich der Kunde. Außerdem werden keine Spar-Angebote offeriert, ich war davon ausgegangen, dass es ein Schleswig-Holstein-Ticket (analog zum Bayern-Ticket) gibt. Wird aber nicht angeboten. Da die Wegstrecken, die ich mir raussuchen darf doch preislich sehr weit auseinander liegen, entschließe ich mich mal den Schalter im DB-Reisezentrum aufzusuchen. Hier muss man eine Nummer ziehen, wie auf einem Amt. Erstauntes Smiley Ich fall vom Glauben ab, als ich feststelle, dass 33 Leute vor mir dran wären, so viele sind gar nicht anwesend hier in dem Glaskasten. Ich sehe einen Buben in der schicken blauen Uniform rumlungern und erkläre ihm umgehend, dass er jetzt beschäftigt ist und schleife ihn zum Automaten. Dort zeigt er mir, wie ich an das richtige Ticket komme, tatsächlich ein Schleswig-Holstein-Ticket, ich verkneife mir die Frage, warum das nicht einfach bei auswählen der Zugverbindung offeriert wird und schon sitzen wir kurz darauf im Zug. Die Fahrt nach Lübeck ist langweilig und grau, Sonne gibt es heute auch keine. Die erscheint pünktlich, als wir Lübeck erreichen. Wir finden ohne jede Hilfe unser Hotel sofort, ein zumindest von außen richtig nobler vier Sterne-Schuppen, schaut auch von drinnen luxuriös aus. Der Check-In klappt auch noch super, die Räder dürfen im Salon abgestellt werden (kein Witz), erste Zweifel ereilen uns beim Betreten des Aufzuges. Nostalgisch trifft es sicher, allerding war das früher bestimmt der Gesinde-Aufzug. Nun waren wir ja von den letzten Tagen durchaus einiges gewohnt, was die Hotelzimmer betraf, das was wir hier jetzt haben ist auch nicht schlecht, aber vier Sterne? No way! Nicht wirklich groß, ja, durchaus nostalgisch eingerichtet, aber das Bad ist einfach nicht 4 Sterne. Das Hauptproblem ist allerdings, das Zimmer ist nicht klimatisiert und Fenster öffnen geht nicht, weil man sich schon bei geschlossenem Fenster kaum verständigen kann, aufgrund des Verkehrslärmes. Kurzum, wir haben dieses Jahr kein glückliches Händchen bei der Hotelwahl.

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Anschließend nutzen wir den ganzen Tag um durch Lübeck zu bummeln und zu faulenzen. Wir haben ein wenig Popo-Weh und einen Sonnenbrand auszukurieren, wir finden die Stadt auch geeignet zum Ausspannen, wenn man die ruhigen Ecken entdeckt hat. Lübeck ist nämlich verkehrstechnisch auch die Unterwelt, was maßgeblich mit der Sperrung einer Brücke zu tun hat. Und das wissen wir ja von unserem Heimatdorf, Ortschaften an Flüssen sind von den wenigen Brücken darüber abhängig und sobald eine dieser Querungen wegfällt, bricht das fragile Verkehrs-Konzept vollends zusammen. Unsere Heimstatt Regensburg hat drei (verkehrstaugliche) Brücken über die Donau. Der Wegfall einer hat dramatische Folgen und artet regelmäßig in ein totales Verkehrschaos aus. Außerdem stellen wir fest, dass es hier sehr viele Radfahrer gibt, wovon die meisten ziemlich aggressiv unterwegs sind. In Regensburg sind vor einiger Zeit die Fußgängerzonen für den Radverkehr freigegeben worden und bis auf ein paar wenige Deppen wird dort seht zurückhaltend und defensiv gefahren. Trotzdem jammern die ewig gestrigen “Früher-war-alles-Besser-Prediger”, die sollten hier mal rumlaufen. Radler überall, auf Straßen, Gehwegen, Fußgängerzonen, in alle erdenklichen Richtungen. Entsprechen trötet hier aller zwei Minuten ein Rettungswagen und macht das Chaos noch ein bisschen bunter. Wir finden die ruhigen Ecken und genießen sie ausgiebig, Lübeck ist auch ruhig und schön, wenn man weiß, wo.

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Am Freitag morgen fahren wir mit dem Bus nach Travemünde, Fahrrad fahren haben wir uns verkniffen, wegen Popo-Weh auskurieren. Wie wir einhellig feststellen, ist das auch besser so, der Fahrrad-Weg folgt einer Autobahn-ähnlichen vierspurigen Schnellstraße, wer will da schon radeln.
Travemünde ist ein Ostsee-Bad, wie man es sich vorstellt, ein Hafen, tausend Kneipen, eine herrliche Strandpromenade voll mit Rentnern, so wollen wir das haben. Es ist wirklich schön hier, auch wenn sich die Sonne vorübergehend hinter dicken Wolken versteckt. Der Altersdurchschnitt wäre wirklich außergewöhnlich hoch, wenn nicht die Besatzung eines schmucken russischen Schulschiffes hier rumschwirren würde.

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Wir chillen einen ganzen Nachmittag vor uns hin um dann mit dem Schiff zurück nach Lübeck zu fahren, schöne zwei Stunden noch auf dem Wasser verbracht und dann am Ufer der Trave richtig gut zu Abend gegessen. Jetzt versuchen wir uns auszuruhen und auf unsere morgige Weiterfahrt in Richtung Wismar vorzubereiten, wenn nur der Straßenlärm nicht wäre…

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