Heute ist Halbzeit. Naja, eigentlich sind wir schon drüber, aber heute ist der erste Teil unseres Urlaubs beendet und es beginnt der zweite, chillige Teil. Wir haben jetzt sechs Tage lang die Berge rund um Sòller auf Schusters Rappen erkundet, heute geht es noch für 5 Tage in die Hauptstadt Palma, zum Bummeln, Shoppen, Baden und Wasweißichnochalles. Wir haben diese Tage wirklich genossen, auch wenn es zum Teil sehr anstrengend war. Geholfen hat uns natürlich auch die Wahl des Ausgangsortes und nicht zuletzt das traumhafte Glück, genau dieses Hotel gefunden zu haben. Sòller ist ein zauberhaftes Städtchen in einem Tal, eingerahmt von den Bergen der Serra de Tramuntana mit dem Hafen Port de Sòller, etwa vier Kilometer entfernt, verbunden durch ein schmales Tal. Der Hafen liegt in einer malerischen Bucht die mit ihrer nordwestlichen Ausrichtung geradezu prädestiniert ist, hier die Sonnenuntergänge zu genießen. Tagsüber ist in beiden Örtchen alles geflutet mit Tagestouristen, die mit der historischen Bahn von Palma kommen, aber Abends wird es ruhiger, im Moment in der Vorsaison an manchen Tagen sogar fast heimelig.
Unser Hotel, das Ca`l Bisbe war wirklich ein Glücksgriff. Obwohl in den engen Gassen von Sòller gelegen, hört man im innen gelegenen Hof-,Pool-, Barbereich absolut nix vom lauten Treiben rundum und obwohl eine Schule mit angeschlossenem Sportplatz in direkter Nachbarschaft ist, stören nicht mal die Geräusche der Kinder von dort. Das Hotel ist ein kleiner Familienbetrieb mit nur 23 Apartments, entsprechend persönlich ist der Service zu jeder Tageszeit. Können wir nur wärmstens weiterempfehlen.

DSC07611DSC07615DSC07618DSC07885DSC07890DSC07893

Wir starten also am Montag nach ausgiebigem Frühstück und dem lästigen Akt des Kofferpackens zum Bahnhof der historischen Eisenbahn, der nur wenige Gehminuten entfernt liegt und sitzen kurz darauf in der nur spärlich besetzten Bahn. Vormittags ist der Hauptverkehr von Palma nach Sòller unterwegs, erst abends sind die Bahnen in Richtung Palma brechend voll, um die Tagestouristen zurück zu bringen. Zunächst quält sich die Bahn, die 1912 eingeweiht wurde und bereits 1929 vollständig elektrifiziert wurde (übrigens von der Firma Siemens) den Berg hinauf. In mehreren Schleifen geht es bergan, währenddessen man einen fantastischen Blick auf das  Tal von Sòller hat, um dann in einer Reihe von Tunneln zu verschwinden, mittels derer der Hauptkamm der Serra de Tramuntana durchquert wird. Aus dem letzten Tunnel raus erreicht man schon Bunyola, der Ort, der gestern noch Ausgangspunkt unserer Wanderung war. Ich öffne das Fenster und lasse mir bei der gemächlichen Fahrt durch endlose Oliven- und Mandelhaine die warme Sommerluft um die Nase wehen. Dann nach etwa 40 Minuten Fahrt erreichen wir die Vororte von Palma, es geht direkt auf den Straßen der Hauptstadt zum Bahnhof, wo wir den Zug verlassen und uns mit dem Taxi in unser neues “Zuhause” bringen lassen. Das Hotel “Almudaina” ist ein Vier-Sterne-Haus mitten im geschäftlichen Zentrum von Palma. Zentraler geht nicht, etwa 5 Gehminuten jeweils zur Kathedrale, zum Hafen oder zum historischen Kern der Stadt. Das Zimmer ist entsprechend der Klasse des Hauses ausgestattet, wir haben zwar kein Zimmer in der obersten Etage, aber vom Balkon unseres Zimmers sehen wir genau über die Dächer der Stadt auf Kathedrale und Hafen, abgewandt von der Hauptverkehrsstraße, so das sogar bei geöffnetem Fenster nur ein Säuseln vom Verkehr zu hören ist.

DSC07946DSC07947DSC07950DSC07953DSC07954DSC07955DSC07956

Und so sollen die kommenden vier Tage dem Müßiggang gewidmet werden, einfach in den Tag treiben lassen und erholen, das ist angesagt!

 

Für unseren letzten Tag haben wir uns noch mal was ganz Besonderes aufgehoben. Während wir bisher vorwiegen Passstraßen gegangen sind uns und an Klippen entlang gehangelt haben, über sogenannte Küstenwege, werden wir heute einen richtigen Gipfel besteigen. Dazu fahren wir ins Landesinnere, an die Südseite der Serra de Tramuntana, nach Bunyola. Dieser Ort ist zufällig ein Zwischenhalt der historischen Eisenbahnstrecke von Palma nach Sòller, also bietet sich die Anreise mit der Bahn an. Wir steigen also in die erste Bahn am Morgen, wir sind fast die einzigen Fahrgäste und sind 20 Minuten später in Bunyola. Vom Bahnhof aus geht es sanft ansteigend ins Zentrum des Dörfchens, wo wir, vorbei an Kirche und Placa marschieren um dann links abzubiegen, wo uns eine steile Treppe aus dem Ort hinaus führt. Am Rande des Örtchens geht die Treppe in einen Schotterpfad über, vorbei an ein paar Gärten und schließlich in den Wald. Und das ist auch der Hauptunterschied zu unseren Touren der vergangenen Tage, heute geht es sehr oft durch einigermaßen dichten Wald, so dass wir oft im Schatten gehen. Es geht jetzt nämlich mehr als 5 km zum Teil sehr steil bergan und der Stern gibt schon wieder alles. Aber durch die schattigen Abschnitte und dem leichten Wind, der je höher wir kommen, umso öfter zu spüren ist, lässt es sich aushalten. Wir durchqueren hier eine Gegend, in der früher unzählige Köhler und Kalkbrenner ihren kargen Lohn verdienen, entsprechend oft finden sich hier die Überreste der Kalköfen und Köhlerplätze.

DSC07885DSC07887DSC07888DSC07889DSC07890DSC07893DSC07896DSC07898DSC07899DSC06723DSC06726DSC06730DSC07905DSC07907DSC07910DSC07904DSC07921DSC07922DSC07923DSC07924DSC07926

Auf knapp 700 Meter Höhe führt der Weg aus dem Wald raus und jetzt wird uns erst bewusst, wie heiß es schon wieder ist. Wir haben noch gut 2km Anstieg vor uns aber dann stehen wir vor dem entscheidenden Wegweiser. Von hier sind es nur noch wenige Meter bis zum Gipfel des Penyal D`Honor ! Diese wenigen Meter sind aber quasi bersteigen und haben mit Wanden nicht mehr viel gemein. Wir kraxeln also mehr auf allen vieren voran, aber die Schinderei lohnt sich. Wie so oft, geben die Bilder den wahren Eindruck nicht her. Wir stehen auf über 800 Meter Höhe (unser GPS Tracker hat und hier einen Streich gespielt und uns abstürzen lassen) und haben im Rücken das gewaltige Massiv der Serra de Tramuntana und vor uns einen Blick über die gesamte mallorquinische Tiefebene von Palma bis zum Llevant, den Bergen um Arta. Man muss allerdings absolut schwindelfrei sein um hier oben zu stehen, was mir nicht ohne eine Haltemöglichkeit gelingt, ich halte es hier nur sitzend aus.

DSC07931DSC07932DSC07927DSC07930DSC06740

Nachdem wir die Höhenluft geschnuppert und die Aussicht genossen haben, geht es an den Abstieg. Und der soll uns mindestens genauso fordern, wie zuvor der Aufstieg. Es geht steil bergab, über z.T. wirklich unwegsames Gelände, es gilt wirklich jeden Tritt genau zu setzen, ein Abrutschen hätte hier sicherlich heftige Folgen. Nach einigen hundert Metern wird der Weg etwas flacher und führt durch einen regelrechten Zauberwald aus uralten Steineichen, wieder vorbei an den Köhlerplatzen und Kalköfen, bis wir endlich eine Schotterstrasse erreichen, die nun etwas flacher, dafür aber wieder ohne den schützenden Schatten durch einen Olivenhain führt.

DSC06742DSC06741DSC07935DSC07941DSC07939DSC07938DSC06744DSC07936DSC06751DSC06754DSC06752

Danach kommen wir an den Höhlenhäusern von Sa Cova vorbei, hier wurden in längst vergangener Zeit Häuser direkt in die überhängenden Kalkfelsen gemauert. Eigentlich waren die Häuser in den 70er Jahren verlassen worden, einige sind aber mittlerweile (laut unserer Beschreibung) von Aussteigern wieder besiedelt worden. Uns scheinen das aber eher gutbetuchte Einsiedler zu sein, die Häuser sind gut abgeschirmt und komplett videoüberwacht, leider ist kaum etwas davon zu sehen.
Der Weg wird jetzt immer ebener und geht schließlich in eine asphaltierte Straße über. Wir durchqueren noch zwei Dörfchen mit mehr oder weniger mondänen Villen und den entsprechenden Autos davor. Scheint hier eine sehr exclusive, wohl nicht so stark von Urlaubern frequentierte Gegend zu sein und entsprechend beliebt beim Klientel mit dem notwendigen Kleingeld.
Dann erreichen wir wieder Bunyola, unserem Ausgangspunkt. Wir wollen uns nicht hetzen um den Zug zu erreichen, wir wollen vor allem eins: ein kühles Bier! Da der nächste Zug erst in drei Stunden fährt, fragen wir den Wirt unseres Cafès, wie man an ein Taxi kommt. Der plärrt mal eben über die Straße zum Wirt gegenüber, der zückt sofort sein Handy und schnattert da rein, während er über die Straße zu uns rübersprintet. Wir machen den Zeitpunkt aus und auf die Minute steht unser Taxi parat. Was für ein Service!
Das war also unsere letzte Wanderung. Sehr schön und wieder sehr anstrengend. Wir haben total platte Füße und sind froh im Hotel unter die Dusche zu kommen um uns den Staub und den Schweiß abzuspülen. Die letzten Staubkörnchen werden dann beim Abendessen mit einem guten Glas Wein rausgespült…

DSC06756

Nach der gestrigen Tour haben wir für heute einen Ruhetag geplant, geht auch fast nicht anders, wir sind beide ziemlich kaputt. Außerdem ist heute Markt in Sòller, das können wir ja nicht an uns vorübergehen lassen. Wir bummeln also am Vormittag genüsslich über den hiesigen Markt und kaufe die eine oder andere Kleinigkeit, wie Schuhe z.B. Smiley

DSC06701DSC06702DSC06707DSC06711DSC06713DSC06715

Anschließend ruhen wir ein wenig im Zimmer um am späten Nachmittag zum Hafen zu fahren, um dort zu Abend zu essen und den Sonnenuntergang zu genießen, schließlich steht morgen noch mal eine harte Etappe auf dem Plan. Trotzdem bleiben wir abends noch ein wenig auf der Placa sitzen, hier wird an diesem Wochenende das Fira de la  Taronja gefeiert, das Orangenfest und zur Feier des Tages spielt eine Band, die wirkt, als käme sie just im Moment aus Woodstock zurück.

20170527_22254920170527_22260520170527_230816

Für heute ist die längste Tour geplant, es geht von Sòller über den Küstenweg Sa Costera nach Cala Tuent, dazwischen liegen der Aussichtspunkt Mirador de ses Barques mit 446m der höchste Punkt und ein langgestrecktes Tal, das Balitx d`Avall.

Wir starten wieder am Hotel und gehen ein wenig durch die Gassen von Sòller. Witzigerweise ist das der Weg, den wir am ersten Tag versehentlich gegangen sind, heute sind wir aber richtig hier. Wir gehen ziemlich flott, denn die Luft ist rauchgeschwängert. Jeden Morgen zündelt irgendeiner der Mallorquiner in seinem Garten, die verbrennen die Gartenabfälle und der Rauch bleibt hier im Tal hängen, dass es nicht zum Aushalten ist, die Sonne tut das ihrige dazu, den Rauch hier ins Tal zu drücken. So gehen wir fast 2km bergan, bis man einigermaßen Luft holen kann. Von oben sieht man die Stadt kaum unter der Dunstglocke. Es geht steil bergauf, über 5km lang nur Steine und Treppen.

DSC06642DSC06644DSC06647DSC06649DSC06650DSC06653DSC07797DSC07798DSC07806DSC07809DSC06648DSC07807DSC07795DSC07801

Schließlich kommen wir an einen Aussichtspunkt auf fast 450m Höhe, von wo man direkt auf Port de Sòller runter schaut. Solche Bilder kannst du nicht malen, kein Foto gibt diesen Eindruck wirklich wieder.

DSC07804DSC07810DSC07812DSC07815DSC07816DSC07821

Von hier geht es nun zuerst sacht, dann immer steiler in ein Tal, wo wir am tiefsten Punkt die Finca Balitx finden werden. Durch Olivenhaine und brache Felder geht es über staubige Schotterstraßen und steinige Pflasterwege, hier weht kein Lüftchen und es hat mittlerweile 30°C, dass es uns die Schweißperlen aus allen Poren drückt. Und über uns kreisen schon die Geier. Hier gibt es nämlich reichlich Mönchsgeier, mit bis zu 3 Metern Spannweite der größte Vogel Europas. Wir sehen einige und machen unsere Witze darüber, warum die wohl gerade hier über uns kreisen. Noch fühlen wir uns gar nicht so schlapp. Noch…

DSC07822DSC07832DSC07833DSC07835DSC07836DSC07837

Am tiefsten Punkt des Tales steht die Finca Balitx, hier soll es frischen O-Saft und andere Getränke geben, aber nix isses, niemand zu Hause. So nehmen wir ungestärkt den nächsten Anstieg in Angriff und der kostet uns alle Kraft. Es geht wüste, wilde Wege und Stufen nach oben. Oft muss man echt kraxeln, weil die Stufen und Steine ein normales Gehen gar nicht zulassen. Zu allem noch dazu kommt, dass die Sonne genau auf den Hang brennt und es kaum mal schattige Stellen gibt. Die letzten Meter bis zum Pass führen auf einem Weg (in unserer Beschreibung als Schotterstraße tituliert), der kaum begehbar ist. Hier ist anscheinend ein Teil der Berges abgerutscht, auf jeden Fall ist der Weg die reine Geröllhalde.

DSC07838DSC07839DSC07841DSC07844DSC07845DSC07846DSC07849

Oben am Pass können wir kaum noch schnaufen und genießen die Frische Prise Wind, die uns jetzt vom Meer her entgegenweht. Es geht steil bergab zur Küste, allerdings müssen wir hochkonzentriert bleiben, denn der Weg ist nach wie vor sehr schwierig. Dafür ist der Ausblick wieder überwältigend, wir sind hier auf dem Küstenweg Sa Costera. Dieser führt uns etliche Kilometer am Meer entlang, bis er zum Ende hin noch einmal heftig ansteigt. Nun ist endgültig Schluss mit lustig, wir können echt nicht mehr und stolpern anschließend mehr als wir gehen zur Küste hinab in die Cala Tuent. Dort gibt es wenigstens in einer Holzhütte kühle Getränke, das Wasser, das wir dabei hatten ist mittlerweile auch lauwarm. Wir sitzen noch ein wenig im Schatten und warten auf das Boot, das uns zurück in den Hafen von Sòller bringt, wo der Tag bei Aperol Spritz und Bierchen mit einem leckeren Abendessen ausklingt.

DSC07850DSC07852DSC07853DSC07858DSC07881DSC07883DSC07884

Die Tour ist wunderschön und echt interessant, aber mehr als 16km über Stock und Stein, bergauf und bergab bei 30°C , bringen uns Couch-Potatoes doch an die Belastungsgrenze. Für solche Touren muss man 20 Jahre jünger oder besser trainiert sein. Oder am Besten beides.

…kann man nämlich in Deià, einem Dorf in der Serra de Tramuntana. Hier lebten und leben viele berühmte Nasen, entsprechend gibt es hier die höchsten Grundstückspreise auf Mallorca, sagt unsere Wegbeschreibung. Deià ist nämlich heute das Ziel unserer Wanderung, entlang der Küste.

 

Morgens am Frühstückstisch sitzen wir, diesmal ganz pünktlich, und schauen auf einen riesigen Berg in der Morgensonne.
Ich: “Da müssen wir gleich hoch.”
Sie: “sehr witzig!”
Ich: “Dann lach doch!”

DSC06599DSC06602DSC06603DSC06604DSC07722DSC07724DSC07725DSC07726DSC07732DSC07733DSC07734DSC07738DSC07741DSC07739DSC07754DSC07756DSC06601
Zwei Stunden später lacht keiner mehr. Diesmal geht es nur wenige Meter durch Sòllers Gassen und anschließend durch kleine Höfe. Wohlgemerkt keine Fincas, so nennt man große Landgüter bzw. Ländereien, die Häuser darauf sind nicht damit gemeint. Diese kleinen Höfe nennt man Horta, also Garten. Anschließend geht es sofort auf einer alten Poststraße, sehr grob gepflastert, steil nach oben. Wie hier früher alle möglichen Sachen transportiert wurden, ist uns ein Rätsel, möglicherweise war die “Straße”  ja früher besser in Schuss, aber die hier ist so eng und steil und hat regelrechte Treppen, hier ist nicht mal ein Eselkarren hochgekommen.

So geht es 5 km bergan auf eine Höhe von über 300m (Sòller liegt auf etwa 30m ü.M.) der Stern brennt gewaltig, obwohl wir schon kurz nach 9 losgegangen waren. Als der Anstieg etwas flacher wird und etwas leichter zum Gehen, kommen wir zu einer großen Doppel-Finca. Hier verkauft ein Französin Getränke und selbstgemachte Quiche oder Kuchen. So gibt es ein Stück Quiche Classic und einen frischgepressten Orangensaft und anschließend geht es weiter.

DSC06608DSC06609DSC06611DSC06601DSC06610DSC06616DSC06618

Wir kommen durch die wildeste Bergwelt Mallorcas kommen in ein kleines Dorf namens Llucalcari, hier sind alle Häuser aus Naturstein gebaut und wild und bunt bewachsen. Und dann geraten wie irgendwann, als es schon wieder bergab geht an die Küste. Der Ausblick ist atemberaubend, der Weg, der hier weiterführt auch! Zunächst versuchen wir auf Anraten unserer Wegbeschreibung zur Küste abzusteigen, das Ansinnen verwerfen wir aber, weil wir uns nicht für Bergziegen halten und entsprechend diesen Felsen nicht absteigen können und wollen. Wir gehen weiter und müssen alle Konzentration aufbringen für die Streckenführung. Manchmal erkennt man den Weg gar nicht, er geht durch vollkommen wilden Wald, gekennzeichnet nur durch kleine Wegweiser, Holzpflöcke oder “Steinmännchen”. Oft geht er direkt am Rande der Klippen entlang, oft vollkommen ohne Sicherung, manchmal mit einem Holzgeländer, das mehr Angst als Sicherheit verbreitet. Ein falscher Tritt hier beendet nicht nur den Urlaub.

DSC06613DSC06619DSC06620DSC06622DSC06624DSC06625DSC06628DSC06630DSC06632DSC06627DSC07723DSC07727DSC07730DSC07743DSC07747DSC07760DSC07763DSC07765DSC07780DSC07766DSC07772DSC07773DSC07768DSC07774DSC07787DSC07789

Zwischendrin schaue ich mal auf die Uhr und stelle entsetzt fest, dass wir schon fünf Stunden unterwegs sind und dabei haben wir noch etliche Kilometer bis zum Ziel. Irgendwann erreichen wir dann Cala Deià, eine kleine malerische Bucht, in der, wie wir hoffen, wir vielleicht mal ins Wasser hüpfen könnten. Von wegen, hier geht`s zu wie am Ballermann. In der einen Bar muss man anstehen, in der anderen kriegt man mit eine wenig Ellenbogen einen Platz. Man müsste auch anstehen zum Baden, das lassen wir dann mal weg. Es gibt für jeden einen Salat und ein Glas Wein. Nach einer anständigen Verschnaufpause geht`s dann weiter in Richtung Deià und zwar stramm bergauf. Der Stern brennt gewaltig und es geht bergan im Staube… Zum Glück ist ein Teil des Weges durch den Wald also gibt es ein wenig Schatten. Nach etwa einer dreiviertel Stunde kommen wir in Deià an und gehen direkt zur Bushaltestelle. Wir fahren mit dem Bus zurück und sind am Abend ziemlich platt, wandern in der Hitze ist anstrengend, aber schööööön.

DSC06634DSC06639DSC06641DSC07783

 

 

Dann war es gestern Abend doch noch später geworden… Zunächst sind wir zu eigentlich ganz annehmbarer Zeit in die Hotelbar eingefallen, um die Gute-Nacht-Pille in flüssiger Form einzunehmen. Dann haben wir festgestellt, dass einer der Barkeeper ein ausgewanderter Deutscher ist und haste-nich-gesehen, waren wir die letzten Gäste und in ein supernettes Gespräch mit dem Buben verstrickt. Wir haben im Laufe des späten Abends einige interessante Sachen über das Leben der Mallorquiner außerhalb des Tourismus erfahren und anscheinend war dem Burschen das auch ganz recht, mal wieder deutsch zu schwätzen, jedenfalls hat er sich viel Zeit genommen und uns zum guten (oder bösen) Ende noch den “Hausgemachten” kredenzt. Ein selbstgemachter Kräuterlikör, aber nicht im “Stamperl”-Glas sondern im Cognac-Schwenker. Entsprechend schwer fällt am Morgen das Aufstehen. Und so wird spontan beschlossen, den Tourenplan abzuändern. Nämlich eine vermeintlich leichtere Tour vorzuziehen, es soll nach Port de Sòller gehen, die Tour hat zwar auch zwölf Kilometer ist aber im Verhältnis relativ flach.

DSC06543DSC06562DSC06579DSC06563DSC07683DSC07685

 

Also schlafen wir noch ein Stündchen und ziehen nach dem gemütlichen Frühstück gegen halb elf los. Es geht zuerst wieder durch die Gassen von Sòller und gleich zur Information, wir haben uns heute nicht verlaufen. Raus aus den Gassen kommen wir in einen Vorort mit großen Gärten, die Gegend heißt auch Sòller Horta, also der Garten von Sòller. Hier begeistern uns wieder die üppigen Zitronen- und Orangenbäume, es gibt auch Mandel- und Feigenbäume und sogar, wie man mir zeigt, Kapernsträuche. Ich lerne wieder mal mit jedem Meter dazu. Es ist wunderbar bunt hier, bis wir zur Hauptverkehrsstraße kommen, die wir überqueren und danach in den Wald eintauchen. Das ist hier kein Wäldchen, wie bei uns, das ist ein vollkommen verwachsener Olivenhain. Die Bäume wirken wie aus einem Fantasy-Film, uralt und total verwachsen, dazwischen alles überwuchert, der Weg ist teilwiese nur zu erahnen.

DSC06547DSC06548DSC06549DSC06568DSC07709DSC06581DSC06565DSC07711DSC07719DSC07710

 

So geht es bis kurz vor Port de Sòller einer wunderschönen Bucht, die aber dem Tourismus zu 100% geopfert wurde. Die historische Eisenbahn von Palma bringt jeden Tag Unmengen Touristen nach Sòller, die meist sofort in die ebenso historische Straßenbahn umsteigen und hier in den Hafen fahren. Zugegeben, haben wir ja auch schon gemacht, aber es ist schwierig, die Schönheit dieses Ortes zu sehen, wenn dich zehntausende über die Promenade schieben.

DSC07692

DSC07713

Wie nutzen das schöne Wetter für eine kurze Abkühlung im Wasser, wobei wir das strandnahe Gewässer mit Fischen beachtlicher Größe teilen und es auch bissige Tiere im Wasser gibt, wie mir quiekend berichtet wird. Smiley  Anschließend essen wir eine Kleinigkeit, es gibt lecker Tapas. Dazu gönnen uns ein Glas Wein und begeben uns wieder auf den Rückweg. Der führt zuerst wieder durch den Wald, diesmal auf der anderen Seite des Tales entlang, absolut ruhig und traumhaft schön. Die letzten Kilometer vor Sòller führt der Weg wieder zwischen Zitrushainen hindurch und dann entdecken wir sie. Die zu verkaufende Finca, die uns beiden sofort gefällt. Es werden Pläne geschmiedet, woher das nötige Kleingeld kommen könnte, Banküberfall fällt aus, das ist zu anstrengend bei der Hitze. Es wird also beschlossen, den Lotto-Jackpot zu knacken, aktueller Zwischenstand: negativ… Egal, wir spinnen eine Weile vor uns hin und begeistern uns für die Landschaft und sind in kürzester Zeit wieder im Hotel. Wir haben nämlich beschlossen heute nochmals in den Hafen zu fahren, mit der Straßenbahn und dort im Sonnenuntergang zu Abend zu speisen. Das hat dann besser geklappt, als das mit dem Lottogewinn, aber ein Sonnenuntergang in Port de Sòller ist auch so etwas, wie ein kleiner Lottogewinn.

DSC06586DSC06591DSC06587

 

Der Morgen fängt traumhaft an. Also eigentlich war die Nacht ja schon traumhaft. Abends todmüde in die Betten gefallen und geschlafen wie die Kindchen, hier ist es so ruhig, als wenn man kilometerweit im Nirgendwo wäre. Morgens wache ich auf, es ist nahezu nichts zu hören. Ich schaue auf den Balkon, es ist wolkenloser, blauer Himmel. Das Wetter wurde also geliefert, wie bestellt. Obwohl sich in direkter Nachbarschaft ein Schule befindet, ist bis halb acht kaum etwas draußen zu vernehmen und um diese Zeit sind wir ja auch schon munter. Acht Uhr gibt es Frühstück und danach wollen wir ja los, auf unsere erste Tour.

So ziehen wir also  los, die erste Wanderung ist ein Rundwanderweg, startend in Sòller  nach Fornalutx und wieder zurück nach Soller. Die Tour ist eingestuft als leicht und ohne besondere Anforderungen. Soweit die Theorie. Wir wissen aber aus den vergangenen Jahren von unseren Radltouren, das wir mit selbstsicherer Ignoranz für Wegbeschreibungen und geübtem Übersehen von Wegweisern aus jeder kurzen Tour eine längere und selbstredend spannende und mit Überraschungen gespickte Tour machen können. Und so, in altgewohnter Tradition, verlaufen wir uns sofort erst mal in den Gassen von Soller. Quasi vor dem ersten Kilometerstein.

DSC06512DSC06522

Zu unserer Entschuldigung sei aber gesagt, die Wegbeschreibung enthält einige verwirrende Entfernungsangaben und die vom Veranstalter angebotene App ist lediglich eine statische Karte und keine interaktive, GPS-unterstützte, wie etwa Google Maps oder GPSies. Letzteres lassen wir eh mitlaufen zum aufzeichnen unserer Wanderungen und nachdem wir uns nach etwa 30min überhaupt nicht mehr auskennen, ziehen wir also GPSies zu Rate um überhaupt mal unsere Position zu bestimmen. Wir sind hunderte Meter weg vom Weg, finden aber wieder dahin und sind jetzt sozusagen “in der Spur”. (Anmerkung vom 24.05: Ich muss mich korrigieren, die Wikinger-App kann doch GPS. Das muss man aber extra aktivieren, damit bekommt man den aktuellen Standort angezeigt, was in den meisten Fällen ausreichend hilfreich ist, auch wenn sich die Karte nicht sehr weit zoomen lässt. Die separat notwendige Aktivierung der GPS-Funktion wäre bestimmt in der Dokumentation beschrieben gewesen, aber wer um alles in der Welt liest denn Beschreibungen? Wir jedenfalls nicht…)

Am Ortsausgang von Soller beginnt die kleine Straße anzusteigen, zunächst sehr leicht, aber wir wissen, dass sich das ändern wird, schließlich sind heute 300 Höhenmeter zu erklimmen.wir erreichen zunächst den Ort Biniaraix, wo wir ein paar Stufen zum Dorfplatz erklimmen müssen und dann gleich mal einen Blick in die kleine Kirche werfen. Ein sehr düsteres Gebäude. Hinaus aus Biniaraix steigt die nun noch engere Straße richtig steil an, vorbei an unzähligen Zitronen- und Orangenbäumen, die proppevoll mit fast reifen Früchten sind, geht es bergan. Später wechselt die Vegetation, wir kommen an zum Teil uralten, verknöcherten Olivenbäumen vorbei, bis wir den Gipfel der Tour erreichen. Hier zweigt unser Weg von dem Sträßchen ab und führt nun über einen sehr wüsten Schotterweg steil bergab. Nach mehreren Kilometern erreichen wir Fornalutx, laut unserer Wegbeschreibung das schönste Dorf Mallorcas und bereits mehrfach zum schönsten Dorf Spaniens gekrönt. Wir überqueren auf einer kleinen Brücke eine wild überwucherte Schlucht. Es fließt zwar nur ein Bächlein unter der Brücke durch und der Begriff Schlucht taugt wohl auch nicht für einen ca. zwei Meter tiefen Graben, aber die Farbenvielfalt der darin wachsenden Pflanzen ist umwerfend. Überhaupt blüht und leuchtet es in jedem Eck und an jeder Hausmauer hier in Fornalutx, das ist wohl der Vorteil, wenn man im Frühsommer hier urlaubt. Unsere bisherigen Urlaube in der Mittelmeerregion waren alle im Spätsommer und egal wo, überall war braun die vorherrschende Farbe, ist besten Falle noch ein dunkles Grün mit ein paar Farbklecksen. Hier jedoch herrscht eine wahre Farbenexplosion.

DSC06516DSC06518DSC06521DSC06523DSC06524DSC06527DSC06529DSC06530DSC07651DSC07630DSC07636DSC07655DSC07656

Es gibt auf dem kleinen Marktplatz in einem kleinen Cafè einen kleinen Mittagsimbiss und beim Kleinod-Händler eine neue handgearbeitete Kette. Anschließen führt der Weg weiter durchs wilde Gelände, aber nun meist seicht bergab zurück nach Sòller. Wir kommen wieder exakt an dem Punkt raus, wo wir heute morgen das erste Mal entnervt unser Navi zu Rate gezogen hatten, was für ein Zufall. Vor Freude, nicht in der mallorquinischen Wildnis untergegangen zu sein, gibt es auf dem Marktplatz gleich noch ein Gläschen Wein, bevor wir zurückkehren zum Hotel und sofort in den Pool sinken.

DSC06534DSC06536DSC07628DSC07631DSC07634DSC07638DSC07642DSC07664DSC07681DSC07666DSC07669DSC07674DSC07677

Diese zwölfeinhalb Kilometer waren genau das Richtige für den ersten Tag, sozusagen zum Einlaufen. Nicht zu schwer aber auch durchaus fordernd genug für uns untrainierte Stadtindianer.

Mit airberlin zu fliegen ist so eine Sache. Die Tickets waren frühzeitig via Internet gebucht, das bedeutet airberlin hatte ausreichend Zeit, mit den Flugzeiten zu jonglieren, die haben sie auch ausgiebig genutzt. Insgesamt 5x wurden unsere Flugzeiten “angepasst”, zweimal so, dass ich uns habe umbuchen lassen auf andere Flüge. Ich habe mir was dabei gedacht, als ich die Flugzeiten ausgewählt habe und ich möchte weder spätabends am ersten Tag am Urlaubsort ankommen, noch morgen 6:00 Uhr am letzten Tag abreisen. Wenigstens waren die Umbuchungen immer nur einen Telefonanruf Aufwand.

20170522_122448 20170522_131224

Beim Check-In am Munich Airport stellen wir fest, dass alle stattfindenden airberlin Flüge gleichzeitig abgewickelt werden, außerdem gibt es nicht die im Internet gesonderten Schalter für die, die den Web-Check-In genutzt haben. Alle stehen in der selben Schlange. Als wir dann nach einer dreiviertel Stunde dran sind, erklärt uns das Mädel, wir würden mit “Niki” fliegen, einem Partnerunternehmen, die Schalter wären am anderen Ende der Halle… Dann wäre doch ein kleiner Hinweis an einer der unzähligen Bildschirme hinter Dir ein probates Mittel, die Leute darauf hinzuweisen. Sie nimmt unser Gepäck dann freundlicherweise trotzdem entgegen, eingecheckt sind wir ja schon. An den Check-In Schaltern von Niki herrscht gähnende Leere, wie wir später feststellen, kein Wunder, wenn man keinem sagt, wo er hin muss.

Die Maschine ist dann doch eine ganz schnöde airberlin-Maschine und die Crew ist von TUIFly. Bei dem Chaos, was die Firma verzapft, sind die blutroten Zahlen, die die schreiben wirklich kein Wunder…  Die Crew meistert den Flug dann aber routiniert und nach nicht einmal 2 Stunden landen wir in Palma de Mallorca. Wir warten dann kurz auf unsere Koffer und schon wenige Minuten später sitzen wir im Taxi in Richtung Soller. Wir müssen auf keinen Bustransfer o.ä. warten, da wir alles selbst organisiert haben, hatten wir uns gar keine weiteren Gedanken über den Transfer nach Soller gemacht, sondern gleich an ein Taxi gedacht, das klappt auch sofort und ohne Verzögerungen. Der Fahrer ist dann in Soller ein bisschen planlos, schließlich fragt er dann doch noch mal sein Navi und schon ist das Hotel gefunden. Eine alte ausgebaute Ölmühle, am Rande der kleinen Stadt. Ein wunderschönes Haus und ein tolles Zimmer mit Balkon, der Ausblick auf die Berge ist nicht zu beschreiben, da freu ich mich ja schon auf unsere Wandertouren.

DSC07609DSC07611DSC07613DSC07614DSC07615DSC07616

Wir lassen den Nachmittag und Abend noch mit ein paar Bierchen und einem leckeren Abendessen ausklingen und fallen recht früh in unsere Betten, ab morgen wird`s sportlich!

header_wandern

 

Nachdem wir über mehrere Jahre viele Radltouren entlang der Nord- und Ostsee sowie diverser Flüsse unternommen haben, kam der Gedanke, doch mal was anderes zu probieren. Die Idee einmal einen Wanderurlaub zu machen war da schnell geboren und wenn sich das Ganze dann noch mit Sonne, Meer und Sandstrand kombinieren ließe…

So gehen halt die Gedanken schnell in Richtung einer Mittelmeerinsel, da dort bekanntlich auch im Mai die Chancen auf schönes Wetter relativ hoch sind. Und so bekam die Balearen-Insel Mallorca den Vorzug vor diversen andern Möglichkeiten, auch weil es  uns die Hauptstadt Palma und ihr unglaubliches Flair doch ziemlich angetan hat, dazu aber später mehr.

Mallorca_Karte

So geht`s also am Montag mit dem Flieger von München nach Palma und dann nach Soller, einem kleinen Stätdchen im Herzen der Serra de Tramuntana, der Gebirgskette im Norden Mallorcas. Soller wird der Ausgangspunkt unserer Wandertouren sein, ein wenig vorgeplant aber mit jeder Menge Freiraum um eigene bzw. neue oder geänderte Ideen einzubauen und in die Tat umzusetzen, denn im Pläne ändern, sind wir Weltmeister, wie wir auf unseren diversen Radltouren immer wieder gesehen haben.

In diesem Sinne: Lasset den Urlaub beginnen…