Aufgalopp (Flensburg–Hunhoi)

 

Nach einem wunderbaren, extrem faulem Tag verlassen wir unsere Herberge in Flensburg. Wir können unsere Eindrücke nicht wirklich einordnen und diskutieren selbige noch eine Zeit lang. Das Zimmer ist den Preis nicht wert, darüber herrscht Einigkeit. Der Abend-Typ kennt sich entweder nicht aus oder konnte uns nicht leiden. Das Morgen-Personal, welches das sehr gute Frühstück kredenzt ist nämlich einigermaßen erstaunt, das ich beim Check-Out eine erneute Zahlung verweigere, auch aus den Gesprächen der anderen Gäste im Frühstücksraum kriegen wir mit, dass wir wohl die Einzigen waren, die vor Erhalt es Zimmerschlüssels Bares herzeigen mussten. Also ich finde, sooooo wild schauen wir nun auch nicht aus, auch nicht nach 15 Stunden Bahnfahrt.
Egal, das Haus sieht uns eh nicht wieder und damit geht es flott und mit Gebrüll auf den Ostseeküsten-Radweg.

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Das Erste, was uns nach ein paar Kilometern auffällt, es geht weder direkt am Wasser entlang, noch ist die Strecke topfeben, wie man von einem Küstenradweg erwarten könnte. Mit ein wenig Nachdenken wird uns die Sache dann auch klarer. Unsere letzten drei Touren führten entlang der Nordsee, dort fährt man gefühlt 80% des Weges auf dem Deich und somit ziemlich geradeaus dahin und immer am Wasser oder am Watt, wenn das Wasser mal eben wech ist. Hier gibt es keinen Deich. Ob das den gesamten Weg über so sein wird, bleibt abzuwarten, aber zumindest hier in der Flensburger Förde, an deren Verlauf wir heute entlangradeln, gibt es keine solchen extremen Sturmfluten, die solch aufwändige Bauwerke rechtfertigen würden. Und somit gibt es auch keine Möglichkeit immer der Küstenlinie zu folgen. Man fährt also auf mehr oder weniger küstennahen Straßen und Wegen. Und da diese durchaus ganz anständige Steigungen von durchaus auch erwähnenswerter Länge aufweisen, beschließen wir, dass das hier die holsteinische Schweiz sein muss! Keine Ahnung, ob das stimmt, hört sich aber plausibel an.
Wir fahren also bei anfänglich noch recht schönen Wetter so bergauf, bergab durch`s Gemüse und treffen ab und an mal auf`s Wasser. Das hat aber irgendwie nicht das Feeling am Meer zu sein, sind wir ja auch nicht richtig, es ist immer noch die Flensburger Förde, auf der gegenüberliegenden Seite ist Festland zu sehen, wenn auch dänisches. Apropos, viele Schilder in Flensburg und auch immer noch hier in den Dörfern sind in dänischer Sprache, selbst die Kneipenrechnungen in Flensburg haben den Wert in Euro und zusätzlich in Dänischen Kronen ausgewiesen. Die scheinen hier zwar in der Minderheit zu sein, aber es es erscheint wohl eine erwähnenswerte und beachtenswerte Minderheit zu sein. War uns so nicht bewusst. “Ägähn watt löörnd” würde der Loddar sagen.
Mit fortschreitender Zeit bewölkt sich der Himmel immer mehr und zwischenzeitlich fallen mal ein paar Tropfen. Ist aber nie dramatisch und langt auch nicht, dass die Straße auch nur annähernd nass wird. Wenigsten hält sich der Wind in Grenzen, er bläst zwar von vorne, aber nie auch nur ansatzweise so stark, wie vorhergesagt. Wer immer die zuständige hiesige Gottheit des Windes sein mag, vielen Dank und bleibe uns gewogen.

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Aufgrund der aber anderslautenden Vorhersagen hatten wir die heutige Tour eher kurz anberaumt und so erreichen wir bereit viertel vor vier unser Hotel in der Nähe von Gelting. Die letzten Kilometer führten dann doch noch mal direkt am Wasser entlang und auch unser Hotel ist in Sichtweite zur Ostsee. Das Hotel nennt sich “Ostseehotel Hunhoi”. Auch die Straße, in der es liegt heißt Hunhoi, allerdings kann uns auch auf Nachfrage keiner beantworten, ob das etwas und was es bedeutet. So merkwürdig der Name auch ist, das Zimmer ist toll und sehr modern eingerichtet, wir erfahren allerdings auch, dass Hotel und Restaurant soeben erst eröffnet wurden. Egal, und gefällt es hier. Wir haben gut zu Abend gegessen und für morgen eine weitere kurze Etappe geplant, da wir uns Kappeln an der Schlei anschauen möchten und dem Wetter nach wie vor nicht so richtig trauen. Die Nachrichten aus dem Rest Deutschlands berichten uns ja von heftigen Unwettern, davon haben wir zwar bis jetzt nicht mal ansatzweise was gespürt, aber die Vorhersagen sind sich sehr uneins, ob und / oder wann uns das hier treffen wird. Deshalb planen wir erst mal vorsichtig und kurzfristig.