Über den Damm zur Brücke

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Track Domburg – Zierikzee bei GPSies

Nach einer sehr erholsamen Nacht, die Betten waren gut und die Nacht rund um unser Hotel nahezu totenstill, sind wir gegen 10:00 Uhr von Domburg wieder abgereist. So spät war es geworden, weil uns die Hotelwirtin ein kleines Frühstück serviert hatte, obwohl wir ohne gebucht hatten. Kaffee war in unserem Hotel gratis, man konnte sich jederzeit an der Kaffeemaschine bedienen, aber mit dem gratis Frühstück hatten wir nicht gerechnet. Auf diese Weise haben wir uns dann den Weg zum Bäcker gespart.
Zunächst ging es aus Domburg raus durch ein Wäldchen, der Weg war mit feinem Schotter belegt, der aufgrund der hohen Feuchtigkeit in diesem Waldgebiet extrem weich und entsprechend schwierig zu befahren war. Nach einiger Zeit wechselte der Belag dann wieder auf festen Asphalt-Untergrund, dabei ging es weiter entweder durch Felder oder Wäldchen oder direkt hinter den Dünen entlang. Die Gegend hier ist sehr ländlich und voll auf Tourismus getrimmt. Überall sind Autos aus Deutschland zu sehen, bevorzugt aus NRW. Die Gegend hier wird von den Westdeutschen als Kurzurlaubs-Paradies betrachtet, wie mir berichtet wird, ist die Anzahl der Besucher im Moment noch zu vernachlässigen, an langen Wochenenden oder während der Schulferien wären hier mehr Deutsche zu finden, als Einheimische. Das hier ist also der Campingplatz von NRW. Smiley

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Irgendwann werden die Bäume weniger, die Landschaft wird offener, wir nähern uns dem Oosterschelde-Damm oder auf einheimisch Oosterscheldekering. Das ist ein typisches holländisches Bauwerk, gigantisch in seinen Ausmaßen und einzig dem Zwecke dienend, das Land vor dem Wasser zu schützen. Dabei ist es nur eines von mehreren Riesenbauwerken, nachzulesen hier: Deltawerke  (Der Meeresarm Oosterschelde liegt im Mündungsdelta von Rhein, Maas und Schelde in der niederländischen Provinz Zeeland. Der Verlauf der Schelde wurde aber durch mittelalterliche Sturmfluten derart verändert, dass diese heute durch die Westerschelde in die Nordsee mündet. Die Oosterschelde liegt zwischen den Inseln und Halbinseln Schouwen-Duiveland und Tholen im Norden, sowie Noord-Beveland und Zuid-Beveland im Süden. – Auch hierzu weiß der Wiki-Peter mehr.)

Das Wetter ist seit dem Morgen schon ziemlich grau und obwohl uns der Wind wieder direkt ins Gesicht bläst ist er ein laues Lüftchen im Vergleich zu gestern. Allerdings ist der Wind wieder eiskalt, was uns vor dem Damm, nach einem Kaffee veranlasst unsere dicken Jacken bzw. Pullover überzuziehen. Allerdings sehen wir im Norden auch einen breiten blauen Streifen, der uns auf schöneres Wetter hoffen lässt. Der Damm zieht sich in mehreren Einzelstücken über insgesamt 9km Kilometer dahin, aber irgendwann haben wir den hinter uns gelassen und kehren in Burghsluis in ein Wirtshaus direkt am Wasser ein um uns eine “Huizgemaakte Vissoep” (Hausgemachte Fischsuppe) als Mittagessen reinzuziehen. Während wir da sitzen, kommt die Sonne durch die Wolken und bahnt sich in der Folge immer öfter einen Weg durch die Wolken, bis am Abend der Himmel tatsächlich blau und völlig wolkenlos ist. Der weitere Weg bis Zierikzee zieht sich entlang der Oosterschelde, wir umrunden diese auf unserem Weg fast. Dadurch haben wir auf den letzten Kilometern beinahe Rückenwind. Mit Rückenwind oder an windstillen Ecken ist es wieder richtig kuschelig warm, wenn der Wind von vorne kommt spürt man aber deutlich, dass die Temperaturen dem Monat nicht wirklich angemessen sind. Kurz bevor wir Zierikzee erreichen sehen wir die Zeelandbrug, mit fast 5 Kilometern die längste Brücke der Niederlanden. Sie besteht aus 52 Bögen à 95 Meter. Und einer der Bögen ist als Klappbrücke ausgelegt um größeren Segelschiffen die Durchfahrt zu ermöglichen, wir dürfen dieses Schauspiel gleich zwei mal erleben.

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Schließlich kommen wir an unserem Zielort an und finden, wie bereits gestern dank Navi unser Hotel sofort. Ohne dieses Hilfsmittel wäre das nicht so einfach gewesen, selbst mit einer traditionellen Faltkarte wäre das kein Kinderspiel gewesen, da Zierikzee aus endlos vielen kleinen, engen Gassen besteht, die überhaupt keiner mir bekannten geometrischen Figur folgen. Man könnte es Zickzack, Wirr-Warr oder vielleicht geplantes Chaos bezeichnen, egal, bei unserem abendlichen Spaziergang gefällt mir das Flair, dass eben dieses Gassen-Chaos und die kleinen, sehr schönen Häuschen ausstrahlen auf Anhieb, ich finde es wunderschön hier. Wie finden ein nettes Wirtshaus zum Essen und sogar das Bier schmeckt hier etwas angenehmer als gestern in Domburg. Entweder gewöhne ich mich bloß einfach daran oder es gibt hier doch Biersorten, die nicht wie Spülwasser schmecken. Auf jeden Fall haben wir gut gespeist und getrunken und werden alsbald unser großes Bett in unserem kleinen aber sehr feinen Hotelzimmer genießen.

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Einziger Wermuthstropfen heute Abend ist, dass das WLAN im Hotel zwar funktioniert, wir aber keinen Zugang zum Internet zustande kriegen. Also haben wir beschlossen, für morgen kein Hotel zu buchen, sondern einfach der Route zu folgen, die ich zu Hause bereits vorgeplant hatte und dann einfach so weit zu fahren, wie wir Lust haben, bzw. bis dahin, wo wir ein Hotel finden, was uns beherbergen mag und das uns gefällt.