Endlich angekommen–die Nordsee hat uns wieder


Track Vlissingen – Domburg bei GPSies

Nach einem endlos langen Wochenende ging es endlich los. Uns stand eine sehr lange Reise bevor und uns war klar, dass das erste Stück dieser Reise das anstrengendste war. Aus verschiedenerlei Gründen ist es am schwersten von Regensburg mit dem Zug nach München zu gelangen, noch dazu, wenn man Fahrräder mitführt. Der schlechteste Tag, den man sich dafür raussuchen kann, ist ein Sonntag, da am Sonntag Abend alle Züge in Richtung Landeshauptstadt brechend voll sind. Also wollten wir dem Chaos aus dem Weg gehen und sind bereits am Nachmittag aufgebrochen. Nun ist es in deutschen Nahverkehrszügen so, dass es mehrere Abteile in einem Zug gibt, die Fahrrädern vorbehalten sind oder vielmehr sein sollten. Nur interessiert das in Deutschland niemanden, die Abteile werden einfach belegt, die Plätze werden auch nicht geräumt, wenn Personen mit Fahrrädern zusteigen, man wird einfach ignoriert und dumm angeschaut. Nachfrage vollkommen zwecklos, Intelligenzquotienten in Höhe der Zimmertemperatur verstehen die im Wagon angebrachten Schilder einfach nicht… (ganz anders im weiteren Verlauf unserer Reise, in den holländischen IC werden die Fahrradplätze sofort anstandslos geräumt, wenn man zusteigt, obwohl die Hinweisschilder auch nicht entscheidend größer sind). Sei`s drum, wir standen also mit unseren Rädern mitten im Gang in einem brütend heißen Alex, in dem die dürftige Klimatisierung nicht ankam gegen ständig geöffnete Fenster und Türen.

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Aber auch die 1 1/2 Stunden waren irgend wann um und wir waren in München auf dem Hauptbahnhof angekommen. Das Gepäck in einem Schließfach verstaut, die Räder vor dem Bahnhof abgestellt und dann noch mal durch die Stadt gebummelt, gemütlich ein Bierchen getrunken und wunderbar zu Abend gegessen. Dann war es endlich viertel vor 11, wir haben unsere Räder in den reservierten Boxen des CNL geparkt und unsere Schlafsessel eingenommen und schon ging es pünktlich los. Schlaf zu finden ist in so einem Großraumabteil nicht immer leicht, manche kennen den Begriff Nachtruhe nur vom Hörensagen und beim Aus- oder Einsteigen wird auch gerne gepoltert, so nutzt man halt jede Minute Schlaf, die man so abkriegen kann. Der folgende Tag wird noch lang genug werden. Gegen 6:00 Uhr morgens ist für mich aber endgültig Schluss, etwa ab Köln kann ich nicht mehr schlafen und betrachte also die vorbeiziehenden Metropolen Köln, Düsseldorf und Duisburg. In Emmerich hat unser Zug wieder einen längeren Aufenthalt, hier werden Lok und Zugpersonal ersetzt, ab hier sind wir unter niederländischer Hoheit. Trotz unserer Verspätung von etwa 20 Minuten begeben wir uns langsam zu unsren Fahrrädern, da wir an der ersten holländischen Station, Arnhem aus- bzw. umsteigen werden. Dort angekommen erreichen wir gerade noch eben unseren Anschlusszug (eigentlich schon der nächste, unseren direkten Anschluss haben wir durch die Verspätung schon verpasst, aber das war eh zu knapp kalkuliert). Wir hüpfen ins erstbeste Abteil, hier kriegen wie die Fahrräder aber kaum unter, es ist zu eng. An der nächsten Station werden wir vom Zugbegleiter höflich darauf hingewiesen, dass das für Räder reservierte Abteil zwei Wagen weiter wäre. Wir wandern also weiter, und finden sofort Platz, da die Radl-Stellplätze eben sofort geräumt werden, als wir kommen. Nebenbei macht uns der Zugbegleiter darauf aufmerksam, dass man in den IC der NS (niederländische Bahngesellschaft) eigentlich erst nach 9:00 Uhr große Fahrräder mitführen dürfte. Ich hatte da bereits gelesen, habe aber natürlich mit der mir eigenen Unschuldsmine etwas von “ I don`t know that!” gemurmelt. Grinsend kam dann bloß zurück: “Next time you know it!” und wir durften weiterfahren. (Zur Erklärung, in den IC darf man diese für Holland typischen Faltfahrräder in extra dafür vorhandenen Boxen jederzeit mitnehmen, große Fahrräder dürfen außerhalb der Rush Hour, also immer außer zwischen 6:00 und 9:00 Uhr und 16:30 bis 18:00 Uhr in den dafür vorgesehenen Abteilen mitgenommen werden. Nur war es eben erst 8:30 Uhr.) Unser nächster Umsteigestop in Roozendaal wird dann zur Geduldsprobe, unser Zug hat erst 25 Minuten Verspätung und kann dann ewig nicht fahren, weil natürlich durch die Verspätung der ganze Plan im Eimer ist. Und so erreichen wir unser Ziel in Vlissingen mit einer guten Stunde Verspätung aber glücklich, endlich am Meer angekommen zu sein.

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Als erstes gönnen wir uns natürlich einen kleinen Imbiss, unser letztes Futter liegt nun doch schon 16 Stunden zurück. Danach fahren wir über die Schleuse und sehen das Meer, auf diesen Augenblick haben wir uns seit Wochen gefreut!
Wir finden auch direkt den Nordseeküstenradweg oder die North Sea Cycle Route, die hier in Holland jedoch schlicht als LF1 oder Noordzeeroute ausgeschildert ist. Entscheidend ist aber, sie IST ausgeschildert und zwar hervorragend. Haben wir uns vergangene Woche am Donauradweg noch über mangelnde oder mangelhafte Beschilderung amüsiert, gibt es hier absolut nichts zu meckern.
Gleich auf den ersten Metern in Vlissingen bemerken wir haufenweise Kriegerdenkmäler und –monumente. Hier sind wohl im Krieg auch mal die Alliierten gelandet, jedenfalls ziehen sich die verschiedenen Denkmäler entlang der Küste bis Westkapelle, dem westlichsten Punkt unserer diesjährigen Reise.

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Bereits bei unserer Ankunft in Vlissingen war der bis dahin bedeckte Himmel aufgerissen und hatte die ersten Sonnenstrahlen hervorgelassen. Je weiter wir radeln, um so schöner und auch wärmer wird es. Hatten wir uns in Roozendaal noch unsere Pullover übergezogen, erschien uns das Wetter hier, zumindest an windstillen Ecken doch schon fast sommerlich. Allerdings liegt die Betonung auf “an windstillen Ecken”! Dort wo man den Wind spürt, spürt man ihn gewaltig. Er bläst aus Nordwest mit 7bft, das entspricht etwa 60km/h. Und da er vom Meer kommt, ist er ziemlich kalt. Bis Westkapelle fährt man meistens einigermaßen geschützt, hinter den Dünen oder sogar durch die angrenzenden Wäldchen. Aber ab da geht es direkt auf dem Deich entlang in Richtung Nord-Ost bis Domburg und diese 7 Kilometer haben es in sich. 60km/h eiskalter Wind von schräg vorne sind eine schöne Quälerei und so zieht sich die Strecke endlos dahin.

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Das Hotel in Domburg ist dann dank des Navi gleich gefunden, obwohl nicht das kleinste Schildchen an dem Haus auf den Namen des Hotels hindeutet, es steht zwar was von Bed&Breakfast dran, aber das steht an jedem zweiten Haus. Egal, das Hotel gefunden, das Zimmer bezogen und ins Örtchen eingefallen, zum Behufe der Getränk- und Nahrungsaufnahme. Das ist nun mittlerweile erledigt und wir liegen vollgefuttert auf dem Bett und rekapitulieren den ersten Tag unserer diesjährigen Reise. Ein guter Auftakt, so kann`s weiter gehen.