Gipfelsturm

 

Für unseren letzten Tag haben wir uns noch mal was ganz Besonderes aufgehoben. Während wir bisher vorwiegen Passstraßen gegangen sind uns und an Klippen entlang gehangelt haben, über sogenannte Küstenwege, werden wir heute einen richtigen Gipfel besteigen. Dazu fahren wir ins Landesinnere, an die Südseite der Serra de Tramuntana, nach Bunyola. Dieser Ort ist zufällig ein Zwischenhalt der historischen Eisenbahnstrecke von Palma nach Sòller, also bietet sich die Anreise mit der Bahn an. Wir steigen also in die erste Bahn am Morgen, wir sind fast die einzigen Fahrgäste und sind 20 Minuten später in Bunyola. Vom Bahnhof aus geht es sanft ansteigend ins Zentrum des Dörfchens, wo wir, vorbei an Kirche und Placa marschieren um dann links abzubiegen, wo uns eine steile Treppe aus dem Ort hinaus führt. Am Rande des Örtchens geht die Treppe in einen Schotterpfad über, vorbei an ein paar Gärten und schließlich in den Wald. Und das ist auch der Hauptunterschied zu unseren Touren der vergangenen Tage, heute geht es sehr oft durch einigermaßen dichten Wald, so dass wir oft im Schatten gehen. Es geht jetzt nämlich mehr als 5 km zum Teil sehr steil bergan und der Stern gibt schon wieder alles. Aber durch die schattigen Abschnitte und dem leichten Wind, der je höher wir kommen, umso öfter zu spüren ist, lässt es sich aushalten. Wir durchqueren hier eine Gegend, in der früher unzählige Köhler und Kalkbrenner ihren kargen Lohn verdienen, entsprechend oft finden sich hier die Überreste der Kalköfen und Köhlerplätze.

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Auf knapp 700 Meter Höhe führt der Weg aus dem Wald raus und jetzt wird uns erst bewusst, wie heiß es schon wieder ist. Wir haben noch gut 2km Anstieg vor uns aber dann stehen wir vor dem entscheidenden Wegweiser. Von hier sind es nur noch wenige Meter bis zum Gipfel des Penyal D`Honor ! Diese wenigen Meter sind aber quasi bersteigen und haben mit Wanden nicht mehr viel gemein. Wir kraxeln also mehr auf allen vieren voran, aber die Schinderei lohnt sich. Wie so oft, geben die Bilder den wahren Eindruck nicht her. Wir stehen auf über 800 Meter Höhe (unser GPS Tracker hat und hier einen Streich gespielt und uns abstürzen lassen) und haben im Rücken das gewaltige Massiv der Serra de Tramuntana und vor uns einen Blick über die gesamte mallorquinische Tiefebene von Palma bis zum Llevant, den Bergen um Arta. Man muss allerdings absolut schwindelfrei sein um hier oben zu stehen, was mir nicht ohne eine Haltemöglichkeit gelingt, ich halte es hier nur sitzend aus.

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Nachdem wir die Höhenluft geschnuppert und die Aussicht genossen haben, geht es an den Abstieg. Und der soll uns mindestens genauso fordern, wie zuvor der Aufstieg. Es geht steil bergab, über z.T. wirklich unwegsames Gelände, es gilt wirklich jeden Tritt genau zu setzen, ein Abrutschen hätte hier sicherlich heftige Folgen. Nach einigen hundert Metern wird der Weg etwas flacher und führt durch einen regelrechten Zauberwald aus uralten Steineichen, wieder vorbei an den Köhlerplatzen und Kalköfen, bis wir endlich eine Schotterstrasse erreichen, die nun etwas flacher, dafür aber wieder ohne den schützenden Schatten durch einen Olivenhain führt.

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Danach kommen wir an den Höhlenhäusern von Sa Cova vorbei, hier wurden in längst vergangener Zeit Häuser direkt in die überhängenden Kalkfelsen gemauert. Eigentlich waren die Häuser in den 70er Jahren verlassen worden, einige sind aber mittlerweile (laut unserer Beschreibung) von Aussteigern wieder besiedelt worden. Uns scheinen das aber eher gutbetuchte Einsiedler zu sein, die Häuser sind gut abgeschirmt und komplett videoüberwacht, leider ist kaum etwas davon zu sehen.
Der Weg wird jetzt immer ebener und geht schließlich in eine asphaltierte Straße über. Wir durchqueren noch zwei Dörfchen mit mehr oder weniger mondänen Villen und den entsprechenden Autos davor. Scheint hier eine sehr exclusive, wohl nicht so stark von Urlaubern frequentierte Gegend zu sein und entsprechend beliebt beim Klientel mit dem notwendigen Kleingeld.
Dann erreichen wir wieder Bunyola, unserem Ausgangspunkt. Wir wollen uns nicht hetzen um den Zug zu erreichen, wir wollen vor allem eins: ein kühles Bier! Da der nächste Zug erst in drei Stunden fährt, fragen wir den Wirt unseres Cafès, wie man an ein Taxi kommt. Der plärrt mal eben über die Straße zum Wirt gegenüber, der zückt sofort sein Handy und schnattert da rein, während er über die Straße zu uns rübersprintet. Wir machen den Zeitpunkt aus und auf die Minute steht unser Taxi parat. Was für ein Service!
Das war also unsere letzte Wanderung. Sehr schön und wieder sehr anstrengend. Wir haben total platte Füße und sind froh im Hotel unter die Dusche zu kommen um uns den Staub und den Schweiß abzuspülen. Die letzten Staubkörnchen werden dann beim Abendessen mit einem guten Glas Wein rausgespült…

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