IJsselmeer, Markermeer und noch viel mehr

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Track Enkhuizen – Volendam bei GPSies

Die Sonne lächelt, als wir morgens durch das Glockenspielgebimmel geweckt werden und einen ersten Blick über den Hafen schweifen lassen. Richtig cool so ein Ausblick, das hat was. Und weil uns das so gut gefällt, buchen wir uns in Volendam, unserem nächsten Etappenort gleich wieder ein Zimmer mit Meerblick im “Art Hotel Spaander”. Wir sollten noch überrascht sein, was das für `ne Hütte ist!
Frühstück also beim Chinesen, aber ganz traditionell europäisch. Danach fahren wir zum Hafen und am Bahnhof vorbei, wo vor zwei Jahren unsere Radltour wegen Schlechtwetter offiziell beendet wurde und wir den Zug nach Amsterdam bestiegen haben. Der Himmel hat sich etwas eingetrübt, aber es ist schönes Wetter vorausgesagt. Der Wind weht uns mal wieder entgegen, aber kein Vergleich zu dem Gebläse an der Nordsee, hier ist der Wind deutlich schwächer und nicht ansatzweise so kalt. Es geht also zunächst ein paar Kilometer am IJsselmeer (schreibt man tatsächlich so!) entlang, bis zum Houtribdijk, einem 28km langem, 1976 fertig gestelltem Damm, der die ehemalige Zuiderzee trennt in IJsselmeer und Markermeer. Er verbindet Enkhuizen mit Lelystad, im Deich- und Dammbau sind sie wirklich die Weltmeister diese Holländer. Fortan radeln wir also am Markermeer entlang, während die Aussichten immer trüber werden, obwohl alle einschlägigen Wetterfrosch-Medien den ersten richtigen Sommertag voraus gesagt haben. Irgendwann kommen wir an ein sehr einladend aussehendes “Pannekoekenhuisje” und beschließen uns zum Mittag eine der einheimischen Spezialitäten schmecken zu lassen. Das Lokal hat eine kleine Freiterrasse, die zwar nicht auf das große Wasser aber rückwärtig auf einen kleinen Kanal schaut. Es wäre traumhaft, hier zu sitzen, wenn es nicht nicht regnen würde. Wir haben nämlich kaum unsere Bestellung in Auftrag gegeben, als es anfängt zu tröpfeln. Und kaum sind wir nach drinnen gewechselt, fänft es richtig an zu regnen, na hoffentlich ist das nur ein kurzer Schauer! Den Gefallen tut und das Wetter aber nicht und allen Vorhersagen zum Trotze, regnet es jetzt erst mal richtig. Nachdem wir dem Treiben einem Pannekoeken und einem anschließendem Kaffee zugeschaut haben, beschließen wir trotzdem weiter zu fahren, erstens sind wir nicht wasserlöslich und zweitens haben wir ja Regenjacken dabei. So radeln wir also im immer schwächer werdendem Regen weiter und tatsächlich, wenige Kilometer darauf ziehen wir die Regenjacken auch schon wieder aus, weil diese von innen feuchter sind, als von außen. Kurze Zeit später beginnt der Himmel aufzureißen und als wir das Städtchen Hoorn und als wir den innerstädtischen, historischen Hafen erreichen, sieht es bereits wieder sehr viel freundlicher aus.
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Im Hafen von Hoorn spielt sich eine ziemlich bizarre Szene ab, wir hatten bereits jede Menge Leute in landesüblicher Tracht umherlaufen sehen, wir sehen auch die Vorbereitungen für ein Fest und bringen das Ganze mit dem “Nederlandse Veteranendag” in Verbindung, von dem ich auf einigen Ankündigungen gelesen hatte. Der hätte zwar eigentlich gestern sein sollen, aber vielleicht dehnen die das ja hier auf`s ganze Wochenende aus. Was genau das ist, weiß ich nicht, wird aber wohl in Anlehnung an die amerikanischen “Veterans Day”-Heldenverehrung so `ne Art Ehrung der Kriegshelden sein. Auf jeden Fall kommen uns jetzt außer den ganzen Trachtlern noch ein Umzug einer Menge Leute mit mehr oder weniger historischen Gewändern und ganz sicher historischen Kinderwagen entgegen. Daraus werden wir nun gar nicht schlau, beschließen aber auf jeden Fall, dem Treiben zu entfliehen. Und so fahren wir wieder weiter, über den Marktplatz, der komplett gesperrt ist und auf dem Beach-Volleyball gespielt wird. Da scheint momentan eine landesweite Meisterschaft im Gange, wir hatten bereits in Den Haag (Scheveningen) und Alkmaar ähnliche Veranstaltungen gesehen.
Aus Hoorn geht es wieder raus und langsam unserem Ziel entgegen, immer entlang des Meeres, in sehr ländlicher Gegend und zunächst wieder in eine bekannte Käse-Metropole.
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Diese streifen wir aber nur am Rande und beschließen zunächst zu unserem Hotel zu fahren und einzuchecken um anschließend zu entscheiden, ob wir noch mal in das Städtchen reinfahren wollen. Die Entscheidung wird uns aber bereits bei der Einfahrt nach Volendam abgenommen, denn hier herrscht ein so ungeheurer Trubel, dass wir unsere Räder schieben müssen, an weiterfahren ist nicht zu denken. Mitten in diesem Menschenauflauf, den wir uns zunächst gar nicht erklären können, entdecke ich den Eingang zu unserem Hotel. Wir versuchen die Fahrräder einigermaßen sicher zu parken, aber daran ist überhaupt nicht zu denken. Die Leute sind dermaßen aufgedreht, dass sich keiner irgendwas um ein geparktes Fahrrad schert, die würden hier innerhalb von Minuten im Eck liege. Hier wird nämlich direkt im Verbund oder anstelle des “Veteranendag” der “Volendamerdag” gefeiert, der im weiteren Verlauf des Abends von der traditionellen Party mit Trachten und Volksmusik in eine wüste Party mit Schlager- und Schunkelmusik übergehen wird! Wir beschließen also, mal ein Stück aus der Partymeile rauszufahren und auf der Seeseite zu schauen, ob das Hotel dort vielleicht auch einen Eingang hat. Wir haben ja schließlich ein Zimmer mit Meerblick gebucht und einen Parkplatz sollte ein Hotel dieser Größe ja auch aufweisen. Hat es auch und natürlich auch einen Eingang auf dieser Seite, was uns die Situation deutlich erleichtert. Das Hotel ist ein richtiger historischer Luxus-Schuppen, entsprechend professionell ist der Check-In schnell erledigt und wir kriegen ein prima Zimmer im zweiten Stock. Mit Meerblick nach Osten, das könnte für morgen früh einen tollen Sonnenaufgang versprechen.
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Die Bikes sind auch bald sicher verstaut und wir traben, frisch geduscht in Richtung des wilden Treibens. Mittlerweile ist die Sonne endgültig durch die Wolken gekommen und es ist angenehm warm. Weniger angenehm ist die Tatsache, dass die Party mittlerweile in Richtung Karneval driftet. Alle jugendlichen aus der gesamten Provinz scheinen sich hier versammelt zu haben, aufgedonnert und geschminkt, als gäbe es kein Morgen und drängen sich in und vor den Kneipen, aus denen lautstark entweder Live-Musik oder holländische Schlager aus der Konserve dröhnen, welche lautstark mitgegrölt werden. Sogar auf einigen Booten, die im Hafen lagen, wurde musiziert.
Entsprechend schwierig gestaltet sich die Bier- und Futter-Suche. In so einem Party-Lokal gibt`s heute nix zu essen, dort würde es wohl auch kaum schmecken. In anderen Lokalen, wie zum Beispiel der zum Hotel gehörenden Kneipe wird man kaum bedient, weil das Personal entweder selber mitfeiert oder hoffnungslos überfordert ist, oder die Kneipen, wo kein Radau drin ist, sind hoffnungslos überfüllt. Irgendwann nach fünf Runden durch Hafen und Stadt-Zentrum finden wir ein Lokal, wo uns ein zwar sichtlich genervter, aber doch recht freundlicher Bursche ein hervorragendes Abendmahl kredenzt. Wir schlürfen noch ein Bier und trollen anschließend zum Hotel zurück, wo wir an der Bar noch kurz verweilen um das Hotel für die nächsten Tage in der niederländischen Hauptstadt via Internet zu buchen. Keiner von uns hat Lust, planlos durch Amsterdam zu radeln um nach einem Hotel zu suchen. Nachdem wir kurz mit dem Gedanken gespielt haben ein Hausboot für 4 Tage zu mieten, entscheiden wir uns dann doch für ein Hotel am Rande des Stadtzentrums, wir entdecken ein echtes Schnäppchen, sogar mit Frühstück, was für Amsterdam eher ungewöhnlich ist. Das wäre uns auch nicht wichtig gewesen, aber wenn es schon dabei ist… Und so schlummern wir, bestens vorbereitet für die finale Etappe trotz des Wahnsinns Radaus auf den Straßen, der sich noch bis tief in die Nacht zieht, zufrieden ein!
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Die Fotos sind größtenteils kurz vor der Abreise, am Tag nach der Party entstanden, fotografieren war in dem Trubel eigentlich unmöglich.