Schafe, Wind und wieder kein Wasser

Noch nicht mal in Holland angekommen, haben wir schon die erste Nacht im Wohnwagen verbracht. Allerdings war dieser stationär und sogar in eine Holzhütte integriert. Wir waren gestern, nach gefühlten 600km gegen den Wind (real 50km) in Eckwarderhörne angekommen und hatten die Wahl, hier in besagter Hütte zu übernachten oder die Abend-Fähre nach Wilhelmshaven zu nehmen und dort nach Quartier zu fahnden. Wir entschieden uns zu bleiben und verlebten einen ganz ruhigen Abend, garniert mit einem fast unwirklich anmutendem, feurigen Sonnenuntergang.
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So bestiegen wir heute morgen, nach einem reichhaltigen Frühstück beim Vater des Campingplatzes, die Fähre und tuckerten nach Wilhelmshaven. Dort wurden wir durch die Sperrung der Kaiser-Wilhelm-Brücke zu einer zusätzlichen Stadtrunde genötigt, die einen sehr zwiespältigen Eindruck hinterlassen hat. Wilhelmshaven ist eine Mischung aus Industriestadt und Dorf. Auf der einen Seite große Hafenanlagen, die zu einem großen Teil militärisch belegt sind und auf der anderen Seite, heimelige kleine Dorfstraßen mit den ganz typischen roten Klinkerbauten. Dann wieder geht es durch Wald und Flur, vorbei an Ställen und Pferde-Ranchen und auf der anderen Seite der Straße der riesige Neubau des Jade-Weser-Ports, des neuen Hafens der Region. Eine ganz seltsame Mischung.
Dann geht es entlang einiger Landstraßen wieder ans Wasser oder vielmehr ans Watt, denn das Wasser ist schon wieder nicht da. Zwischendurch frage ich mich, warum die Leute hier Urlaub machen, wenn das Wasser die Hälfte der Zeit woanders ist. Wir kommen durch lustige kleine Orte, die meist putzig hergerichtete historische Häfen haben. Die Seitenarme von Weser, Jade und Nordsee nennt man Siele und an diesen waren in früheren Zeiten Häfen errichtet worden und es entstanden die Siedlungen drum herum. Ein früher mal recht bedeutender Hafen und Ort ist unser heutiger Zielhafen Carolinensiel. Laut einer Info-Tafel am Hafen war Carolinensiel vom 16. bist zum Ende des 19. Jahrhunderts ein bedeutender Umschlagplatz für alles Mögliche zwischen Skandinavien, den deutschen Hanse-Städten und den süd-europäischen Handels-Nationen. Erst mit dem Aufkommen der Dampfschiffe verloren diese Sielhäfen an Bedeutung, da die dicken Brummer nicht durch die schmalen Kanäle passten.
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Aber genug der Geschichte. Wir sind also ab Wilhelmshaven immer entlang der Küste nach Norden gefahren und haben in Schillig den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Scharf links abgebogen, ging es dann entlang der ostfriesischen Küste. Allerdings immer hinter dem Deich. Ein, zwei mal haben wir uns den straffen Nord-Ost-Wind um die Nasen wehen lassen und haben den Blick übers Watt zu den vorgelagerten Inseln schweifen lassen. Zum Radlfahren haben wir uns hinter den Deich verkrochen, und sind Slalom um die dort weidenden Schafe und deren Hinterlassenschaften gefahren. Ich sage euch, Ostfriesland hat einen gaaaanz eigenen Geruch!
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