Segelwettbewerbe und verkorkste Planungen


Track Den Haag – Zandvoort bei GPSies

Nach einem schönen Tag und einer sehr ruhigen Nacht nehmen wir unser IBIS-Standard-Frühstück zu uns und fahren unsere Fahrräder wieder mit dem Car-Elevator ans Licht der Sonne. Also eigentlich nicht, weil, die ist nicht da. Dicke, schwere, dunkelgraue Wolken türmen sich und verheißen nichts Gutes für den Tag. Wir fahren trotzdem los und nehmen den Weg quer durch das Stadtzentrum um anschließend dem Verlauf der Straßenbahn zu folgen, mit der wir gestern in Scheveningen waren. Dort wollen wir die Noordzeeroute wieder finden, die uns nach Den Helder bringen soll. Vorher wollen wir in Scheveningen noch mal im Hafen vorbeischauen, wir hatten gestern etwas gelesen, dass das “Volvo Ocean Race” hier Station machen würde, vielleicht könnte man ja mal einen Blick auf eines dieser 20-Millionen-Dollar-Schiffchen werfen. Dort angekommen herrscht schon ein Treiben, wie auf einem Ameisenhaufen, von einem Guide erfahren wir, dass der Start kurz bevor stünde und das erste Schiffchen um 12 den Hafen verlassen würde. Es ist kurz vor elf und so beschließen wir, uns das Schauspiel anzutun. bereits 45 Minuten vorher verlässt besagtes Böötchen den Hafen um draußen allerlei Segelwerk zu setzen und ein paar Runden zu drehen, im Automobilsport würde man von einer “Warm-Up-Lap” sprechen. Anschließend fährt das Boot wieder in den Hafen, muss wohl noch einiges Palaver über sich ergehen lassen um Punkt 12 die Startlinie, an der wir uns praktischerweise postiert hatten zu passieren. Der Start erfolgt durch einen Kanonenschlag und dem Beifall mehrerer tausend Zuschauer, die Veranstaltung hat einigen Zulauf, wir haben einige Schwierigkeiten, den Schauplatz anschließend zu verlassen.

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Von einem der Officials, der an der Startlinie mit Funkgerät und Handy umherwichtelte hatte ich nämlich erfahren, dass der Start des bzw. der nächsten Boote erst um 13:40 Uhr erfolgen würde, klar, die Boote verlassen den Hafen natürlich mit den Abständen, wie sie zwei Tage zuvor eingelaufen waren. Das wollen wir uns nicht antun, zumal wir ja nun eh schon fast zwei Stunden verbummelt haben. Wir starten also unter mittlerweile aufklarendem Himmel in Richtung Norden und finden am Ortsausgang ziemlich problemlos unseren Radweg. Ab hier geht es durch eine schier unendliche Dünenlandschaft bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein und kräftigem Schiebewind voran. Der Belag des Radweges ist hervorragend, meist asphaltiert, zeitweise mit einem sehr ebenen Pflaster belegt. Diese Kombination zieht an einem Samstag natürlich unzählige Radler an, auch die bunt verkleideten Rennradler, die teilweise ziemlich rücksichtslos an einem vorbeirasen, aber irgendwie passieren hier nie irgendwelche Unglücke oder gar Rangeleien, alles arrangiert sich wie von selbst. Erstaunt sind wir, wie hügelig der Weg hier ist, es geht zwischen den Dünen richtig auf und ab und man mag es nicht glauben, wir erreichen tatsächlich einmal die schwindelerregende Höhe von 20 Meter über dem Meeresspiegel. Da sag noch mal einer, in Holland gäbe es keine Berge!

 

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Wir kommen durch die Touristenorte Katwijk und Noordwijk und irgendwann auch in Zandvoort an. Es ist mittlerweile schon halb fünf und wir beschließen uns ein Quartier zu suchen. Es macht keinen Sinn mehr, auf Biegen und Brechen weiter zu fahren, wir werden auf dem Weg nach Texel eh ein Stück weit mit dem Zug fahren müssen. Ich hatte unser Hotel für dort nämlich ab Sonntag Abend, also morgen gebucht. Das war zu einer Zeit, als wir noch davon ausgegangen waren, am Samstag von daheim abzureisen. Ich hatte die Buchung dann nicht mehr geändert, weil ich wohl davon ausgegangen war, dass wir das trotzdem schaffen werden. Das wird aber nichts, wir kommen nicht so schnell voran, wie gedacht, erstens lassen wir keine Gelegenheit aus, Fischsemmeln zu uns zu nehmen und uns mit Kaffee zu betanken und zweitens schießen wir unterwegs noch ein paar hundert Fotos, die teuren Anschaffungen müssen ja schließlich benutzt werden. Und so ein Schiffchen-Rennen hält auch ganz schön auf, sei`s drum, wir werden morgen noch ein Stück radeln und dann an geeigneter Stelle auf die niederländische Bahn wechseln, wir haben nächste Woche noch ausreichend Zeit zum Radeln.
Wir gehen noch eine schöne Runde durch den Ort, der keine architektonischen Lorbeeren ernten wird und beobachten bei einem Zwischenbier die Leute und einen der allgegenwärtigen Piepmätze, der am Nachbartisch völlig ungeniert die Reste vertilgt. Die Viecher, in erster Linie Dohlen und Möwen, sind rotzfrech und regelrecht auf Diebstahl aus. Am Strand von Scheveningen warnte mich der Verkäufer, bevor er mir meine Fischsemmel in die Hand drückte: “Watch up for the Meuws!” und mitten im Herzen von Den Haag haben wir einen Fischreiher (!) gesehen, der vor einer Fischbrötchenbude stand, als ob er die Angebote studieren würde. Es war ein unglaubliches Bild, das dort aber außer uns niemanden zu interessieren schien, es ist anscheinend normal!

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