Steife Brise von links vorn…

Es war also endlich so weit. Seit Wochen entgegengefiebert, fünf mal rauf und runter durchgeplant, den Wetterbericht geflissentlich ignoriert (mittlerweile gab es eine Unwetterwarnung für unsere erste Etappe), es geht also los. Pünktlich 00:13 Uhr rollt unser InterCity aus dem Bahnhof Regensburg, an Board zwei Radler, zwei Fahrräder und die beiden Lenkertaschen-Insassen, die unseren letzten Urlaub bereits begleitet hatten. Und obwohl wir (zumindest bis Göttingen) ein ganzes Abteil für uns alleine haben, können wir nur schwer einschlafen. Jeder ist mit den Gedanken schon auf dem Fahrrad und gut ausgeschlafen waren wir auch nach dem gestrigen Feiertag. Irgendwann schlafen wir dann doch ein und kommen so einigermaßen ausgeruht am ersten Umsteigebahnhof in Hannover an. Nur kurz in den nächsten IC und schon geht´s weiter bis Bremen. Dort haben wir ein wenig Aufenthalt und so gönnen wir uns Kaffee und etwas Süßes. Und schon geht es mit der Regionalbahn zu unserem Ausgangspunkt nach Bremerhaven. Und dort trifft uns dann das Wetter mit voller Wucht. Im Bahnhofsgebäude kommt gerade eine Gruppe Radfahrer an, die sehen aus wie begossene Pudel. Also streifen wir uns die Regenjacken über und starten. Der Regen ist eigentlich nur ein feiner Nieselregen, aber in Verbindung mit dem Wind kommt er daher wie ein Wolkenbruch.

Der NSCR ist gleich gefunden und nach ein paar Minuten ist der Regenschauer auch vorbei. Der Radweg führt zuerst in den Hafen von Bremerhaven, der interessanterweise (zumindest teilweise glaube ich) zum Stadtgebiet von Bremen gehört. Dort stehen ein paar wunderschöne alte Segelschiffe und ein paar andere Antiquitäten, z.B. ein altes U-Boot. Aufgrund des stürmischen Windes fehlt uns aber ein wenig die Lust zum Flanieren und so fahren wir los. Vom Deich aus sehen wir Nordenham und den Radweg, den wir letztes Jahr gefahren sind, rund um Butjadingen. Dann geht es in die Hochseehäfen, eigentlich ist das alles ein riesiges Industriegebiet, viele Docks und unzählige Terminals wo unter anderem gefühlte 10 Millionen Auto auf`s Ent- und verladen warten. Alte, neue, schnieke Oldtimer und jede Menge Schrottfahrzeuge. Wo die wohl alle hingeschippert werden…

 

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Bereits im Hafen trifft uns der Wind immer mal wieder mit voller Wucht aber als wir das Hafengebiet verlassen und auf den Deichweg einbiegen, ist Radelfahren fast nicht mehr möglich. Bei Windstärke 6 – 8 (kein Witz!) immer von links vorn (Nord-West), dazu immer wieder Regenschauer, da verlangen selbst 10km/h Durchschnittsgeschwindigkeit volle Leistung. So ist Fahrradfahren eine echte Tortur.

Trotzdem kommen wir etwas voran und gaben nach etwas mehr als zwei Stunden etwa 25 km hinter uns. Das reicht uns für`s Erste und wir kehren zum Mittags-Mahl in Wremen ein. Wir haben bis jetzt kein Büdchen mit Fischbrötchen oder frischen Krabben-Brötchen gefunden, es ist ein Jammer. Erst in Dorumer Neufeld finden wir die Erste dieser landestypischen Büdchen, aber da haben wir ja gerade Lunch gehabt. Außerdem ist die Stimmung mittlerweile ziemlich gedrückt, da zum miesen Wetter auch noch Bauchweh kommt. Und so beschließen wir den NCSR zu verlassen, um landeinwärts der Bahnlinie BHV – CUX entgegen zu fahren. Allerdings ist es gar nicht so einfach einen Bahnhof zu finden, die Dinger sind dünn gesät und null ausgeschildert. Als wir dann den Bahnhof in Nordholz gefunden haben, ist natürlich der Zug gerade durch und der nächste kommt eine Stunde später. Also fahren wir doch weiter, aber quer durch`s Land. Wir sparen uns zwar nicht wirklich Kilometer wie wir bald feststellen, aber der Wind ist hier weniger brutal, erstens haben wir durch Gebäude und Wäldchen immer wieder Windschatten, den wir am Deich nirgendwo gehabt hätten und zweitens fahren wir jetzt Richtung Nord-Ost, manchmal sogar direkt nach Osten. Das bedeutet, das der Wind nun “nur noch” von der Seite kommt und manchmal haben wir sogar den Wind von seitlich hinten. Da lässt es sich natürlich ganz anders fahren. Unser Hotel finden wir in Cuxhaven nach einer kleinen Ehrenrunde, das Zimmer ist pompös eingerichtet und die beiden Mitfahrer haben wieder ihre eigene Couch. So liegen wir jetzt auf dem Bett und schauen Fußball, wir werden aber nach dem Abpfiff noch mal eine Runde drehen, die Nordsee möchte ich schon noch mal sehen und Hunger habe ich auch irgendwie.

 

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Nebenbei freu ich mich auf morgen, wenn der Wind nicht um 180° dreht, müssten wir morgen Sturm von achtern haben! D.h. wir erreichen unser anvisiertes Ziel gegen Mittag. Smiley Aber bei unserem Glück lässt sich der Wettergott bestimmt noch was einfallen…