Tour de Schweiß – eine zu lange Tour bei zu heißem Wetter durch seltsame Ortschaften

Wir wussten ja, dass es heiß werden würde. Und wir wussten auch, dass 70km ganz schön weit ist. Aber bei 34°C 25km bergan zu strampeln ist richtig fies. Und der letzte entscheidende Anstieg in der prallen Sonne war purer Masochismus.

Amberg - nürnberg

Aber der Reihe nach: Wir hatten uns also wieder eine Etappe des “5-Flüsse-Radweges” ausgeschaut, diesmal von Nürnberg entlang der Pegnitz bis nach Amberg. Weil die Etappe aber so rum 45km bergan und 25km bergab führt, drehen wir doch die Richtung und fahren entgegengesetzt. Also in der Früh wieder mit dem Zug nach Amberg, dort aus dem Zug gehüpft und frisch auf durch die Altstadt von Amberg in Richtung Sulzbach Rosenberg gestrampelt. Die ersten Meter führen noch durchs idyllische Amberg, nur um aber ziemlich bald entlang einer Bundesstrasse bergan zu streben. Die Strecke ist nicht schön, der Radelweg ziemlich eng und nur einseitig der Straße, so dass man auch noch mit regem Gegenverkehr klarkommen muss. Es gibt schönere Wege.

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Der erste Höhepunkt des Tages war ein Feld voller Korn- und Mohnblumen, was sofortige Fotografierbemühungen ausgelöst hat, sowie das anschließende Erreichen der Bubenhöhe in Poppenricht. Verwirrtes Smiley Also mal ehrlich, es gibt für jeden Scheiß eine EU-Behörde, warum kann sich nicht mal eine um verunglückte Ortsnamen kümmern? Wir kommen im weiteren Verlauf noch durch Pommelsbrunn und Ottensoos und ich hatte letztes Jahr schon die Ortsnamen in Ostfriesland für witzig gehalten…

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Sei`s drum, wir sind tapfer durchgeradelt und weiter (natürlich bergauf) in Richtung Sulzbach-Rosenberg. Dort wird man am Ortseingang von der riesigen Industrieruine des Maxhütte-Stahlwerkes empfangen. Diese Fabrik beschäftigte einst eine ganze Region, heute hat der Anblick etwas Endzeitmäßiges. Mad Max lässt grüßen! (cooles Wortspiel Smiley )

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Nach einer weiteren Fotosession fahren wir in das Städtchen ein, dass sich in der Innenstadt als wunderschönes Ensemble alter aber perfekt restaurierter Gebäude entpuppt. Dort gibt es dann im Schatten der Kirche erst mal Cappuccino und Eis.

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Der Weg schlängelt sich dann ums Schloss rundum, erst mal bergab und dann gefühlt doppelt so weit wieder hoch.

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Anschließend wird es deutlich ländlicher, ohne Radweg auf kleinen Landstraßen, aber fast ohne Verkehr, also eher problemlos. Es geht bergauf und bergab, ersteres allerdings deutlich öfter und weiter, bis wir schließlich an besagten Endanstieg gelangen, der uns in der prallen Sonne alles abverlangt. Oben angelangt entdecke ich nach einer kurzen Reanimationsphase ein Schild, dass wir die Mitteleuropäische Wasserscheide erreicht haben. Das bedeutet, wir befinden uns auf dem Dach der Welt. Also zumindest von diesem Teil der Welt. Smiley Alle Flüsse, die auf der einen Seite runterplätschern landen irgendwann (über die Donau) im Schwarzen Meer und alle auf der anderen Seite fließen über den Rhein in die Nordsee. Erdkunde gab`s also auch noch und das bei `nem Wetter, wo eigentlich hitzefrei wäre!

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Von da ab geht es aber lange und zügig bergab, auf kleinen Sträßchen oder auf Feld- und Waldwegen. Jetzt ist es richtig schön zum Fahren, immer noch sehr heiß, wobei man dadurch jeden Meter im Schatten doppelt genießt. Einmal fahren wir an einem Schilift (wurde wirklich so geschrieben, wenn das die neue Rechtschreibung ist, bin ich lieber Legastheniker!) vorbei, ich könnte mir grad nichts deplatzierteres vorstellen. In einem Ort entdecken wir ein Häuschen, dass mit einem bunten Sammelsurium an Schildern und Aufschriften und Zeitungsausschnitten garniert ist. Wir werden nicht wirklich schlau aus dem Ganzen, gehört wohl einem besonderen Künstler, wir kommen aber zu dem Schluss, dass der Typ “dagegen” ist. Und zwar gegen ALLES!

Nach einer kurzen Pause geht es durch ein langgestrecktes Tal, die Landschaft ist tatsächlich traumhaft, allerdings ist es schwierig den Blick schweifen zu lassen, da mangels eines Radweges wieder auf der Straße gefahren werden muss, die hier wieder etwas verkehrsreicher ist. Dann geht es wieder quer durch`s Gemüse, durch die besagten lustigen Ortschaften, durch Hersbruck und Lauf, nur unser Ziel will einfach nicht näher kommen. Es geht schon seit geraumer Zeit entlang der Pegnitz, die uns zu unserem Ziel, der Innenstadt von Nürnberg geleiten soll, der Weg ist wunderschön, durch die Auen, aber laut unseren Tachos sollte sich langsam die Silhouette der Frankenmetropole vor uns auftun. Wer immer die Entfernung auf der Website des “5-Flüsse-Radweges” angegeben hat, er hat sich nicht an metrische Maßeinheiten gehalten. Obwohl und auch die letzten brütend heißen, sehr schweren Kilometer durch die Nürnberger Pegnitz-Auen und entlang des Wöhrder Sees gefallen, am Nürnberger Bahnhof stehen fast 85km zu Buche. Das war tatsächlich so nicht geplant und bei dem Wetter wirklich eine harte Trainingseinheit.

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Aber was soll`s, wir haben es, wie immer genossen. Radfahren ist unser Hobby, es ist für uns die schönste Art der Fortbewegung, schnell genug um voran zu kommen und gleichzeitig langsam genug um die Umgebung wirklich wahrzunehmen. Letzteres geht weder mit Auto noch Motorrad noch mit der Bahn. Das sind Fahrzeuge, um von A nach B zu gelangen, aber uns nicht gut genug um unsere Freizeit auszufüllen.