Unter Geiern

Für heute ist die längste Tour geplant, es geht von Sòller über den Küstenweg Sa Costera nach Cala Tuent, dazwischen liegen der Aussichtspunkt Mirador de ses Barques mit 446m der höchste Punkt und ein langgestrecktes Tal, das Balitx d`Avall.

Wir starten wieder am Hotel und gehen ein wenig durch die Gassen von Sòller. Witzigerweise ist das der Weg, den wir am ersten Tag versehentlich gegangen sind, heute sind wir aber richtig hier. Wir gehen ziemlich flott, denn die Luft ist rauchgeschwängert. Jeden Morgen zündelt irgendeiner der Mallorquiner in seinem Garten, die verbrennen die Gartenabfälle und der Rauch bleibt hier im Tal hängen, dass es nicht zum Aushalten ist, die Sonne tut das ihrige dazu, den Rauch hier ins Tal zu drücken. So gehen wir fast 2km bergan, bis man einigermaßen Luft holen kann. Von oben sieht man die Stadt kaum unter der Dunstglocke. Es geht steil bergauf, über 5km lang nur Steine und Treppen.

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Schließlich kommen wir an einen Aussichtspunkt auf fast 450m Höhe, von wo man direkt auf Port de Sòller runter schaut. Solche Bilder kannst du nicht malen, kein Foto gibt diesen Eindruck wirklich wieder.

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Von hier geht es nun zuerst sacht, dann immer steiler in ein Tal, wo wir am tiefsten Punkt die Finca Balitx finden werden. Durch Olivenhaine und brache Felder geht es über staubige Schotterstraßen und steinige Pflasterwege, hier weht kein Lüftchen und es hat mittlerweile 30°C, dass es uns die Schweißperlen aus allen Poren drückt. Und über uns kreisen schon die Geier. Hier gibt es nämlich reichlich Mönchsgeier, mit bis zu 3 Metern Spannweite der größte Vogel Europas. Wir sehen einige und machen unsere Witze darüber, warum die wohl gerade hier über uns kreisen. Noch fühlen wir uns gar nicht so schlapp. Noch…

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Am tiefsten Punkt des Tales steht die Finca Balitx, hier soll es frischen O-Saft und andere Getränke geben, aber nix isses, niemand zu Hause. So nehmen wir ungestärkt den nächsten Anstieg in Angriff und der kostet uns alle Kraft. Es geht wüste, wilde Wege und Stufen nach oben. Oft muss man echt kraxeln, weil die Stufen und Steine ein normales Gehen gar nicht zulassen. Zu allem noch dazu kommt, dass die Sonne genau auf den Hang brennt und es kaum mal schattige Stellen gibt. Die letzten Meter bis zum Pass führen auf einem Weg (in unserer Beschreibung als Schotterstraße tituliert), der kaum begehbar ist. Hier ist anscheinend ein Teil der Berges abgerutscht, auf jeden Fall ist der Weg die reine Geröllhalde.

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Oben am Pass können wir kaum noch schnaufen und genießen die Frische Prise Wind, die uns jetzt vom Meer her entgegenweht. Es geht steil bergab zur Küste, allerdings müssen wir hochkonzentriert bleiben, denn der Weg ist nach wie vor sehr schwierig. Dafür ist der Ausblick wieder überwältigend, wir sind hier auf dem Küstenweg Sa Costera. Dieser führt uns etliche Kilometer am Meer entlang, bis er zum Ende hin noch einmal heftig ansteigt. Nun ist endgültig Schluss mit lustig, wir können echt nicht mehr und stolpern anschließend mehr als wir gehen zur Küste hinab in die Cala Tuent. Dort gibt es wenigstens in einer Holzhütte kühle Getränke, das Wasser, das wir dabei hatten ist mittlerweile auch lauwarm. Wir sitzen noch ein wenig im Schatten und warten auf das Boot, das uns zurück in den Hafen von Sòller bringt, wo der Tag bei Aperol Spritz und Bierchen mit einem leckeren Abendessen ausklingt.

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Die Tour ist wunderschön und echt interessant, aber mehr als 16km über Stock und Stein, bergauf und bergab bei 30°C , bringen uns Couch-Potatoes doch an die Belastungsgrenze. Für solche Touren muss man 20 Jahre jünger oder besser trainiert sein. Oder am Besten beides.