Urlaubsende – aber nicht die letzte Radltour!

Gegen 8:00 Uhr wache ich auf und kann schon hören, dass es immer noch regnet. Gestern Abend hatte es schon leicht angefangen zu regnen und auf einmal waren die Straßen in denen es tagsüber noch von Menschen gewimmelt hatte fast menschenleer. Aber so ein paar Regentropfen konnten uns von einem Spaziergang nicht abhalten, schließlich war es unser letzter Abend in Amsterdam.
20:32 Uhr – die Abfahrtszeit des CityNightLine nach München. Beim Klamotten einpacken trödeln wir ein bisschen, denn für den letzten Tag haben wir keinen konkreten Plan was wir anstellen wollen. Als wir dann endlich fertig sind, unsere Radltaschen an der Rezeption bis zum Abend deponiert haben, hat der Himmel aufgeklart, es regnet nicht mehr und wir machen uns auf den Weg in die Stadt, erst mal Kaffeetrinken. Da ich mir gerne das Anne-Frank-Museum ansehen würde machen wir uns danach auf den Weg dorthin. Angekommen müssen wir dann zu unserem Entsetzen feststellen, dass dort eine endlos lange Schlange auf Einlass wartet. Uns dort anzustellen haben wir beide keine Lust und wir schlendern weiter durch die Straßen der Stadt. Ein paar letzte Fotos geschossen, Käse gekauft, Cappuccino getrunken und nochmal den “ganz speziellen Duft” der Koffeeshops eingeatmet. So geht der Tag vorbei und wir machen uns auf den Rückweg zum Hotel, wo unser Gepäck und unsere Drahtesel auf uns warten. Natürlich sind wir viel zu früh am Bahnhof, dessen Gebäude von außen zwar wunderschön ist, innen aber nicht viel zu bieten hat. Hier haben wir keineswegs Lust zweieinhalb Stunden neben unseren Rädern stehend zu warten. Ich begebe mich auf die Suche nach Schließfächern und werde – wie könnte es anders sein – am anderen Ende des Bahnhofs fündig. Auch hier sind die Niederländer fortschriftlicher als wir; bezahlt wird mit der Kreditkarte, es gibt keinen Schlüssel sondern ein Ticket mit welchem hinterher die Tür wieder zu öffnen ist. Dann bringen wir unsere Räder zum “Fietsparkeren op Stationseiland Amsterdam Central” , also ins Fahrradparkhaus und wir drehen noch mal eine letzte Runde durch die Stadt. Nachdem wir dann beim Fast-Food-Chinesen noch einen Imbiss genossen haben war die Zeit dann doch recht kurzweilig.

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Wir sind noch nicht lange auf dem Bahnsteig, da erscheint unser Zug auch schon auf der Anzeigentafel.

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Nach vier Tagen Großstadtmarathon habe ich platte Füße und bin froh, wenn wir denn gleich endlich im Zug sitzen. Ja, wäre das schön; eine halbe Stunde vor Abfahrt erscheint oben auf der Anzeigentafel der dezente Hinweis: + 15 Minuten. Aus diesen fünfzehn Minuten werden dann später + 30 Minuten und zum Schluss kommt der Zug eine ganze Stunde später. Bin ich froh, als der Zug endlich einläuft, durch die nervige Warterei ist mir inzwischen auch kalt geworden. Für die Radln ist heute ein ganzes Abteil reserviert; mehr als 30 Räder würden hier Platz finden, da hätten wir uns die Reservierung sparen können – aber weiß man’s? Nachdem wir uns mit unserem Gepäck durch zwei Schlafwagenabteile gekämpft haben finden wir endlich die für uns reservierten Plätze. Diese sind im Großraumabteil und der Komfort ist mit unseren Plätzen auf unserer Fahrt nach Bremen nicht zu vergleichen. Überhaupt scheint dieser Wagon seine besten Tage lange hinter sich zu haben. Die Rücklehnen der Sitze lassen sich nicht richtig arretieren, das Fensterrollo befindet sich nur noch auf einer Seite in der Laufschiene und die Leselampen die jeweils oben im Sitz integriert sind kann man gelinde gesagt nur als Funzel bezeichnen. Auch im Abteil selbst ist es recht schummrig. Na ja, liegt vielleicht daran, dass einige schon die Rollos runtergezogen haben. Dies bleibt so ungefähr bis Arnheim, dort wird dann von einer hektisch hin und herlaufenden Schaffnerin die Deckenbeleuchtung eingeschaltet. Das Licht der Neonröhren vertreibt schlagartig die Dunkelheit. Unsere Schaffnerin läuft weiter hektisch hin und her, drückt hier und da einen Knopf und auch draußen am Zug seh ich sie hin- und herlaufen. Irgendwas scheint nicht in Ordnung zu sein. Gesprächig ist sie nicht und wir erfahren nicht was los ist, nur soviel, das Licht bleibt an, damit die noch einsteigenden Passagiere ihre Sitze finden. ??? Hat dieser Wagon etwa keine Notbeleuchtung? Wenigstens weiß ich jetzt, warum die Leselampen nur solche Funzeln sind, bei solchen Deckenflutern sind sie vollkommen überflüssig.
Zum Glück trage ich heute einen Kapuzenpulli. Die Kapuze ziehe ich mir tief ins Gesicht und kann so wenigstens ein bisschen schlafen.
Nach einer Fahrt quer durch die Republik kommen wir schlussendlich mit einer Verspätung von zwei Stunden, fünfzehn Minuten, ein wenig müde, aber wohlbehalten in München an. Der Zug für die Weiterfahrt nach Regensburg ist natürlich längst weg. Beim Blick in den Computer, wann der nächste fährt erleben wir dann die nächste Überraschung. Wegen Gleisarbeiten auf einer Teilstrecke fällt jeder zweite Zug aus und der nächste fährt erst um 10:44 Uhr. Schon wieder warten. Leider erfüllt sich auch die Hoffnung, dass der Zug um diese Zeit vielleicht nicht so voll ist, nicht. Wie sollte es auch, wenn nur jeder zweite Zug fährt.
Nach fünfzehn Stunden kommen wir am 28. Juni um kurz vor zwölf nach einem wunderschönen Urlaub endlich zu Hause an. Es wird nicht unser letzter Radlurlaub gewesen sein! Wir planen nämlich schon wieder!