Wieder was gelernt

Morgens 08:00 Uhr. Draußen ist strahlend blauer Himmel und die Sonne scheint aus demselben. Das gibt es hier tatsächlich auch! Im Laufe der nächsten Minuten gewinne ich zwei neue Erkenntnisse. Aufstehen ist bei Sonnenschein auch nicht schöner und Sonnencreme brennt furchtbar, wenn man sie sich in die Augen schmiert. Während sich ersteres Problem beim üppigen Frühstück mit viel Kaffee von selber löst (das Frühstück ist mit Abstand das Beste der bisherigen Tour – wir überlegen, einen Tag länger zu bleiben um alles aufessen zu können), lässt sich zweiteres Dilemma nicht durch Wischen oder waschen lösen. Einmal ordentlich ins Auge eingerieben entfaltet die Sonnencreme ihre ganze Wirkung und so fahre ich buchstäblich mit einem lachenden und einem weinenden Auge hier weg. Die eingedeichte Insel Nordstrand besteht aus der Gemeinde Nordstrand, die sich in mehrere Ortsteile aufgliedert. Wenn man von oben reinkommt erreicht man als erstes Oben. Man folgt dann der Küstenlinie und gelangt nach Norden und Norderhafen (wo wir übernachtet haben). Von dort geht es weiter nach Westen und Süden, bzw. dann Süderhafen. Ob es Osten und Unten auch gibt, konnten wir nicht rausfinden, aber zuzutrauen wäre es den Nordfriesen allemal. Auf jeden Fall waren wir nur einen Kilometer von England entfernt, da sind wir aber dann nicht hingefahren, die können nicht Fußball spielen. Zwinkerndes Smiley  Obwohl sich das Wetter mäßig gestaltet, haben wir bis dahin frischen Rückenwind, der Plan geht also bislang auf. Nachdem man die Insel über die Pohnshalligkoogstraße verlassen hat führt der Weg entlang einer Bundesstraße nach Husum. Wir wollten uns ein wenig umschauen in Husum, aber es gibt nicht so wirklich was zu sehen. So trinken wir also einen Cappuccino, essen ein Eis und bessern die Bargeldreserven ein wenig auf und verlassen Husum wieder auf der anderen Seite der Husumer Au.

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Hier trennen wir uns wieder vom NSCR, der auf einigermaßen geradem Wege nach Sankt Peter-Ording durchs Land führt. Wie wollen aber noch den Leuchtturm Westerherver mitnehmen und halten uns an die Küstenlinie. Hier wird es jetzt richtig ländlich, wenn man vom “Arsch der Welt” spricht, meint man wohl diese Gegend. Riechen tut es auch so, könnte allerdings auch mit den zahlreichen ländlichen Betrieben zusammenhängen. Der Himmel hat inzwischen aufgerissen und so haben wir immer wieder sonnige Abschnitte abwechselnd mit dicken, zum Teil sehr bedrohlich wirkenden dunklen Wolken, aber es bleibt trocken, bei frischem Wind aus allen möglichen Richtungen. Der Radlweg an der Deichlinie wird immer schlechter, bis er nur noch ein grasüberwachsener Schotterstreifen ist. Als wir uns schon überlegen, die Holperstrecke zu verlassen, wird uns die Entscheidung abgenommen und der Radweg ist zu Ende. Ab hier geht es dann 10 km bis Osterherver über die Landstraße. So freundlich die Friesen sonst auch sind, auf Radfahrer nehmen sie hier keine Rücksicht und brettern ohne abzubremsen im Zentimerabstand an uns vorbei. Gegenverkehr oder nicht, das spielt dabei auch keine Rolle, im Zweifelsfalle räumt man einfach den Radler ab. Irgendwann biegen wir wieder Richtung Norderheverkoog und damit Richtung Deich ab. Als wir die Westspitze erreichen, machen wir eine kurze Pause und schauen mal über den Deich. Schaut alles aus wie immer und so wollen wir die Reise wieder aufnehmen, sind ja nur noch ein paar Kilometer bis zum Leuchtturm. Denkste, erst mal ist Reparaturpause angesagt, weil das edle Schwarze einen Plattfuß am Hinterrad hat. Aber dafür schleppen wir ja schließlich den ganzen Werkzeugkram mit. Nach erfolgter Genesung des edlen schwarzen Rosses erreichen wir bald den Leuchtturm, der inmitten der Salzwiesen frei im Gelände steht. Dort befindet sich rundum nix, nur der Leuchtturm und zwei kleine Nebengebäude, wo ein paar Naturforscher und Vogelkundler hausen. Bei dem schönen Wetter mag das ganz romantisch daherkommen, aber im Herbst oder Winter, wenn das Wasser an der Haustür steht, ich kenne schönere Gegenden zum Wohnen.

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Der eigentliche Plan war, hier irgendwo nach einer Herberge zu suchen. Aber such mal im Niemandsland nach einem Hotel… Es gibt ein paar Ferienwohnungen auf den Bauernhöfen und einen “Landhof” aber danach steht uns jetzt doch nicht der Sinn. Und so treten wir noch mal in die Pedale um nach 15 weiteren Kilometern, diesmal gegen den Wind mit kurzem Regenschauer Sankt Peter-Ording zu erreichen. Nach einigem Suchen finden wir ein sehr schönes Hotel, zu überschaubarem Preis und beschließen zwei Tage hier zu bleiben. Die hiesigen Herbergen sind ganz gut ausgebucht, obwohl noch keine Ferien sind. Einige Pensionen weisen uns mal wieder ab, weil ihnen für nur ein oder zwei Übernachtungen der Aufwand zu hoch ist, einige Hotels sind schlicht und ergreifend außerhalb unseres Budgets. Aber das Hotel zum Wikinger ist gut für uns, passt in unsere preislichen Vorstellungen und wird unser “Zuhaus” für die nächsten beiden Tage.