Wieder zurück im Alten Land

Am Morgen am Frühstückstisch beraten wir den Fortgang der Tour. Wir haben nicht mehr so weit bis Hamburg und haben noch drei volle Tage Zeit. Drei Tage deshalb, weil wir am Mittwoch erst 20 Minuten nach acht am Abend von Hamburg Altona abfahren werden. Wir beschließen, den Rest der Fahrt so zu planen, dass wir am Dienstag in Hamburg ankommen und den Mittwoch in der Stadt verbringen. Wir werden heute noch mal auf die andere Seite des Flusses wechseln und bis Stade fahren, weil uns die Stadt gut gefallen hat, obwohl sie am Ende einer Chaos-Etappe lag. Wir hatten letzte Woche nicht viel Zeit und wollen deshalb noch mal einen Abend in der Stadt im “Alten Land” verbummeln.
Zunächst fahren wir noch mal zur Schleusse und beobachten ein paar Schiffchen beim Einfahren. Während ich ein paar Fotos schieße, sticht mich eine Wespe in den Finger. Während der Notoperation, um den Stachel zu entfernen und die Wunde zu versalben, geht eine unserer Kameras zu Boden, zum Glück gibt es keine größeren Schäden zu beklagen, weder an der Kamera noch am Finger.
Wir setzen mit der Fähre über den Kanal über und beginnen unsere Reise in Richtung Glückstadt. Unterwegs sehen wir immer wieder die riesigen Containerschiffe und versuchen zu zählen und / oder abzuschätzen wie viele dieser Dinger auf so einem Pott wohl Platz haben. Es gelingt uns nicht so richtig, aber ein Wert zwischen 800 und 1000 Containern kommt wohl der Wahrheit recht nahe, je nach Beladung. Man kann ja auch nur ahnen, was sich im Bauch der Schiffe noch alles befindet. Man bedenke, ein LKW kann genau EINEN dieser Container bewegen. Das ist schon unglaublich!
Wir beobachten außerdem am Ufer der Elbe einen Fischer, der seine Reussen leert und umkreisen in strahlender Laune das AKW Brunsbüttel, das eigentlich in Brokdorf steht.P1070386P1070400P1070395

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Kurz vor Glückstadt hat sich ein endlos langer Stau auf einer Bundesstrasse gebildet, die wir kreuzen wollen, bis wir in allerletzter Sekunde gewahren, dass es sich dabei um die Schlange an der Elbfähre Glückstadt – Wischhafen handelt. Da wollen wir eigentlich auch über den Fluss, fast hätten wir das verpasst. Da wir uns mit unseren Fahrrädern natürlich nicht hinten anstellen, sondern ganz nach vorne fahren, können wir sofort auf die gerade eingefahrene Fähre fahren. Mit dem Auto wäre die Wartezeit wohl eine Stunde oder länger gewesen, obwohl hier 4 Fährschiffe unterwegs sind. Aber das Verkehrsaufkommen ist viel höher, als diese vier Schiffchen bewältigen können. Auf der anderen Seite angekommen, genehmigen wir uns noch ein Tässchen Kaffee und fahren dann weiter durch Krautersand. Das ist eine eingedeichte, also trockengelegte ehemalige Insel. Es geht durch die Marschlandschaften, vorbei an lustigen Plastiken, quer durch Schafherden, diesmal nicht eingepfercht, sondern mit Schäfer und Hund. Die Schafe sind schon nur schwer zu bewegen, uns durch zu lassen, aber der Hund wäre gegen mein Fahrrad gerannt, wenn ich nicht ausgewichen wäre. Das liegt aber nicht daran, das er so groß und stark gewesen wäre, er schaut aus wie ein typischer, nur etwas zu klein geratener Hirtenhund. Allerdings scheint er so alt zu sein, wie Schäfer und alle Schafe zusammen. Er ist zottelig und zerrissen und grau und trabt mir, wie gesagt fast vor`s Vorderrad. Als ich ihn anspreche, schaut er mich treuherzig an, macht einen Schritt zur Seite und lehnt sich an mein Fahrrad. Er reibt ein wenig seinen Kopf an meinem Knie, aber so harmlos, wie der wirkt, kann er wohl kein Lämmchen mehr beeindrucken. Ich halte ein wenig Smalltalk mit dem (ebenso grauen und zerrissenen) Schäfer und werde dabei schamlos und hinterrücks fotografiert. Anschließend rollern wir weiter über den Deich, trinken einen weiteren Kaffee mit sehr leckeren, selbstgebackenen Keksen und rollern dann in Stade ein. Wir finden unser Hotel sofort und ohne Probleme und stellen dabei fest, dass wir das letzte Mal einen riesigen Bogen einmal um die Innenstadt gefahren sind. Im Hotel angekommen wird uns das Appartement unterm Dach offeriert, anstelle des gebuchten Doppelzimmers. Unser Gepäck wird vom Hotel-Boy wortgewaltig bis unters Dach befördert. Der Typ, ein im gebrochenem deutsch parlierendem ca. 25 Jährigem, macht den typischen Eindruck eines Hotelpagen, allerdings ohne Uniform. Er ist wahnsinnig nett und erzählt uns alles mögliche übers Hotel, über die Besitzer, über die Zimmer und beschreibt uns schon mal das Frühstücksbuffet von Morgen. Dabei lässt er mich keine einzige unserer Taschen selber tragen, so was hab ich noch nie erlebt. Das Zimmer selber ist der Hammer, vier Betten auf zwei Etagen und ein 60 cm Flat Screen. Alles für den Preis eines Doppelzimmers, einfach phänomenal.
Wir kreiseln ein bisschen durch die wunderschöne Altstadt, kehren beim bereits bekannten Griechen ein (bereits das dritte Mal griechisch diese Woche, es ist aber auch zu lecker!) und liegen inzwischen im Bett und schauen auf unseren überdimensionalen Fernseher den deutschen Stolperkünstlern zu.

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Morgen soll wieder schönes Wetter werden, wir werden unsere Radtour noch einmal durch`s “Alte Land” ausklingen lassen um dann in Hamburg Altona zu stranden.