Zieleinlauf

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Am Morgen nach dem großen Fest checken wir aus dem Hotel aus und schlendern noch einmal in den Hafen um zu frühstücken. Da wir beide nicht diejenigen sind, die morgens Berge von Eier und Toast verdrücken, sind uns 12,50 € p.P. für eine morgendliche Mahlzeit einfach zu viel. Also suchen wir uns ein Cafè, welches die Spuren der gestrigen Orgie schon (mehr oder weniger) beseitigt hat und trinken dort zwei Kaffee. Den Sonnenaufgang haben wir natürlich grandios verschlafen, dafür genießen wir jetzt den Blick über den Hafen, zwar etwas diesig, aber sonnig. In den nächsten Tagen soll sich der Hochsommer nun endlich Bahn brechen, wir werden sehen.
Nach dem Kaffee besteigen wir ein Boot, dass uns auf die Insel Marken bringen soll. Dabei ist Insel wohl doch nicht der richtige Begriff, Marken war mal eine Insel in der Zuiderzee, wurde aber 1957 durch einen Deich mit dem Festland verbunden. Ursprünglich war sogar geplant, durch Trockenlegung und Errichtung eines Polders Marken komplett dem Festland einzuverleiben, der Plan wurde aber aufgegeben, bzw. “auf unbestimmte Zeit verschoben”.

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Wir landen also gegen Mittag in Marken und drehen zuerst mal eine Runde über die Insel. Ziel ist der 1839 erbaute Leuchtturm Paard van Marken am nördlichen Ende der Insel, der sehr zu unserem Bedauern aber komplett eingerüstet ist, aber irgendwann muss so ein Bauwerk wohl auch mal renoviert werden.
Wir genehmigen uns anschließend noch ein wenig Fisch am Hafen, frisch gefangen, der zappelt fast noch in der Semmel. Dann begeben wir uns auf den allerletzten Abschnitt unserer diesjährigen Rundfahrt, nämlich auf den Weg in die Hauptstadt nach Amsterdam. Wir fahren noch etwa 25km übers Land, teilweise vollkommen einsam, ab und an sind mal ein paar Viecher zu sehen, Fischreiher, viele Schwäne mit Jungen, es ist auch hier, nur wenige Kilometer vor den Toren der Hauptstadt ein sehr ländliches Feeling.

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Doch bereits als wir den äußeren Gürtel von Amsterdam erreichen, ändert sich das Bild. Wir umrunden auf diesem Radweg, der ganz außen an Amsterdam vorbeiführt zunächst einen Teil der Stadt. Wir fahren einen der typischen Kanäle entlang, auf dessen anderer Seite sich Wochenendhäuschen in kleinen, Schrebergarten-ähnlichen Grundstücken aufreihen. Einen Garten mit Bootsanlegeplatz, hat man auch nicht überall. Nach einigen Kilometern biegen wir in Richtung Stadt ab und dann merkt man es ganz deutlich. Nach 14 Tagen Überlandfahrt, Übernachtung (mit Ausnahme von Den Haag) nur in kleineren Orten, kommt man sich vor, als tauche man in eine andere Welt ein. Der Verkehr nimmt extrem zu, sowohl auf der vierspurigen Straße, als auch auf dem Radweg, auf dem wir der Straße folgen. Amsterdam ist wohl auch die Hauptstadt der Radfahrer, aber hier hat man als Radler immer Vorfahrt! Während unserer gesamten Reise hat uns die zuvorkommende Art, mit der Radler hierzulande behandelt werden schon gefreut, aber in Amsterdam hat man mit dem Rad irgendwie immer Vorfahrt. Selbst an Ampeln wartet man, nachdem man auf`s Knöpfchen gedrückt hat nur wenige Sekunden, der übrige Verkehr wird sofort gestoppt zugunsten der Biker. Wenn mir noch einer was von Radfahrer-freundlichen Städten in Deutschland erzählt, dann weiß ich genau, der war noch nie hier. Die einzigen, die in der Verkehrshierarchie noch weiter vorne zu kommen scheinen sind die Rollerfahrer, zumindest meinen sie das. Die fahren ohne je zu stoppen auf Straßen, Radwegen und bei Bedarf auch auf Fußwegen und in Fußgängerzonen. Ich weiß nicht, ob das so gedacht ist, es geht aber irgendwie immer gut. Jedenfalls radeln wir jetzt durch die Randbezirke in Richtung Zentrum, wo wir unser Hotel finden wollen. Die Vorstädte hier haben nichts gemein mit den Betonghettos deutscher Großstadt-Randbezirke. Das war mir schon in Den Haag aufgefallen, es gibt kaum solche Betonbunker, alles ist in Backsteinbauweise und höchstens dreistöckig gebaut. Schaut zwar in den längeren Häuserzeilen auch eintönig aus, hat aber ein ganz anderes Flair. Natürlich fahren wir nur an einer Hauptstraße entlang, vielleicht schaut es dahinter anders aus, aber hier finde ich es durchaus angenehm. So radeln wir fast 10km, kommen sogar an dem Hotel vorbei, wo wir vor zwei Jahren gewohnt hatten und finden auf Anhieb unsere Heimstatt für die nächsten 3 Tage. Das Haus ist ein typisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, nur wenige Meter breit, aber sehr tief, sogar mit einem kleinen Garten im Hinterhof, wo wir unsere Räder abstellen können. Dort werden wir auch in den nächsten 3 Tagen unser Frühstück einnehmen, das habe ich sofort beschlossen. Das Haus ist top-renoviert, unser Zimmer hat sogar einen Kamin, der aber erstens wohl nicht mehr in Betrieb ist und zweitens bei den Temperaturen, die für die nächsten Tage vorausgesagt sind und sich jetzt schon andeuten auch kaum gebraucht werden wird. Wir packen also aus, duschen und begeben uns sofort auf unseren ersten Spaziergang in Richtung City, die Fahrräder werden wir nicht mehr brauchen, Amsterdam ist zu Fuß am schönsten, auch wenn das zum Teil richtige Marathon-Wanderungen werden.

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